# taz.de -- Protestwochenende in Demmin: Antifa-Party gegen Nazi-Düster
> Antifas wollen in Demmin erneut gegen einen Neonazi-„Trauermarsch“ am 8.
> Mai protestieren – dieses Jahr mit Camp. Das gefällt nicht allen in der
> Stadt
(IMG) Bild: Vorbildlich: Sitzblockade in Demmin gegen den Nazi-Aufmarsch am 8. Mai 2025
Demmin ist eine Stadt mit einer traurigen Geschichte. In den letzten Tagen
des Zweiten Weltkriegs begingen in der Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern
hunderte Menschen Massensuizid. Vor allem sollen es Frauen gewesen sein,
[1][die sich und ihre Kinder ertränkten, sich die Pulsadern aufschnitten
oder erschossen.] Nicht wenige waren von Sowjetsoldaten vergewaltigt
worden, andere töteten sich, weil sie das Ende des Naziregimes nicht
ertragen konnten oder sich vor Racheakten fürchteten. Lange wurde diese
Geschichte nicht aufgearbeitet, sondern tabuisiert und verdrängt.
Seit 2006 nutzen die Neonazis der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) diese
erinnerungspolitische Lücke und veranstalten am 8. Mai, dem Tag der
Befreiung vom Nationalsozialismus, in Demmin einen „Trauermarsch“. Auch in
diesem Jahr wollen sie unter dem Motto „8. Mai – Wir feiern nicht“ einen
geschichtsrevisionistischen deutschen Opfermythos verbreiten. Getrauert
wird dabei nicht darum, dass es zum Wahnsinn des Nationalsozialismus kommen
konnte, sondern um die Niederlage des Deutschen Reichs. Doch
unwidersprochen bleibt das nicht.
„Der 8. Mai muss gefeiert werden. Wir dürfen nie vergessen, dass sich die
Deutschen nicht selbst befreit haben, sondern von außen befreit werden
mussten“, sagte Rosa Mayer vom [2][örtlichen Aktionsbündnis 8. Mai Demmin]
zur taz. [3][Wie schon im vergangenen Jahr] plant das Bündnis deshalb nicht
nur, den Naziaufmarsch zu stören – sondern auch eine große
„Befreiungsparty“ am Abend. Zu den Protesten am Freitag wird eine
vierstellige Zahl Antifas erwartet.
Unterstützung erhalten die Demminer:innen von zahlreichen regionalen
Gruppen sowie durch die bundesweite Antifa-Gruppe Widersetzen, die durch
die Massenblockaden von AfD-Parteitagen bekannt ist. Erstmals gibt es
dieses Jahr in Demmin zudem ein mehrtägiges antifaschistisches Protestcamp.
„Wir wollen Fröhlichkeit in der Stadt versprühen, eine andere Stimmung als
die Düsterheit der Nazis“, sagte Mila Weber von Widersetzen zur taz.
## Befreiungsparty geplant
Gleichzeitig wolle man auf einen sensiblen Umgang mit der Bevölkerung
achten, so Weber. Man erkenne die Traumata an, die es immer noch in der
Stadt gebe, und wolle deshalb unter anderem auf der Demonstration auf
Pyrotechnik verzichten.
In der rechten Hochburg Demmin kommen die Aktionen trotzdem nicht überall
gut an. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 haben hier fast 50 Prozent
AfD gewählt. Mit dem Erfolg der AfD würden sich auch die organisierten
Neonazis immer mehr trauen, berichtet Mayer vom lokalen Bündnis. Die Szene
sei in Demmin nicht stärker [4][als anderswo in der Umgebung], „so
Alltagsnazikram“ sei dennoch an der Tagesordnung, sagt sie – und meint
damit Hitlergrüße, Pöbeleien, Anfeindungen, rechte Sticker und Parolen. Für
das Camp hätten sich die Aktivist:innen ein Sicherheitskonzept
überlegt.
Unterstützung für ihren „Trauermarsch“ hätten die Nazis in der Stadt
trotzdem nicht, glaubt Mayer. „Was wir eher an Kritik hören, sind so Sachen
wie: Wir finden die Nazis auch nicht gut, aber deshalb muss man doch nicht
so einen Aufrieb machen.“ Ihre Analyse der Stimmung in der Stadt: „Alle
verschließen die Fenster und gucken weg.“
## Stadtverwaltung legt Steine in den Weg
Dass die Antifas in Demmin keinen guten Stand haben, wird von Leuten wie
[5][Enrico Schult befeuert, dem AfD-Spitzenkandidaten für die im September
anstehende Landtagswahl]. „Wir feiern Antifaschismus? Nee, bleibt zu Hause,
wir wollen euch hier nicht“, meckert dieser in einem Instagram-Video vor
einem „8. Mai nazifrei“-Plakat. Wen er als schlimmer erachtet – die Nazis
oder die Antifa –, daran lässt Schult keinen Zweifel. Die Neonazis würden
schließlich nur „einmal durch die Stadt laufen“, sagt er, während die
Antifas vor allem „Müll, Unmengen an Müll“ hinterlassen würden.
Das Müllargument kennt auch Mayer gut. Davor hätten viele in der Stadt
Angst, sagt sie. „Das ist eine dieser Geschichten, wo uns der Stadtrat echt
Steine in den Weg legt.“ Im vergangenen Jahr habe die Stadtverwaltung kurz
vor den Protesten plötzlich alle Dixieklos und Mülleimer abgebaut,
angeblich aus Angst, diese könnten für Barrikaden verwendet werden, erzählt
Mayer. „Und anschließend haben sie sich dann beschwert, dass Müll
herumlag.“ Dabei wolle man doch selbst keinen Müll in der Stadt haben.
Um gegen solche Vorurteile vorzugehen, wollen die Aktivist:innen in den
kommenden Jahren an engeren Bündnissen mit der Stadtgesellschaft arbeiten.
Denn Mayer ist sich sicher: „Wenn alle einmal ihre Ablehnung zum Ausdruck
bringen würden, wäre den Nazis schnell klar, dass sie hier niemand haben
will.“
7 May 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Timm Kühn
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