# taz.de -- Landtagswahlen in Baden-Württemberg: Der neue Kretschmann
       
       > Özdemir hat es geschafft: Die Grünen haben die Wahlen in
       > Baden-Württemberg auch ohne den langjährigen grünen Ministerpräsidenten
       > Kretschmann gewonnen.
       
 (IMG) Bild: Freude über grüne Dominanz auch ohne Kretschmann: Grüne nach den ersten Prognosen
       
       Dieses Wahlergebnis ist eine dreifache Sensation. Erstens, weil Cem Özdemir
       als erster Ministerpräsident aus einer türkischen Einwandererfamilie in die
       Geschichte eingeht. Zweitens, weil er das Mantra der CDU widerlegt hat, die
       Grünen-Dominanz in Baden-Württemberg sei eine Anomalie der Geschichte und
       werde sich nach [1][Winfried Kretschmann] erledigen. Drittens, weil er mit
       seiner Aufholjagd der letzten Wochen vollbrachte, was man seit einiger Zeit
       auch jenseits seines Bundeslandes für unmöglich hielt: einen grünen
       Wahlsieg.
       
       Bundesweit hatte sich der Zeitgeist in den letzten Jahren doch gegen die
       Partei gedreht. Seit der Bundestagswahl rätselten die Grünen darüber,
       welcher Weg sie doch noch zur Vorherrschaft in der linken Mitte führen
       könnte. Der Ansatz von Robert Habeck – möglichst nicht zu grün, möglichst
       nicht anecken – schien gescheitert. Vor allem der Realo-Flügel stand
       seitdem planlos da. Nun hat ausgerechnet einer der ihren den Gegenbeweis
       geliefert, und das mit einem Wahlkampf, gegen den der von Habeck fast
       linksradikal wirkt.
       
       Aus Sicht linker Grünen lässt sich die Aussagekraft des Wahlergebnisses für
       den künftigen Kurs zwar mit allerlei Argumenten relativieren:
       Baden-Württemberg ist nicht der Bund. Özdemirs [2][Gegenkandidaten kannte
       erst keiner, und als ihn dann doch alle kannten, hat es das auch nicht
       besser gemacht]. In Berlin hat es die Union mit ideologischen Vorstößen
       übertrieben, von Zahngesundheit bis Heizungsgesetz. Als dann auch noch der
       Iran-Krieg kam und die Gaspreise steigen ließ, erlebte Özdemir sein
       persönliches Fukushima.
       
       Aber selbst unter den besten Rahmenbedingungen gelingt ein Wahlsieg nur,
       wenn das eigene Angebot passt. Die Grünen werden deshalb nicht darum
       herumkommen, sich etwas von Özdemir abzuschauen. Ein Punkt könnte die
       habituelle Offenheit sein, die er ausstrahlt, mit Anschlussfähigkeit von
       der Blaskapelle bis zu Haftbefehl.
       
       ## Klimapolitik kleinzuhalten, ist kein Ausweg
       
       Kniffliger wird es bei den Inhalten. I[3][n der Klimapolitik zum Beispiel
       hat Özdemir auf den Zeitgeist reagiert, indem er seine Ambitionen
       heruntergeschraubt hat.] Das brachte ihm Stimmen ein, hat aber eine
       Kehrseite: Gestiegen sind die Zustimmungswerte zu ihm, nicht zwingend die
       zu seiner Partei und schon gar nicht die zu ökologischer Politik.
       
       Das wird es ihm erschweren, in einer Koalition mit der CDU Fortschritte
       durchzusetzen. Gegen die öffentliche Meinung reagiert es sich schlecht. Die
       klimapolitischen Ambitionen so flach zu halten wie im Wahlkampf, ist kein
       Ausweg: Auf dem Weg zur Klimaneutralität hinkte schon Kretschmanns
       Regierung hinterher. Die nächste Koalition soll bis 2031 reagieren. Viel
       Zeit bleibt danach nicht mehr.
       
       8 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
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