# taz.de -- Grünen-Wahlkampf in Rheinland-Pfalz: Das Gegenteil von Cem Özdemir
> In Rheinland-Pfalz gehören die Grünen zu den Kleinen. Sie konzentrieren
> sich auf ihre Kernthemen – und müssen sich im Finale gegen die SPD
> behaupten.
(IMG) Bild: Ministerin Unbekannt: Katrin Eder, Spitzenkandidatin der Grünen in Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz darf die Bundesprominenz geschlossen mithelfen. Die
Fraktionschefinnen aus dem Bundestag waren da, die amtierenden
Parteivorsitzenden, und sogar der Ruheständler Robert Habeck ließ sich für
eine Veranstaltung mit Spitzenkandidatin Katrin Eder reaktivieren. Der
Wahlkampf der Grünen in Rheinland-Pfalz ist in der Hinsicht das Gegenteil
zu dem, [1][der kürzlich in Baden-Württemberg zu Ende ging]: Dort war der
Großteil der Bundespartei noch aufgerufen, sich bloß nicht in der Nähe des
eigenen Spitzenkandidaten blicken zu lassen.
Auch sonst ist für die Grünen vor der Landtagswahl an diesem Sonntag
einiges anders als vor anderthalb Wochen ein Stückchen weiter im Süden. Am
Kampf um die Staatskanzlei ist die Partei hier zum Beispiel nicht
beteiligt. Rheinland-Pfalz, ländlich geprägt, war noch nie eine Hochburg
der Grünen. 2011 holten sie bei einer Landtagswahl einmal 15 Prozent der
Stimmen, weil es zwei Wochen zuvor im AKW Fukushima zur Kernschmelze
gekommen war. Dahinter ist das Resultat von vor fünf Jahren – 9,3 Prozent –
schon das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte.
Ungefähr in dieser Größenordnung bewegten sich zuletzt auch die
Umfragewerte der Grünen, die seit 2011 als Juniorpartner zusammen mit der
SPD in Mainz regieren, seit 2016 zusätzlich mit der FDP an Bord. Sollten
sie ihr Ergebnis von 2021 halten, obwohl Klimapolitik in der Bevölkerung
viel weniger nachgefragt ist als damals, wäre die Partei wohl schon
zufrieden.
Möglich ist allerdings auch, dass in den letzten Wahlkampftagen noch einige
Stimmen verloren gehen. Was den Grünen in Baden-Württemberg im Endspurt
geholfen hat, könnte in Rheinland-Pfalz zu ihren Lasten gehen: das enge
Rennen um Platz eins und den Posten des Ministerpräsidenten, bei dem SPD
und CDU in Umfragen nur noch um 1 bis 2 Prozentpunkte auseinanderliegen. In
einer ähnlichen Konstellation konnte Cem Özdemir zuletzt SPD und Linken
Wähler*innen abnehmen, jetzt könnten umgekehrt Teile der Grünen-Klientel
zur Sozialdemokratie umschwenken.
## Keine Machtoption in Sicht
Erschwerend kommt hinzu, dass den aktuell noch regierenden Grünen eine
Machtoption fehlt. Denn glaubt man den Umfragen, [2][verpasst die FDP den
Wiedereinzug in den Landtag], die Landes-Ampel könnte damit nicht
fortgesetzt werden. Auch Schwarz-Grün, Rot-Grün und sogar Rot-Rot-Grün sind
weit von einer Mehrheit entfernt. Letztlich entscheidet sich für die Grünen
am Sonntag wohl nur noch, mit wie vielen Abgeordneten sie im neuen Landtag
Opposition gegen die vermutlich kommende Große Koalition machen.
Sie selbst widersprechen in der letzten Wahlkampfwoche aber dem Eindruck,
es gehe für sie im Schatten des Kopf-an-Kopf-Rennens der Großen um nichts
mehr. In Berlin sagte Parteichef Felix Banaszak am Montag, die Situation
sei mit der in Baden-Württemberg nicht vergleichbar: Dort sei im Kampf um
Platz eins die „Alternative Zukunft gegen Vergangenheit“ zur Wahl
gestanden. In Rheinland-Pfalz gehe es beim Duell zwischen CDU und SPD nur
darum, „wie weit wir in die Vergangenheit gehen“.
Vor Ort versuchen die Grünen um Klimaschutz- und Umweltministerin Katrin
Eder vor allem in zwei Punkten, sich von der SPD abzugrenzen. Der erste ist
der Kampf gegen rechts. Bei Landtagswahlen der vergangenen Jahre war das
für Grüne zwar selten ein Gewinnerthema, diesmal ist es aber mit einer
konkreten Forderung hinterlegt: Den Einsatz für ein AfD-Verbotsverfahren im
Bundesrat haben sie zur Bedingung für eine mögliche Koalition gemacht.
Der zweite Punkt ist das Klima. Im Kampf um rot-grüne
Wechselwähler*innen spricht im Moment zwar [3][auch
SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer] vermehrt davon. Die Grünen
versuchen allerdings Zweifel daran zu säen, dass er es ernst meint, und
wollen ausnutzen, [4][dass Schwarz-Rot im Bund gerade Rückschritte bei der
Energiewende plant.] Um das „Aus vom Verbrenner-Aus“ habe sich Schweitzer
„besonders verdient gemacht hat“, sagte Eder in dieser Woche. Und:
„Sonntags- und Wahlkampfreden der SPD sind nicht mehr als hohle Phrasen,
wenn sie gleichzeitig als Teil der Bundesregierung den Klimaschutz
abwickelt.“
## Forderung nach Übergewinnsteuer
Grüne Kernthemen sollen es also richten. Als 9-Prozent-Partei wirbt die
Partei in Rheinland-Pfalz viel weniger um breite Milieus als in
Baden-Württemberg, stärker liegt der Fokus auf der Kernwählerschaft. Das
zeigt auch eine Forderung, die Katrin Eder angesichts von Iran-Krieg und
hohen Spritpreisen erhoben hat: die Rückkehr des 9-Euro-Tickets, finanziert
durch eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne.
Überhaupt wirkt Eder wie ein Gegenentwurf zu Cem Özdemir. Er wird ständig
gefragt, ob er denn wirklich ein Grüner sei, sie nicht. Während er darum
bemüht ist, Polarisierung aus dem Weg zu gehen, scheut sie sich nicht vor
Konflikten. In ihrer zu Ende gehenden Amtszeit als Umweltministerin kämpfte
sie unter anderem ein Landesklimaschutzgesetz durch, das Rheinland-Pfalz
bis 2040 klimaneutral machen soll. Gegen Widerstände aus der Wirtschaft,
etwa von BASF und Daimler. Auch ein neues Jagdrecht mit strikteren Vorgaben
für Jäger*innen [5][setzte sie gegen deren Proteste durch.] In
Brandenburg war daran zur gleichen Zeit ein grüner Umweltminister
gescheitert.
Die Entschlossenheit hat Eder indes nicht zu großer Bekanntheit verholfen.
Ist man nicht gerade Ministerpräsidentin, ist es in der Landespolitik
ohnehin schwierig, sich einen Namen zu machen. In der Landes-Ampel war Eder
in den vergangenen fünf Jahren noch nicht mal Vize-Regierungschefin. Diesen
Posten hat die grüne Familienministerin Katharina Binz inne. Katrin Eder
startete als Umweltstaatssekretärin in die Legislaturperiode und rückte
erst um einen Platz auf, als die ursprüngliche Umweltministerin Anne
Spiegel zu ihrem kurzen Gastspiel in der Bundespolitik wechselte.
Zu wirklicher Prominenz hat es für Eder auch im Wahlkampf nicht gereicht.
In einer Umfrage von Infratest dimap antworteten vor einer Woche 44 Prozent
der Befragten auf die Frage nach der Grünen-Kandidatin: Kenne ich nicht.
Immerhin: Der Bekanntheitswert von [6][CDU-Kandidat Gordon Schnieder] war
auch nicht besser. Und der SPD sind die Grünen immerhin bei einem anderen
Parameter auf den Fersen. Die SPD gab Anfang März bekannt, ihr Ziel
erreicht zu haben, im Wahlkampf an 100.000 Haustüren zu klingeln. Von den
Grünen heißt es: Die Basis sei motiviert. Den Wert habe man jetzt auch
geknackt.
18 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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