# taz.de -- Baden-Württemberg hat gewählt: Was heißt das für Rheinland-Pfalz, Frau Khan?
       
       > Was folgt aus dem grünen Sieg in Baden-Württemberg? Misbah Khan,
       > stellvertretende Fraktionsvorsitzenden der Grünen, sieht starke Signale
       > für Rheinland-Pfalz.
       
       In der aktuellen Folge von [1][„Mauerecho – Ost trifft West“] spricht der
       Podcast-Host Dennis Chiponda mit Misbah Khan, der stellvertretenden
       Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag. Im Mittelpunkt des Gesprächs
       stehen die politischen Herausforderungen in Rheinland-Pfalz, der Kontext
       der anstehenden Landtagswahl sowie mögliche Parallelen zur Wahl in
       Baden-Württemberg.
       
       Khan berichtet zunächst von ihrer Sozialisation in Rheinland-Pfalz. Sie
       wuchs in einem politisch interessierten Elternhaus mit Migrationsgeschichte
       auf und beschreibt, wie diese Erfahrungen ihren Blick auf Gesellschaft und
       Politik geprägt haben. Ihr politischer Einstieg bei Bündnis 90/Die Grünen
       sei für sie ein Weg gewesen, sich für Vielfalt, eine offene Gesellschaft
       und mehr Chancengerechtigkeit einzusetzen. „Keine große Veränderung in
       dieser Gesellschaft ist passiert, ohne dass Bürgerinnen und Bürger
       aufgestanden sind und gesagt haben: So nicht“, sagt Khan. Khan betont, dass
       politisches Engagement trotz weit verbreiteter Skepsis gegenüber „denen da
       oben“ Wirkung entfalten könne. Besonders wichtig sei ehrenamtliche
       Parteiarbeit, Bürgerbeteiligung und zivilgesellschaftliche Initiativen, die
       demokratische Prozesse lebendig halten und Veränderungen anstoßen können.
       
       ## Wahlergebnis in Baden-Württemberg
       
       Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist das [2][Wahlergebnis in
       Baden-Württemberg]. Dort wurden die Grünen mit mehr als 30 Prozent der
       Stimmen stärkste Kraft und konnten sich deutlich vor der CDU behaupten. Die
       AfD erreichte erneut ein zweistelliges Ergebnis, während die SPD nur knapp
       über der Fünfprozenthürde lag. Kleinere Parteien scheiterten an dieser
       Hürde. Khan interpretiert das Ergebnis als Bestätigung für einen Kurs, der
       Klimaschutz mit wirtschaftlicher Vernunft verbindet. Gleichzeitig sieht sie
       in der Wahl von Cem Özdemir zum Ministerpräsidenten ein wichtiges
       politisches Signal, da er der erste Regierungschef eines Bundeslandes mit
       Migrationsgeschichte wäre. „Ich finde, es ist so ein starkes Signal für
       Menschen, die auch Migrationsgeschichte haben, die vielleicht bisher das
       Gefühl hatten, sie haben eine Benachteiligung, die nicht dazu führt, dass
       sie es schaffen können, bis an die Spitze politischer Verantwortung“, so
       Khan.
       
       Auch die innerparteilichen Debatten um Özdemirs politische Positionen
       kommen zur Sprache. Seine realpolitischen Positionen, etwa in der
       Asylpolitik oder beim Verbrenner-Aus, stoßen in Teilen der Partei auf
       Kritik. Wird der Sieg in Baden-Württemberg auch den Kurs auf der
       Bundesebene beeinflussen?
       
       Scharfe Kritik äußert Khan an der Reaktion der CDU auf den Wahlkampf.
       Vorwürfe von angeblichen Schmutzkampagnen und die Bezeichnung früherer
       Erfolge der Grünen als „Betriebsunfall“ wertet sie als Ausdruck politischer
       Arroganz. Manuel Hagel habe sich, inklusive eines Sexismusskandals und
       weiterer Auftritte, selbst ins falsche Licht gerückt. In diesem
       Zusammenhang fordert Khan eine konsequente Politik gegen Gewalt an Frauen.
       Dazu gehörten mehr Prävention, eine bessere Finanzierung von
       Schutzstrukturen sowie eine größere gesellschaftliche Sensibilität für das
       Thema.
       
       ## Politische Themen in Rheinland-Pfalz
       
       „Wir sind ja in Rheinland-Pfalz auch ein Land, das gebeutelt wurde von der
       Ahrflut, und wir wissen, welche Konsequenzen das hat, wenn man Klimaschutz
       nicht ernst nimmt“, sagt Khan. Ein zentrales Thema der [3][anstehenden
       Landtagswahl in Rheinland-Pfalz] ist aus Khans Sicht der Klimaschutz. Sie
       kritisiert, dass auf Bundesebene häufig nicht mit der notwendigen
       Dringlichkeit gehandelt werde, obwohl Klimaschutz zugleich große
       wirtschaftliche Chancen biete. Die Flutkatastrophe im Ahrtal bezeichnet
       Khan als eindringliche Mahnung für die Folgen der Klimakrise.
       
       Mit Blick auf aktuelle Umfragewerte zwischen neun und zehn Prozent sieht
       Khan die Grünen nicht in einer vergleichbaren Lage wie die SPD in
       Baden-Württemberg, die dort zuletzt stark unter Druck geraten war. Ein
       Ergebnis in dieser Größenordnung wäre nach ihrer Einschätzung dennoch das
       zweitbeste Ergebnis der Grünen in Rheinland-Pfalz überhaupt. Das bisher
       beste Resultat stammt aus dem Jahr 2011 im Kontext der
       Fukushima-Katastrophe. Grundsätzlich plädiert Khan dafür, Wahlkämpfe
       stärker über Inhalte zu führen und weniger über taktische
       Koalitionsspekulationen. Eine mögliche schwarz-rote Koalition sieht sie
       kritisch.
       
       ## AfD-Aufstieg und strukturelle Probleme
       
       Im Gespräch geht es auch um den zunehmenden Einfluss der AfD. Khan betont,
       dass Rechtsextremismus kein ausschließlich ostdeutsches Problem sei. „Ich
       würde sagen, der Osten ist kein Sonderfall, sondern er ist eigentlich ein
       Frühindikator“, äußert sich Khan. Studien, etwa von der
       Amadeu-Antonio-Stiftung, zeigten, dass migrationskritische und
       systemkritische Einstellungen auch in westdeutschen Regionen stark
       verbreitet seien. Die Wahlerfolge der AfD führt Khan sowohl auf
       bundespolitische Themen wie Migration, Krisenerfahrungen und einen
       wachsenden Vertrauensverlust in politische Institutionen zurück als auch
       auf regionale strukturelle Probleme.
       
       Gerade in Rheinland-Pfalz gibt es deutliche Unterschiede zwischen urbanen
       Zentren und ländlichen Regionen. In Gegenden wie der Westpfalz, der Eifel
       oder dem Hunsrück führe eine Kombination aus Abwanderung, schwacher
       Infrastruktur und fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven zu politischer
       Frustration. Um diesem Nährboden für populistische Politik
       entgegenzuwirken, braucht es eine stärkere Anbindung, bessere Versorgung
       sowie langfristige wirtschaftliche Perspektiven für die Regionen.
       
       „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der [4][taz Panter Stiftung].
       Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf [5][taz.de/mauerecho] sowie
       überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt den Audiodesignern
       Sebastian Jautschus und Phillip Große Siestrup.
       
       12 Mar 2026
       
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