# taz.de -- Nach der Landtagswahl: Jetzt erst recht
> Die AfD wird in Baden-Württemberg stärkste Oppositionspartei. Wie
> zivilgesellschaftliche Organisationen auf die Wahl reagieren.
(IMG) Bild: Protest in Rottweil gegen die zentrale Kundgebung der AfD am 05.03.2026
Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg dürften die Grünen und die CDU
ihre Koalition voraussichtlich fortsetzen. Damit ist aber auch klar: Die
AfD wird stärkste Oppositionspartei im neuen Landtag. Die taz hat
nachgefragt, was das für Aktivist:innen in der Zivilgesellschaft
bedeutet und wie sie in die Zukunft blicken.
Jetzt erst recht: So kann man die Stimmung bei Waltraud Fritschi von den
Omas gegen Rechts Stuttgart nach den ersten Hochrechnungen der
Wahlergebnisse beschreiben. Natürlich sei es besorgniserregend, dass die
AfD so viele Stimmen bekommen habe, sagte sie der taz. „Für mich bedeutet
das, dass wir jetzt aktiver werden müssen und uns noch deutlicher für
Menschenrechte einsetzen“, sagt Fritschi, die seit 2019 bei der Gruppe
aktiv ist.
„Die schlimmsten Erwartungen sind nicht eingetreten. Aber es ist auch kein
Grund, in Jubel auszubrechen“, sagt Gerhard Baral, Co-Sprecher im Bündnis
„Zusammenhalten Pforzheim.“ Die demokratischen Parteien hätten eine klare
Mehrheit. Barals Bündnis organisiert sogenannte Denkräume in Pforzheimer
Stadtteilen. Er ermöglicht die Gespräche, damit Menschen mit
unterschiedlichsten Meinungen miteinander reden. Dort müssen die vor allem
eins: einander zuhören.
Das hat auch Fritschi von den Omas gegen Rechts mit AfD-Wähler:innen
versucht. Vor der Landtagswahlen hatte die Regionalgruppe einen Infostand
in der Innenstadt Stuttgarts aufgebaut, um Menschen davon zu überzeugen,
nicht die AfD zu wählen. Dabei seien sie immer wieder auch mit
Wähler:innen der Partei konfrontiert gewesen. „Da haben wir auch erst
mal zugehört“, sagt Fritschi. Auch, wenn es schwerfalle. Vor allem der
[1][falsche Vorwurf], dass die Omas gegen Rechts von Steuergeldern
finanziert würden, halte sich hartnäckig bei dieser Wählergruppe.
## Schwierige Arbeit in der AfD-Hochburg
Eigentlich gäben die Omas gegen Rechts als überparteiliche Gruppe keine
Wahlempfehlung, sagt Fritischi. „Wir wollten nur, dass die Wähler:innen
sich für eine demokratische Partei entscheiden, und die AfD ist keine“,
erklärt die Aktivistin. Wie erfolgreich sie damit waren, sei schwer zu
sagen.
Gegen AfD-Veranstaltungen organisiert auch das Bündnis „Zusammenhalten
Pforzheim“ Kundgebungen. Pforzheim gilt als AfD-Hochburg in
Baden-Württemberg. Dort holte sie 25 Prozent der Zweitstimmen bei den
Bundestagswahlen 2025. Auch bei der Landtagswahl wurde die Partei
voraussichtlich stärkste Kraft. Die Zustimmung für die AfD bemerkt auch
Baral in seiner Arbeit. „Die Stadtgesellschaft ist zerrissen“, sagt Baral.
Gleichzeitig lehne die AfD jedes Gespräch ab.
Die Denkräume wurden in Pforzheim 2021 während der Corona-Pandemie ins
Leben gerufen. Pforzheim war ein [2][Hotspot der Querdenkerbewegung]. Dort
versammelten sich 2022 über 5.000 Menschen auf dem Pforzheimer Marktplatz.
## Briefe an alle Abgeordnete
Damit Baral seine Arbeit weiter machen kann, braucht er Unterstützung. Die
Grünen hätten beispielsweise bei der Wahl stark auf Bürgerdialoge gesetzt,
aber förderten die bürgerschaftliche, demokratische Arbeit vor Ort nicht
ausreichend. Das heißt: „Wir bekommen keine Gelder und finanzieren uns nur
von Spenden, das reicht nicht für eine Stärkung der Demokratiearbeit vor
Ort.“ Die kontinuierliche Arbeit überlasse man der Bürgerschaft. Die macht
das ehrenamtlich und in der Freizeit.
Auch für nach den Wahlen haben die Omas gegen Rechts Stuttgart schon eine
erste Idee. Sie wollen an alle neu gewählten Landtagsabgeordneten Briefe
schreiben. Darin wollen sie dazu auffordern, im Landtag nicht mit der AfD
zusammenzuarbeiten. „Uns ist es wichtig, Haltung zu zeigen“, sagt Fritschi.
Auch wenn die AfD nicht in der Regierung sei, könne sie mit Anfragen Themen
setzen: „Das ist ein großes Ärgernis.“
9 Mar 2026
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