# taz.de -- Berlinale-Absage von Arundhati Roy: Der Jurypräsident laviert herum
       
       > Die indische Schriftstellerin bleibt der Berlinale fern. Der Grund:
       > Jurypräsident Wim Wenders hatte sich nicht zu Gaza positionieren wollen.
       
 (IMG) Bild: Arundhati Roy zeigt Haltung, im Gegensatz zur Berlinale
       
       dpa | Wie am Freitag bekannt wurde, sagte die indische Schriftstellerin
       Arundhati Roy kurzerhand einen Auftritt im Rahmen der Berlinale ab. Grund
       ist eine Pressekonferenz der Jury unter dem deutschen Regisseur Wim Wenders
       als Präsidenten, bei der es um eine Positionierung im Nahostkonflikt ging.
       
       „Mit großem Bedauern muss ich mitteilen, dass ich nicht an der Berlinale
       teilnehmen werde“, erklärte die 64-jährige Autorin in einem Statement, das
       ihr deutscher Verlag S. Fischer in Frankfurt am Main veröffentlichte.
       [1][Als Begründung nannte Roy die aus ihrer Sicht „unerhörten Aussagen“ von
       Mitgliedern der Jury], als sie aufgefordert worden seien, sich zum
       Gazakrieg zu äußern.
       
       Bereits am Donnerstag hatte ein Journalist Mitglieder der Jury auf den
       Nahostkonflikt angesprochen. Er warf der Berlinale vor, sich zwar mit
       Menschen im Iran und in der Ukraine solidarisiert zu haben, nicht aber mit
       den Palästinensern. Und fragte die Jury dann, ob sie vor dem Hintergrund,
       „dass die deutsche Regierung den Völkermord in Gaza unterstützt und
       Hauptgeldgeber der Berlinale ist, diese selektive Behandlung der
       Menschenrechte“ unterstütze.
       
       Israel streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Das ist
       auch die Position der Bundesregierung. Vor dem Internationalen Gerichtshof
       (IGH) in Den Haag läuft eine von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage
       gegen Israel. Wann das Gericht ein Urteil fällen könnte, ist unbekannt.
       
       ## Wenders: Filmschaffende als Gegengewicht zur Politik
       
       Jurymitglied Ewa Puszczyńska betonte dann, dies seien komplizierte Fragen.
       Der deutsche Jurypräsident Wim Wenders wirkte bei seiner Antwort
       verdruckst, eine Jury der Berlinale könnte sich nicht auf das Feld der
       Politik begeben. Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten,
       sie seien ein Gegengewicht zu ihr. „Wir müssen die Arbeit der Menschen
       machen und nicht die Arbeit der Politiker.“
       
       Zu hören, dass Kunst nicht politisch sein solle, sei schockierend, schrieb
       daraufhin Roy („Der Gott der kleinen Dinge“, „Meine Zuflucht und mein
       Sturm“) in ihrem Absagestatement. „Damit wird eine Diskussion über ein
       Verbrechen gegen die Menschlichkeit unterbunden, obwohl es sich gerade in
       Echtzeit vor unseren Augen abspielt – in einer Zeit, in der Künstler,
       Schriftsteller und Filmemacher alles in ihrer Macht Stehende tun sollten,
       um es zu stoppen.“
       
       ## Berlinale bedauert Absage
       
       Eine Sprecherin der Berlinale teilte zur Absage der preisgekrönten
       Schriftstellerin auf Anfrage mit, die Berlinale respektiere diese
       Entscheidung. „Wir bedauern, dass wir sie nicht willkommen heißen werden,
       da ihre Anwesenheit den Festivaldiskurs bereichert hätte.“
       
       Roy hatte für ihren Roman „Der Gott der kleinen Dinge“ 1997 den Booker
       Prize erhalten. Bei der Berlinale wird in der Reihe „Classics“ der Film „In
       Which Annie Gives It Those Ones“ (1989) gezeigt, in dem sie damals
       mitgespielt und für den sie auch das Drehbuch geschrieben hatte.
       
       15 Feb 2026
       
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