# taz.de -- Film „Liebhaberinnen“ nach Jelinek-Roman: Selbstoptimierung und andere Liebesgeschichten
> Kühl im Blick, aber mit Mitgefühl: Die Romanadaption von Elfriede
> Jelineks „Liebhaberinnen“ erzählt von Ausbeutung und weiblicher
> Solidarität.
(IMG) Bild: Johanna Wokalek und Ben Münchow in „Liebhaberinnen“
Und schon wieder Elfriede Jelinek. Gleich zweimal ist die
Literaturnobelpreisträgerin auf der diesjährigen Berlinale vertreten –
zumindest indirekt. Nach „Die Blutgräfin“, wo es im Vorspann heißt, der
Film sei „unter Mitwirkung“ der österreichischen Autorin entstanden, geht
„Liebhaberinnen“ sogar einen Schritt weiter und spricht von einer „modernen
Adaption“ des titelgebenden Romans. Vor Augen, dass es sich hier um ein
Langfilmdebüt handelt, darf man skeptisch werden.
Adaption ist in diesem Fall allerdings durchaus großzügig zu verstehen.
Caroline Kox – oder „KOXI“, wie die luxemburgische Filmemacherin im Abspann
genannt wird – bringt einen beeindruckenden Reichtum eigener Einfälle mit,
um von zeitgenössischen Möglichkeiten zu erzählen, den weiblichen Körper
zur Ware zu machen. Das klingt zunächst nach nüchterner Kapitalismuskritik
aus feministischer Perspektive, zeigt neben scharfer Analyse jedoch auch
erstaunliche Einfühlsamkeit, sobald man sich in dem stoischen Tonfall
eingerichtet hat.
„Liebhaberinnen“ wirft mitten hinein in die triste Atmosphäre der
Messehallen, in denen Brigitte (Johanna Wokalek) als Hostess arbeitet. Im
knappen Kostüm und mit aufgesetztem Lächeln versucht sie, den Besuchern
luxuriöse Endzeitbunker zu verkaufen. In ihren Pausen scrollt sie lustlos
durch ihr Smartphone, vorbei an sinnentleerten Motivationssprüchen und
KI-Videos, bleibt jedoch immer wieder bei den Beiträgen der jungen Paula
(Hannah Schiller) hängen. Die Siebzehnjährige berichtet von der Langeweile
auf dem Dorf, vor allem jedoch, wie sie dieser und ihrer vereinnahmenden
Mutter entkommen will.
Paula will etwas Besonderes sein, spricht es aus den Videos, die im
Hochkantformat im Film erscheinen. Der Traum vom Durchbruch steht dabei in
scharfem Kontrast zu ihrer Realität: Sie arbeitet als Camgirl, verkauft
Fingernägel und gebrauchtes Badewasser im Netz. Brigitte aber scheint
fasziniert, sieht ein Spiegelbild ihres früheren Ichs, als die Hoffnung auf
etwas von Bedeutung noch greifbar schien. Inzwischen muss sie ihre Wohnung
untervermieten und übernachtet im Fitnessstudio, unter der Last von
Schulden und schwindenden Perspektiven.
## Beiläufige Sehnsucht
Zugegeben, der Weg aus der ökonomischen Abhängigkeit von (heterosexuellen)
Männern ist in „Liebhaberinnen“ sehr schmal gezeichnet. Leugnen lässt sich
allerdings weder, dass die Realität vieler Frauen nun mal so aussieht
(„Teilzeitfalle“), noch das Interesse patriarchaler Strukturen, genau diese
Abhängigkeiten zu erhalten.
Brigitte, die fortwährend begrapscht wird und gleichsam von der Angst
getrieben ist, aufgrund des Alters ihren Job zu verlieren, macht sich das
Diktat der permanenten Selbstoptimierung schließlich radikal zu eigen und
versucht sich an Heinz (Ben Münchow) zu binden, einen unselbstständigen
Dauersohn mit Aussicht auf Millionenerbe.
Trotz aller Überzeichnung und Johanna Wokaleks gekonnt lakonischem Spiel,
das die formale Strenge von „Liebhaberinnen“ weiter verschärft, spricht
selbst aus den groteskesten Wendungen noch etwas anderes: ein leiser Glaube
an weibliche Solidarität. KOXI interessiert sich nicht nur für Mechanismen
der Ausbeutung, sondern auch für die fragile Möglichkeit gegenseitiger
Unterstützung.
Das Finale formuliert diese Sehnsucht ohne Pathos, fast beiläufig, und
gerade darin liegt seine Kraft. „Liebhaberinnen“ ist kühl im Blick, doch
eben nicht ohne Mitgefühl für jene, die in diesen Verhältnissen zu
funktionieren versuchen.
18 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Arabella Wintermayr
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