# taz.de -- Wahlen in Baden-Württemberg: Schweigsam in Stuttgart
> CDU und Grüne treffen sich zum ersten Mal zu Sondierungen – und schweigen
> vor der Öffentlichkeit. Die Stimmung ist vorbelastet.
(IMG) Bild: Grünen-Politiker:innen Thekla Walker und Cem Özdemir vor der Presse am 24. März in Stuttgart
Es hat ein bisschen was von einer Western-Szene. Während die Grünen jovial
grüßend von der Bahnhofsseite zum Tagungsort mitten in der Stuttgarter
Fußgängerzone eintreffen, kommt die CDU zehn Minuten später von der anderen
Seite ins Haus der Katholischen Kirche. Innenminister Strobl, der ein paar
Worte mit Journalisten wechselt, wird vom Delegationsleiter Manuel Hagel
zurechtgewiesen. Denn auf Wunsch der CDU bleibt die Presse vor der Tür. Die
Grünen sorgen derweil für Getränke und Butterbrezeln.
Eigentlich sollten Sondierungen [1][zwischen Partnern, die seit zehn Jahren
koalieren,] reine Formsache sein. Man mag sich vielleicht nicht, aber man
kennt sich. [2][Doch die Stimmung zwischen der angeschlagenen CDU] und den
knapp triumphierenden Grünen ist auch zwei Wochen nach der Wahl
angeschlagen. In den letzten zwei Wochen beklagte sich die CDU in Talkshows
weiter über die angeblich Schmutzkampagne, die ihnen die Tour vermasselt
habe. Thomas Strobl, lange Grünen-Versteher seiner Partei, unterschied
plötzlich zwischen den verlässlichen [3][„Kretschmann-Grünen“ und den
„Özdemir-Grünen“], denen man nicht so einfach über den Weg trauen könne –
ganz so, als wäre das Personal der Grünen eben mal ausgetauscht worden.
Die CDU versucht, mit der Opferrolle die Preise für eine Koalition zu
treiben, öffentlich schossen die Forderungen in der letzte Woche ins
Absurde: Man verlange mehr Ministerien als die Grünen, sodass mit der
Stimme des Ministerpräsidenten ein Patt im Kabinett herrscht. Zudem sollten
die Grünen das CDU-Wahlprogramm unterschreiben, hieß es aus
Vorstandskreisen.
Gleichzeitig geriet Manuel Hagel ein weiteres Mal in Erklärungsnot. In
Parteigremien und später auch gegenüber der Presse hatte der
Spitzenkandidat seiner Partei von persönlichen Bedrohungen gegen sich und
seine Familie berichtet. Übrig blieben davon Schmähungen und Drohungen in
Social-Media-Kanälen. Einen angeblichen Brief mit Drohungen gegen die
Familie, der an seine Privatadresse geschickt worden sein soll, will Hagel
vernichtet haben. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen inzwischen
eingestellt.
## Sondierungen starten vorbelastet
Immerhin: Erste vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den beiden
Spitzenkandidaten scheinen ein wenig gefruchtet zu haben. Özdemir und Hagel
sollen sich mehrfach zum persönlichen Austausch getroffen haben. Auch eine
persönliche Entschuldigung einer baden-württembergischen
Bundestagsabgeordneten der Grünen, die Hagel in einem Tweet verleumdet
hatte, hat wohl das Ihre dazu beigetragen. So verkündete die versammelte
CDU-Spitze am Freitag, [4][wie immer wie die Orgelpfeifen hinter dem
Spitzenkandidaten aufgereiht, dass die Sondierungen nun beginnen könnten.]
Beide Seiten gehen mit potenziellen Ministerkandidaten in die
Verhandlungen: unter anderem neben Fraktionschef Andreas Schwarz der
bisherige Finanzminister Danyal Bayaz und Umweltministerin Thekla Walker.
Bei der CDU sind es neben Strobl und Hagel die Bauministerin Nicole Razavi
und auch der aus Baden-Württemberg stammende Geschäftsführer der
CDU-Bundestagsfraktion Steffen Bilger.
Wann es zu Koalitionsverhandlungen und dann zu einer Regierung kommt, ist
bisher offen. Die CDU signalisiert, auf Zeit zu spielen. Thomas Strobl
sagte, bevor er von Hagel an sein Schweigegelübde erinnert wurde: „Ich weiß
nicht, ob Geschwindigkeit das einzige Kriterium ist.“
24 Mar 2026
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