# taz.de -- „Die Blutgräfin“ mit Isabelle Huppert: Bestechend schön, aber museal erstarrt
> Mit „Die Blutgräfin“ inszeniert Ulrike Ottinger eine barock funkelnde
> Horrorsatire, die sich in ihrer musealen Pracht verliert (Berlinale
> Special).
(IMG) Bild: Birgit Minichmayr und Isabelle Huppert in „Die Blutgräfin“
Kaum zu glauben, wie wunderschön dieser Film doch ist. Flackernde
Kandelaber, glänzende Goldrahmen, rote Kaminzimmer voller Prunk und
schwerer Samtportieren – überhaupt fährt „Die Blutgräfin“ sehr viel Seide,
Chiffon und Brokat auf. Jedes Tableau und jedes Kostüm wirkt mit größter
Sorgfalt entworfen und kunstvoll arrangiert.
Insbesondere Isabelle Huppert ist in der Titelrolle mit porzellanweißem
Gesicht, feinen Satinhandschuhen und langen Umhängen eindrucksvoll in Szene
gesetzt. Huppert agiert hier ganz als Grande Dame und verleiht der Figur
zusätzlich eine kühle Souveränität, der man sich in Ulrike Ottingers barock
funkelnder Horrorsatire lange nicht entziehen kann.
„Satire“ ist ein wichtiges Stichwort: Der Film „Die Blutgräfin“ nimmt durch
seinen Titel zwar Bezug auf Elisabeth Báthory, die sagenumwobene ungarische
Adlige des 16. Jahrhunderts. Doch für die ihr zugeschriebenen Grausamkeiten
interessiert sich Regisseurin Ulrike Ottinger kaum. Ihr Augenmerk gilt
vielmehr der Legende, die aus den Taten der historischen Figur entstand:
der Vorstellung, es müsse sich bei all dem Blutdurst um eine Vampirin
gehandelt haben.
Ein Gerücht lockt die Gräfin nun nach jahrzehntelangem Schlaf aus ihrer
Gruft ins Wien der Gegenwart: Die Kunde von einem Buch geht um, das ein
Monster in einen Menschen verwandeln kann, wenn eine aufrichtige Träne auf
seine Seiten fällt. Das will Elisabeth Báthory nun zerstören, um sowohl die
blutsaugende Familiendynastie als auch die eigene Haut zu retten.
Die Handlung ist in „Die Blutgräfin“ allerdings bloße Makulatur. Die
Mission der Gräfin fungiert vor allem als Vehikel, um die morbiden Seiten
der österreichischen Residenzstadt vorzuführen oder Elisabeth Báthory mit
eigentümlichen Gestalten zusammenzubringen, die zwar nicht minder aufwendig
gestaltet, letztlich doch kaum mehr als kuriose Erscheinungen sind.
Elisabeth Báthorys Neffe etwa kommt der Sage um jenes wesensverändernde
Buch beinahe zeitgleich auf die Spur, bleibt aber seltsam untätig: Rudi
Bubi Baron von Strudl zur Buchtelau (Thomas Schubert) sitzt als
vegetarischer Vampir mit grün abgestimmtem Janker und Trachtenhut lieber im
Wirtshaus und verzehrt frische Buchteln anstatt Blut – wobei unklar bleibt,
ob hier Name und Garderobe die Essgewohnheiten bestimmen oder umgekehrt.
So schlagkräftig, wie die Kalauer gemeint sind, erweisen sie sich nach
mehrmaliger Wiederholung jedenfalls nicht mehr. Chief Inspector Unbelief
(Karl Markovics) von der Wiener Polizei und zwei „Vampirologen“ –
Theobastus Bombastus (André Jung) und Nepomuk Afterbite (Marco Lorenzini) –
heißen schließlich weitere Gegenspieler der Gräfin. Mehr Tatendrang als
Rudi besitzen auch sie nicht.
Die Faszination über die opulente Ausstattung verflüchtigt sich etwas, als
deutlich wird, dass sie neben charmanten Schauspielleistungen über die
zweistündige Laufzeit das Einzige ist, das an diesem Film tatsächlich
trägt. Kult möchte „Die Blutgräfin“ offenkundig sofort sein, erinnert
bisweilen an eine lakonische Variante von „Tanz der Vampire“ und kommt in
seinem rigiden Ästhetizismus doch nie an durchschlagenden Witz heran.
## Ein Hauch von „Rocky Horror“
Einzig bei Birgit Minichmayr geht das Spiel mit dem Manierierten wirklich
auf. In trockenem Wiener Schmäh transportiert sie treffend die teils von
Elfride Jelinek höchstpersönlich mitgeschriebenen Einzeiler und bringt als
treue Zofe der Gräfin mit kantigem Bob nebenbei einen Hauch „Rocky Horror
Picture Show“ mit ein.
Ein Mehr solchen lauten Camps und schrillen Pulp-Flairs hätte dem Film
gutgetan. Den witzigsten Moment verdankt „Die Blutgräfin“ jedenfalls
ausgerechnet dem Bruch mit der eigenen strengen Künstlichkeit, als im
letzten Drittel plötzlich Conchita Wurst erscheint und – ja, wie ein Phönix
aus der Asche – ihren ESC-Gewinnersong anstimmt.
So aber bleibt dieser Film vor allem ein Panoptikum visueller Einfälle,
bestechend schön, doch von solcher Starrheit, dass man ihn lieber gleich
als Exponat dem Museum überantworten möchte.
17 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Arabella Wintermayr
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