# taz.de -- Film „Ein Kuchen für den Präsidenten“: Saddam lächelt satt von jeder Wand
       
       > In seinem Spielfilm „Ein Kuchen für den Präsidenten“ zeigt Regisseur
       > Hasan Hadi den Irakkrieg aus der Sicht eines Kindes. Er beruht auf wahren
       > Ereignissen.
       
 (IMG) Bild: Lamia (Baneen Ahmad Nayyef) hat einen Hahn, braucht aber Eier für den Kuchen
       
       Dieser Film beginnt mit einem fantastischen Panorama: Da ist ein breiter,
       gewundener Fluss, der erhaben seinen Weg nimmt. Auf der Oberfläche spiegelt
       sich der fast wolkenlose Himmel, die Ufer werden hier und da von Palmen
       gesäumt. Ein lebhaftes Treiben ist von dort zu hören. Es sind die Flussauen
       des Tigris, die man sieht. Kennt man Irak nur aus den Nachrichten, wird man
       ihren idyllischen Anblick jedoch kaum mit dem Land in Verbindung bringen.
       
       Hasan Hadi ist in diesen Marschlandschaften aufgewachsen. Die Geschichte
       seines Debütfilms spielt in Irak seiner Kindheit. Sieht man die Bilder, die
       Hadi dafür findet, glaubt man ihnen sofort, dass alles genauso ausgesehen,
       alles sich genauso zugetragen haben könnte. Viele Orte, an denen der
       Regisseur in Bagdad gedreht hat, wurden erst kurz darauf renoviert. Mit
       „Ein Kuchen für den Präsidenten“ zeigt er seine Heimat um 1990 aus der
       Innenansicht.
       
       Da ist die Schönheit der Natur und Kinder, die in Booten zur Schule
       paddeln. [1][Der Klang der Oud], des Saiteninstruments, das so typisch ist
       für die Musik des Landes. Und auch der Mann aus den Nachrichten und
       Geschichtsbüchern, den sie hier nur Saddam nennen und der satt von jeder
       Wand lächelt, während Lehrer ihren Schülern Äpfel aus dem Ranzen klauen,
       weil es den Menschen wegen der Sanktionen an Essen fehlt. Die malerische
       Eingangsszene wird bald von amerikanischen Kampfjets gestört. Ihr Dröhnen
       übertönt die Stimmen der Menschen, die am Ufer des Flusses leben.
       
       So wie die neunjährige Lamia (Baneen Ahmad Nayyef), durch deren Blick man
       diesen Alltag im dauerhaften Ausnahmezustand erlebt. Sie ist Waise und lebt
       mit ihrer Oma in armen Verhältnissen. So etwas wie kindliches Staunen
       scheint sich das Mädchen früh abgewöhnt zu haben. Sie hat einen Hahn,
       Hindi, und einen Freund namens Said.
       
       Nicht alle Figuren werden das Ende dieser märchenhaften Erzählung erleben,
       die auf Tatsachen beruht, wie sie nur Diktatoren schaffen: Zwei Tage vor
       Saddam Husseins Geburtstag wird Lamia ausgelost, um den titelgebenden
       Kuchen für den Präsidenten zu backen. (Ein Los, das genug reale Kinder
       traf.) „Gratulation Lamia“, sagt der Lehrer und erinnert die Klasse daran,
       dass er die Pflicht hätte, alle zu melden, die sich ihrer Aufgabe
       verweigern. „Gebt nicht mir die Schuld, wenn euch die gleiche Strafe wie
       Rasul ereilt.“ Niemand muss nachfragen, welche es war.
       
       ## Der Kuchen muss gebacken werden
       
       Lamia hat weder Zucker noch Eier, auch kein Geld oder überhaupt eine Wahl.
       Die Handlung des Films hat ihren Auslöser. Menschen, die ins Kino gehen,
       wird die Ausgangslage an [2][Fatih Akins jüngstes Werk „Amrum“] erinnern.
       Auch da erlebt man die Auswirkungen eines Krieges aus der Sicht eines
       Kindes, auf Amrum muss es Zutaten für ein Honigbrot auftreiben. In Bagdad
       wirkt das Ganze aber um einiges dringlicher und entsprechend dynamischer
       entwickelt es sich. Dieser Kuchen muss gebacken werden, um jeden Preis.
       
       Hadi lässt kaum Zweifel daran, dass Frauen und Kinder, besonders Mädchen,
       in einer solchen Lage zuerst bezahlen müssen. Der Film erzählt davon, ohne
       penetrant zu emotionalisieren, was die Geschehnisse nur bestürzender macht.
       Dass sie nicht erdrücken, verdankt die Geschichte einer Reihe stabiler
       Charaktere, die immer wieder Licht ins Dunkel bringen. Auch erlaubt der
       Regisseur der straff erzählten Handlung kleine Fluchten, etwa wenn Lamia
       und Said in einem Café spontan dem Auftritt einer Sängerin folgen.
       
       „Ein Kuchen für den Präsidenten“ lässt Raum für die Dinge, die jedes Leben
       und eines im Ausnahmezustand erst recht braucht: Humor und Spiel. Ein
       Funken Hoffnung. All das verleiht dem Film eine Energie, die mehr vom Leben
       als vom Sterben erzählt.
       
       9 Feb 2026
       
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