# taz.de -- Neues Album von Lola Young: Bis das Bett zerbricht
> Die junge britische Popsängerin Lola Young kämpft auch auf ihrem neuen
> Album „I'm only f**cking myself“ mit ihren Dämonen. Die Fans mögen sie
> genau deshalb.
(IMG) Bild: Fragile Persönlichkeit: Lola Young
Auch wenn Lola Young produktiv erscheint und mit „I'm only f**cking myself“
ihr drittes Album binnen zweier Jahre veröffentlicht: Es war ein langer,
steiniger Weg, bis sie zum Weltstar wurde. [1][Ihr Debütalbum „My Mind
wanders and sometimes leaves completly“] war 2023 von der Kritik weitgehend
übersehen worden, völlig zu Unrecht.
Das rumpelige „Don't hate me“ klang da bereits vielversprechend und Youngs
Signatur-Ballade „What is it about me“ hatte seinerzeit schon den Beweis
dafür geliefert, dass die junge britische Künstlerin den Vergleich mit der
blue-eyed Soulsängerin Adele nicht zu scheuen braucht. Adeles Entdecker
Nick Huggett managt auch die 24-jährige Lola Young – übrigens gemeinsam mit
Amy Winehouse' einstigem Manager Nick Shymansky.
Die beiden haben das Potenzial ihres Schützlings erkannt, die breite Masse
wickelte die Absolventin der BRIT School schließlich 2024 mit ihrem Song
„Messy“ um den Finger, der Dank Tiktok zum Hit wurde. Mit „Messy“ bekannte
Lola Young freimütig, dass sie nicht perfekt ist. Trotz ihres kraftvollen
Gesangs und der eingängigen Pophookline stellte die Tochter einer
Engländerin und eines jamaikanisch-chinesischen Vaters ihre Schwäche zur
Schau. Weder ihre Selbstzweifel noch ihre ADHS-Erkrankung verhehlte sie.
Unzählige Fans holte sie damit auf ihre Seite.
## In der Klinik
Danach schien alles zu flutschen. Das zweite Album „This wasn't meant for
you anyway“ chartete in etlichen Ländern, ihre höchste Platzierung
erkämpfte sie sich Anfang 2025 mit Rang 12 in Deutschland.
[2][US-TV-Moderator Jimmy Fallon] lud Lola Young in seine „The Tonight
Show“ ein, ein paar Monate später debütierte sie beim riesigen Coachella
Festival in Kalifornien. Während „Messy“ in mehreren Ländern an die Spitze
der Charts schoss, kämpfte Lola Young, die mit 17 die Diagnose
schizoaffektive Störung bekommen hatte, in einer Klinik gegen ihre
Kokainsucht.
Drogen spielen auch in den Texten der neuen Songs eine Rolle. In „Not like
that anymore“ singt sie mit ihrer kratzigen Stimme: „I'm a dumb little
addict/So I've been trying to quit the snowflake“. Musikalisch tobt sie
sich aus, sie klingt nach Hole in den 90er Jahren. Zum treibenden Beat von
„Dealer“ kann man zwar die Hüften kreisen lassen, doch der Songtext erzählt
vom Versuch, einer Sucht zu entkommen: „I spent all day tryna be sober/I
drowned in my misery/Crawled up on the sofa“.
Eine andre Referenz findet sich in „Who fucking cares (cause it's definitly
not me“, doch blitzt sie eher am Rande auf: „And I should probably take my
medication/Cause it's been days, but I've been busy getting high/And my
doctor said you'll get sick again, you can't mix these meds with white
lines“. Eigentlich ist diese Ballade ein Herzschmerzlied.
Obgleich die Vortragende in diesem Falle die Gepeinigte ist, dreht Lola
Young im groovigen „One Thing“ den Spieß einfach um. „Break your bed and
than the sofa, I wanna pull you closer“, singt sie ungestüm. „Everybody
wants to know ya, but me I only wanna one thing“. Klartext über Sex spricht
die Sängerin auch in „Post Sex Clarity“, dessen verträumte Klänge am
Schluss in Kakophonie münden.
„Sad Sob Story“ bietet mit jazzigen Einflüssen eine musikalische
Wohlfühloase. Inhaltlich teilt Lola Young trotzdem wieder aus: „If lying
was a talent, baby, you'd be an expert“. Ob sie sich mit solchen
Seelenstriptease weiterhin durchboxen kann, ist eher fraglich. Nach einem
Zusammenbruch während eines Auftritts in New York hat sie sich erst mal
eine Auszeit verordnet und alle weiteren Konzerte abgesagt. Auch ein
[3][Grammy] für die beste „Solo-Performance“ hat daran nichts geändert.
27 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dagmar Leischow
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