# taz.de -- Neues Album von Raye: Bitte jetzt die Luft anhalten
       
       > Die britische Popsängerin Raye schärft auf ihrem neuen Album „This Music
       > May Contain Hope“ ihren Stil und verbreitet gute Laune mit Tiefgang.
       
 (IMG) Bild: Sehr viel Gefühl: Raye in rotem Kleid
       
       Als die britische Sängerin Raye vergangenes Jahr ihre Tour mit dem Titel
       „This Tour May Contain New Music“ ankündigte, war sofort klar: Es wird
       nicht nur ein neues Album der 28-jährigen Künstlerin geben, sondern auch
       die Möglichkeit, einige Songs davon vorab live zu erleben – eine Chance,
       die viele Fans in Ekstase versetzte.
       
       Denn mit ihrem zweiten Studioalbum „This Music May Contain Hope“, das heute
       veröffentlicht wird, schlägt Raye ein neues Kapitel auf, und zwar eines,
       [1][das sich bewusst von der Düsternis ihres Debütalbums „My 21st Century
       Blues“ entfernt.] Wobei auch Rayes neue Songs dessen emotionale Tiefe
       beibehalten. In den Songtexten entwirft die britische Singer-Songwriterin
       eine fragile Welt, Situationen, die zwischen Verletzlichkeit,
       Selbstreflexion und vorsichtiger Hoffnung schwanken. Der Titel ist dabei
       Programm: Die Musik ruft weniger nach Hilfe, als, dass sie die HörerInnen
       hoffnungsvoll umarmt.
       
       Gegliedert ist „This Music May Contain Hope“ in vier Kapitel gemäß den
       Jahreszeiten, die jeweils eine Phase emotionaler Entwicklung symbolisieren
       – vom Zweifel und Schmerz des Herbstes über die introspektive Kälte des
       Winters bis hin zu der hoffnungsvollen Aufhellung von Frühling und Sommer.
       
       ## Der Geisteszustand
       
       Diese dramaturgische Form fühlt sich eher wie eine Reise durch die
       Biografie und die Vergangenheit der Sängerin an als eine bloße Sammlung
       neuer Songs. Raye sagt über ihr neues Album, dass sie es aus einem
       „gesünderen Geisteszustand“ ihres Selbst geschaffen und zunächst nur für
       sich komponiert habe. Ein Gedanke, der sich – durch viele ihrer Songtexte
       zieht. Ihr Song „Nightingale Lane“ erzählt vom ersten Herzschmerz –
       allerdings ohne dabei ins Melodramatische abzurutschen. Denn die Zeilen
       „Somebody loved me once / And someday, somebody will again“ wirken schon
       fast trotzig optimistisch.
       
       Musikalisch bleibt die Sängerin ihrer Vorliebe für Genre-Mischungen treu,
       erweitert ihre Palette jedoch deutlich. Jazz, Soul, orchestraler Pop und
       zeitgenössische R&B-Elemente verschmelzen zu einem Soundbild, das
       gleichermaßen nostalgisch, wie amtlich wirkt. Mit ihrem Nummer-eins-Hit
       „Where Is My Husband!“ zeigt sie erneut ihre Liebe zu opulenten
       Bigband-Arrangements und dramatischem Storytelling. Mit ihrem Song
       „Nightingale Lane“ schafft sie einmal mehr, die Möglichkeit ihren
       beeindruckenden Stimmumfang in Gänze zu demonstrieren.
       
       Viele Fans erinnert die Musik von Raye an Amy Winehouse. [2][Das mag nicht
       nur an der Retro-Inszenierung liegen], sondern auch an den souligen Vibes
       im modernen Sound. Der Vergleich zielt dabei ganz klar auf die Musik ab –
       [3][und flirtet nicht mit dem Desaster von Amy Winehouse’ Tod und ihren
       persönlichen Schwierigkeiten]. Von ihrer rauchigen Stimme und ihrer
       besonderen Art, beinahe gesprochen Geschichten zu erzählen, über catchy
       Pophoopklines, zu denen man einfach tanzen will, bis hin zu Opernelementen,
       die einem die Luft anhalten lassen. Raye ist – ähnlich wie Winehouse – ein
       Allround-Talent. Sie schafft es auch mit ihrem neuen Album, die Hörerin in
       Staunen zu versetzen.
       
       Auch die Auswahl an hochkarätigen Gästen verblüfft, sowohl der in Hollywood
       lebende deutsche Filmkomponist Hans Zimmer [4][als auch
       US-Southernsoulsänger Al Green] unterstützen die britische Künstlerin bei
       ihrem Projekt und unterstreichen den ambitionierten Charakter des Albums.
       
       ## Begabte Schwestern
       
       Dazu Rayes Schwestern Absolutely und Amma, die sie musikalisch belgeiten –
       denn ein Album von Raye ohne die Mitwirkung ihrer gleichfalls begabten
       Schwestern wäre zwar möglich, aber schwer vorstellbar. Absolutely
       veröffentlichte erst kürzlich ihr zweites Album „Paracosm“, das stilistisch
       zwischen Jazz, Elektronik und R&B pendelt – musikalisches Talent ist in
       dieser Familie offenbar keine knappe Ressource.
       
       Bei Raye selbst liegt der Fokus immer auf ihrer Stimme, auf den Geschichten
       in den Songs und einem Gespür für dramatische Arrangements. Denn am Ende
       ist dieses Album weniger ein radikaler Neuanfang als eine
       Weiterentwicklung. Raye baut auf den Stärken ihres Debüts auf:
       Kompromisslose Texte und außergewöhnliche Gesangsdarbietungen – und richtet
       den Blick gleichzeitig nach vorn. Wenn „My 21st Century Blues“ Musik zum
       Überleben war, dann ist „This Music May Contain Hope“ Musik zum
       Weiterleben.
       
       26 Mar 2026
       
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