# taz.de -- „Lonely Hearts“ am DT Berlin: Mit dem Gefühl nicht alleine
> Ist Einsamkeit ein Strukturproblem? Im Deutschen Theater Berlin ging man
> in „Lonely Hearts“ den Gründen fürs Alleinsein nach.
(IMG) Bild: Zusammen allein, gemeinsam einsam: „Lonely Hearts“ auf der Bühne am DT Berlin
Einsamkeit ist ein weit verbreitetes Problem, das sich durch Vereinzelung,
demografischen Wandel, Armut und Digitalisierung verstärkt. Längst haben
das auch die Regierungen im Blick. In Großbritannien gibt es seit einigen
Jahren ein Einsamkeitsministerium, in Deutschland eine nationale Strategie
gegen das Phänomen. Aber eignet es sich auch für einen Theaterabend? Davon
konnte man sich bei der Premiere von „Lonely Hearts“ ein Bild machen. Regie
führte die österreichische Regisseurin Anja M. Wohlfahrt. Es ist ihre erste
Arbeit am [1][Deutschen Theater Berlin]. Zusammen mit der Mitmachsparte DT
Jung* hat sie mit jungen und älteren Berliner:innen über Einsamkeit
nachgedacht.
In der Box des DT stehen sechs Figuren an einer Bushaltestelle. Sie tragen
einen roten Pixie-Cut und haben rot geränderte Augen. In den farblich
passenden Vintage-Klamotten, ausgewählt von Ramona Hufler, sehen sie aus
wie putzige Alarmsignale. Man sympathisiert sofort mit ihnen, wie sie dort
warten, in die Luft starren, lesen, eine Figur pfeift, eine andere versucht
Blickkontakt mit dem Publikum aufzunehmen. Über Lautsprecher werden Stimmen
eingespielt.
Man erfährt, was Einsamkeit für andere bedeutet. Die Aussagen überlagern
sich, auch inhaltlich, und verdeutlichen, dass zwar viele Menschen einsam,
aber mit dem Gefühl nicht alleine sind. Die Geschichten stammen von den
Darsteller:innen und von Menschen, die Wohlfahrt und Team über einen
Aufruf bei Social Media gefunden haben. Vor dem Eingang zum Saal steht ein
kleiner Kasten, in den eigene Zettel geworfen werden können.
Im Zwischenraum des Bühnenbildes steht ein älterer Mann, gespielt von Felix
von Treuenfels. Er spricht von Trennung und davon, wie es sich anfühlt,
wenn man nach dem Erwachsenwerden der eigenen Kinder plötzlich ganz alleine
dasteht. Laura Grimma berichtet davon, wie einsam Krankheit machen kann,
Clementina Colombina Salvino erzählt von Sprachbarrieren und Rüya Yatkin
beschreibt mit treffsicheren Sätzen den Berliner Dating-Markt.
„Irgendwer spricht mit mir, aber ich wünschte, irgendwer würde mit mir
reden“, sagt Leon Welke, inmitten einer Partyszene. Später erlebt man, wie
seine Figur mit der von Ute Mirea ins Gespräch kommt. Der junge Mann und
die ältere Frau begegnen sich zufällig beim Behördengang. Erst sitzen sie
auf unterschiedlichen Bänken. Dann rückt er zu ihr rüber, zwischen den
beiden Altersgruppen, die besonders unter Einsamkeit leiden, entsteht ein
Moment von Verbundenheit.
## Die Frage der Mitverantwortung
Es werden aber auch Konfliktlinien sichtbar: Ist wirklich alles ein
Strukturproblem, wie die Jüngeren auf der Bühne es behaupten? Oder tragen
Menschen zumindest eine gewisse Mitverantwortung, wie Ute Mirea es sieht.
Ihre Figur ist die Einzige, die das Alleinsein genießt. Allerdings sind
Einsamkeit und Alleinsein zwei verschiedene Dinge, erfährt man.
Jemand weist auf den Suchtfaktor von Algorithmen hin. Passend dazu wird ein
zwielichtiger Coach eingespielt, der aus der Einsamkeit der anderen Profit
schlagen will. Jedoch wird kein Ratgeber die Rettung sein, und so ist es
auch nur folgerichtig, dass der etwas mehr als einstündige Abend mit Rosen,
Schlager und Paartanz endet. Das ist zwar irgendwie kitschig, aber auch
herzerwärmend. Der Applaus ist gewaltig. Und das bei dem sonst oft so
unterkühlten Berliner Publikum. Aber vermutlich bringt dieses Stück genau
die Softness, die gerade viele brauchen.
8 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anna Fastabend
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