# taz.de -- Sci-Fi-Theater zur Klimakrise: Das Aufnahmegerät spricht
> Plötzlich ist da ein Loch. Ariane Kareev lässt am Staatstheater Nürnberg
> in „Drill Baby Drill“ nach einer Energiequelle fürs postfossile Zeitalter
> suchen.
(IMG) Bild: Claudia Gyasi Nimako, Kristina-Maria Peters, Alexander Darkow in „Drill Baby Drill“
Draußen schneit es, während drinnen, im Extended Reality Theater (XRT),
Kristina-Maria Peters als Geologin durch ein Loch im Boden langsam zum
Mittelpunkt der Erde vordringt. Findet sie das dort vermutete
geheimnisvolle Gas, welches in ihrem postfossilen Zeitalter vielleicht
statt Öl als neue Energiequelle genutzt werden könnte, würde sie zur
Heldin. Viel steht auf dem Spiel; Puls, Atemfrequenz, Temperatur – alles
steigt. Als ihr Aufnahmegerät anfängt, mit ihr zu sprechen, hält sie es
erst für ein Symptom von Schlaf- und Sauerstoffmangel. Aber nein: Es
spricht zurück.
Ob des Spielortes im XRT, dem digitalen Theaterlabor des [1][Staatstheaters
Nürnberg], könnte man denken, dass die technische Finesse an „Drill Baby
Drill“ in der Darstellung dieses Sassy Aufnahmegerätes liegt. Alexander
Darkow aber steht da, Fleisch und Blut im champagnerfarbenen Anzug mit
aufgenähten Datenträgern: Festplatte, CD, Kassette, Vinylplatte. Das
Publikum selbst wird auch nicht, wie in vorangegangenen Inszenierungen, mit
Virtual-Reality-Brillen ausgestattet.
Stattdessen tragen Darkow und Peters diese Brillen, mal auf dem Kopf, mal
wie Laternen, mit denen sie auf das technische Geschehen um sich herum
einwirken können. Bewegen sie ihre „Laternen“, offenbaren sich auf den
Wänden des Bühnenbildes Tropfsteinhöhlen, die ständig neu formiert sind,
später Gestalten à la Hieronymus Bosch.
Tragen sie die Brillen auf dem Kopf, passiert etwas, das zunächst bizarr
anmutet: Als würden sie Glühwürmchen fangen, greifen Peters und Darkow in
die Luft und regulieren mittels Handbewegungen den Klang der Inszenierung.
Neben elektromusikalischer Atmosphäre erklingen dann die Stimmen der
Gesteinsschichten, die sich nach und nach über der Geologin auftürmen,
gesprochen von Kindern aus dem Opernchor des Staatstheaters.
## Surround-Sound wie im Kino
Musik und Stimmen können so auch durch den Raum getragen werden und ergeben
ein Erlebnis, wie man es vom Surround-Sound [2][aus dem Kino] kennt. Das
hat einen gewissen Zauber, der jedoch rasch an Charme verliert, einfach,
weil es für das Medium Theater so überflüssig wirkt. Über eine nette
technische Spielerei geht der akustische Effekt dieses Projekts nicht
hinaus. Das führt dann auch dazu, dass Sarah Carlötschers Text, den sie
eigens für „Drill Baby Drill“ geschrieben hat, oft wie bloßes Füllmaterial
dafür wirkt.
Das ist schade, denn gerade in den Einspielungen der „Schichten“ und in
Peters’ Dialog mit Claudia Gyasi Nimako als Orakel offenbaren sich clevere
Wortspiele und Biss. Dabei entstehen Perlen wie „Ablenkung ist die schönste
Form von Lenkung“, als es darum geht, wie leicht sich Menschen von der
[3][unerbittlich näher rückenden Klimakrise] ablenken lassen (wollen). In
Darkows Monolog zur Missachtung „guter Lösungen“ ebenjener Krise mittels
Geoengineering – Weltraumspiegel und weiß gestrichene Berge zur Reflexion
der Sonnenstrahlen – mischt sie gekonnt leeres Politgehabe mit
Kommentarspalten-Kriegern.
So retten vor allem die Optik und die Darstellenden den Abend. Ob die in
Gestein vernarrte Geologin, das aufmüpfige Aufnahmegerät, oder das kindlich
weise Orakel, das nicht mehr orakeln will – Regisseurin Ariane Kareev macht
Peters, Darkow und Nimako zu jener Art liebenswürdigem Trio, das man am
Ende nicht gerne verlieren sieht. Ob die Geologin das Gas oder den Weg aus
der Höhle findet, ist irrelevant. Vielleicht war sie auch nie dort, im
Universum gibt es schließlich viele Möglichkeiten. An welche Iteration
unseres Planeten wir auch glauben, am Ende steht der Appell, den Kampf für
unsere Umwelt, unsere Zukunft nicht als verloren aufzugeben.
23 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Svenja Plannerer
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