# taz.de -- Film „Safe Exit“ auf Berlinale: Auf den Dächern der Stadt
       
       > Arabische Filme auf der Berlinale. „Safe Exit“, ein Kairo-Thriller von
       > Mohammed Hammad (Panorama).
       
 (IMG) Bild: Marwan Waleed in „Safe Exit“
       
       Auf der Suche nach gelungenen Spielfilmen aus dem
       nordafrikanisch-arabischen Raum ist neben dem starken Wettbewerbsbeitrag „À
       voix basse“ von Leyla Bouzid eine Produktion aus der Reihe Panorama
       hervorzuheben. Der Thriller „Safe Exit“ des ägyptischen Regisseurs Mohammed
       Hammad rückt das Porträt einer desillusionierten Generation in den
       Blickpunkt. Einer städtischen Jugend, die sich nach der Niederschlagung des
       Arabischen Frühlings um ihre Zukunftschancen betrogen sieht, im
       Schwitzkasten von korrupter Staatsmacht, islamisch-konservativer
       Gesellschaft sowie des islamistischen Extremismus befindet.
       
       Samaan (Marwan Waleed), der Hauptdarsteller in Hammads Filmerzählung, ist
       23 Jahre jung. Er sitzt als Security-Mann in blauer Uniform im
       Eingangsbereich eines in die Jahre gekommenen Apartmenthauses in
       [1][Downtown Kairo]. In der Regel versieht er die Nachtschicht. Der junge
       Mann lebt im selben mehrstöckigen Gebäude. Alleine in einfacher Behausung
       auf dem Flachdach, wo er auch tagsüber schläft. Samaan gehört zur
       Minderheit der koptischen Christen, praktiziert aber seinen Glauben nicht.
       
       Nach und nach fächert der Kairo-Thriller Samaans Geschichte auf. Die
       Verwicklungen des Hauses und seiner Bewohner fügen sich in den Alltag einer
       streng patriarchalisch organisierten ägyptischen Klassengesellschaft.
       Samaans Eltern sind schon beide tot. Sein Vater, so die faktische
       Grundierung der fiktiven Story, gehörte zu einer Gruppe von 21 koptischen
       Christen, Gastarbeitern aus Ägypten, die im Februar 2015 von der
       Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) an einem Strand bei Sirte in
       Libyen ermordet wurden. In orangefarbener Gefangenenkleidung mussten sie
       vor ihren Mördern niederknien, Samaan hat auf seinem Smartphone Videos der
       Tat gespeichert.
       
       ## Sanfte Tiefe
       
       Er war, als dies passierte, noch ein Kind. „Safe Exit“ stellt ihn als einen
       ruhigen, sensiblen, in sich gekehrten jungen Mann dar. Marwan Waleed spielt
       den Security-Mann mit einer sanften Tiefe, dessen leicht verstockter, aber
       integrer Charakter sich nur schwer in die harsche Umgebung einfügt. Trotz
       seiner sozial geringen Stellung innerhalb des autoritären ägyptischen
       Hierarchiegefüges hat er die Hoffnung auf eine andere Zukunft nicht
       aufgegeben. Er versucht sich über die Veröffentlichung eines Romans seines
       scheinbar festgelegten Schicksals zu befreien.
       
       Bei der Überwachung des Hauseingangs und der Kamerabilder hört er im
       Hintergrund Muzak aus dem Radio, etwa die Melodie des 70er-Jahre-Hits
       „Moviestar“ in der ägyptischen Version ohne Text.
       
       Der Thriller hält in seiner Entwicklung sehr überraschende Wendungen parat.
       Gleich zu Beginn wird offenbart, dass Umm Abdallah in dem Apartment ihren
       Islamistensohn versteckt, den die ägyptische Antiterroreinheit sucht.
       Ausgerechnet der traumatisierte Samaan, der sich vor ihm fürchtet, warnt
       die strenggläubige „Umm“ Abdallah, zu der er ein fast schon familiäres
       Verhältnis pflegt, vor der polizeilichen Hausdurchsuchung.
       
       ## Jugend ohne Gott
       
       Die größte Wendung nimmt der Spielfilm allerdings durch das Auftauchen von
       Fatimah (Noha Foad). Mit der jungen Frau ändert sich alles in diesem
       Psychogramm, das aus der Perspektive einer „Jugend ohne Gott“ gedreht ist.
       
       Fatimah, eine forsche, junge und respektlose Frau ohne ID und
       Krankenversicherung, interpretiert auf dem Hausdach einen Song des
       ägyptischen Rappers Hassan Black, was selbst dem scheuen Samaan ein Lächeln
       ins Gesicht zaubert. Im Hintergrund die Geräusche und der Autolärm der
       Millionenstadt und eine Kamera, die immer wieder vom Dach den Blick auf
       eine in ein sich änderndes Licht getauchte Straßenflucht in Downtown Kairo
       freigibt.
       
       Fatimah nimmt sechs Löffel Zucker in den Tee, Samaan belässt es bei einem.
       Gegensätze ziehen sich an. Samaan muss sich wohl entscheiden: Buch oder
       Liebe. Wo vieles auf ein Happy-End deutet, dreht sich die Geschichte
       plötzlich in eine kaum für möglich gehaltene Richtung.
       
       15 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Fanizadeh
       
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