# taz.de -- Puppen-Spezial am Deutschen Theater: Pittiplatsch und die glühend erhoffte Reh-Migration
> Das Deutsche Theater Berlin verhilft mit der Festivalreihe
> „Puppen-Spezial“ einem wenige beachteten Subgenre zu größerer
> Aufmerksamkeit.
(IMG) Bild: Hit der Puppenabetilung: das Puppenkaraoke
Puppen beherrschen auch das komische Gewerbe. Das bewies das mittlerweile
5. Puppen-Spezial am Deutschen Theater Berlin. Eingeführt wurde das
Minifestival in der Intendanz von Iris Laufenberg. Aus ihrer früheren
Station Graz brachte sie bereits große Bühnenproduktionen des begnadeten
Puppenanimateurs Nikolaus Habjan mit an die Spree.
„Wir hatten auch andere Inszenierungen mit Puppen wie etwa vom Regisseur
Jan Gockel und haben uns gesagt, wir wollen das weiter begleiten. Dabei
konzentrieren wir uns auf die Zusammenarbeit mit der Abteilung
zeitgenössisches Puppenspiel der H[1][ochschule Ernst Busch] und gucken
auch, was in der Berliner Puppenszene läuft“, erzählt Christian Römer,
Leiter des Rahmenprogramms am Deutschen Theater. Ziel ist es, den
Studierenden wie auch der freien Szene neue Spielmöglichkeiten zu geben und
zugleich das Subgenre [2][Puppenspie]l stärker im Bewusstsein des eigenen
Publikums zu verankern.
Drei Produktionen aus dem Kontext der Hochschule bestritten am Sonntag die
fünfte Ausgabe des halbjährlich stattfinden Festivals. Robert Richters
Diplominszenierung „Weißwasserbericht“ etwa ist eine schwarzhumorige
Hommage an dessen [3][Lausitzer Heima]t. Zwei Gestalten sitzen anfangs wie
bestellt und nicht abgeholt vor der Projektion einer Autorückbank. Richter
und sein Mitspieler Konrad Schreier stellen die Kumpels Rico und Roy dar.
Mit einer Kombination aus Schauspiel, Puppenspiel und filmischer Immersion
mit Livekamera und aufgezeichneten Sequenzen erzählen die beiden von Ricos
Aufbruch in die Großstadt, dem dortigen prekären Dasein und dem Anker, den
– zumindest aus der Sicht der Eltern – das Einfamilienhaus in der Lausitz
zu sein verspricht.
Die dortige Deindustrialisierung wird mit Kamerafahrten durch leere Straßen
und überwucherte Abrissareale illustriert, das desillusionierte Überleben
der Restbevölkerung mit Handpuppen in museal anmutenden Wohnzimmern
inszeniert. Als besonderer Kommentator zur politischen und sozialen Lage
taucht der DDR-Kultkobold Pittiplatsch auf. Er kämpft gegen aggressive
Wolfsrudel und stellt bei Erfolg eine Rückkehr der scheuen Rehe als
Reh-Migration in Aussicht.
Richter und Schreier hauchen in ihrem bühnentechnisch komplexen Arrangement
der vielfach gekränkten ostdeutschen Seele Leben ein, ohne in Selbstmitleid
zu ertrinken. Am Ende allerdings geht das letzte Bühnenlicht so aus wie
einst die Beleuchtung in Werkhallen und auf Tagebaubaggern.
## Persiflage auf snobistische Kunstliebhaber
Snobistischen Kunstliebhabern verleiht hingegen die Bearbeitung von
[4][Yasmina Rezas] Erfolgsstück „Kunst“ durch Franziska Rattay zu einem
schrill überzeichneten Auftritt. In diesem Szenenstudium des zweiten
Studienjahrs werden die Protagonisten Serge, Marc und Yvan durch
Klappmaulpuppen mit tierischen Anteilen verkörpert. Sie verkeilen sich in
Debatten über eine teuer erworbene, monochromatisch beschichtete Leinwand.
Leibhaftigen Menschen hätte man die Überzeichnungen der Figuren schwerlich
abgenommen. Dem Kunstpudel Serge (Lena Schilf) und dessen beiden Gespielen
(Maria Vittoria Zinoni und Jannik Jonathan Bursee) verzeiht man aber
jegliche Übertreibung.
Den Abend beschloss der gar nicht mehr so heimliche Hit der
Puppenspielabteilung, das Puppenkaraoke „Oke Kara“ von Spielmeisterin und
Kasperbedienerin Christine Zeides. Etwa zwei Dutzend Puppen jeglicher Art
waren kunstvoll auf Stehleitern drapiert. Ein Gevatter Tod wachte über sie.
Er musste aber zulassen, dass zwei Sängerteams ihnen mit Songs wie „Eye of
the Tiger“ rockiges Leben einhauchten.
Die Puppen stellten dabei die herkömmlichen Beziehungen zwischen Mensch und
Puppe auf den Kopf. Für Zeides' Kasperfigur waren Menschen nichts anderes
als flüchtige Seelen, die erst mit einer Puppe den richtigen Körper finden.
Sogar existenzialistische Philosophie unterfütterte also diesen in erster
Linie dem Lachen gewidmeten Abend. Volume VI vom Puppen-Spezial folgt noch
in dieser Spielzeit.
16 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tom Mustroph
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