# taz.de -- Doku „Forest Up in the Mountain“: Ermittlungen in Patagonien
       
       > Der Dokumentarfilm „Forest up in the Mountain“ bietet Einblicke in Fälle
       > von Plünderung und territorialer Vertreibung in Argentinien (Forum).
       
 (IMG) Bild: Szene aus „Forest up in the Mountain“
       
       Kurzzeitig weckten die Bilder von verheerenden Waldbränden aus dem
       argentinischen Patagonien [1][im Januar 2026 unsere Aufmerksamkeit.]
       
       Der Dokumentarfilm „Bosque arriba en la montaña“ (Forest up in the
       Mountain) verbindet die Rekonstruktion eines Verbrechens, das sich 2017 am
       Lago Mascardi in den Wäldern des Nationalparks Nahuel Huapi ereignete, mit
       den historischen Erfahrungen der [2][Mapuche], der indigenen Bevölkerung im
       argentinischen Patagonien.
       
       In weißen Schutzanzügen streifen Mitglieder der PFA, der Policia Federal
       Argentina, auf Spurensuche durchs Unterholz. In der Eingangsszene werden
       Patronenhülsen und andere Beweisstücke im Wald sichergestellt. Auch einige
       Zeugen werden von Angehörigen der Justiz am Tatort befragt. Das alles
       findet inmitten einer unberührt scheinenden Natur statt. Unvermittelt gibt
       die Kamera den Blick frei auf eine atemberaubende Seenlandschaft mit
       schneebedecktem Andenpanorama.
       
       Über mehrere Jahre begleitete die Dokumentarfilmerin Sofía Bordenave mit
       einem Team die schleppenden Ermittlungen und den Prozess gegen fünf
       Polizisten einer Spezialeinheit wegen des Mordes an Rafael Nahuel. Der
       zweiundzwanzigjährige Mapuche war bei dem Zusammenstoß mit den
       Sicherheitskräften nach einem Schuss in den Rücken im Wald gestorben.
       
       ## Fotografien aus dem Puelmapu
       
       Die Dokumentation der Ermittlung führt Bordenave zusammen mit Gesprächen
       und historischen Fotografien aus dem Puelmapu, dem argentinischen
       Territorium der Mapuche. Darin wird deutlich, wie die Folgen der
       systematischen Vertreibung und die Auslöschung gewachsener Gemeinschaften
       bis in die Gegenwart hinein wirken.
       
       Mit dem sogenannten „Wüstenkrieg“ hatte das argentinische Militär ab 1878
       begonnen, die Urbevölkerung Patagoniens zu unterwerfen. Sie zu vertreiben
       und zu vernichten, mit dem Ziel der Expansion des argentinischen
       Staatsgebiets und wirtschaftlichen Erschließung für die Nation.
       
       Lorena Cañuqueo und viele junge Mapuche ihrer Generation wuchsen in Städten
       wie Bariloche auf, ohne den familiären Hintergrund zu kennen, doch mit
       Marginalisierung konfrontiert. Über Jugendrevolte und Punk-Musik findet sie
       Ende der 1990er Jahren einen selbstbewussten Zugang zur Kultur ihrer
       Vorfahren.
       
       ## Verlust der ursprünglichen Wälder im Süden Argentiniens
       
       Andere wie Mirta Ñancunao hatten auf dem Land schon in der Kindheit durch
       die Überlieferungen ihrer 1901 geborenen Mutter von dem sukzessiven
       Landraub, den verweigerten Eigentumstiteln, der Zwangsarbeit sowie der
       verlorenen Sprache, dem Mapudungun, gehört.
       
       Vor der Kamera erinnert Mirta Ñancunao daran, wie die intensive
       Bewirtschaftung der Ländereien durch die eintreffenden Siedler in
       Patagonien bald zum Verlust der ursprünglichen Wälder im Süden Argentiniens
       führte. In den 1930 Jahren begann eine industrielle Forstwirtschaft, diese
       durch Monokulturen mit schnell wachsenden (und brennenden) Kiefern zu
       ersetzen.
       
       Aus solch unterschiedlichen Quellen, sowie Archivmaterial, Tatortfotos,
       topografischen Karten, Naturaufnahmen und Bildschirmaufzeichnungen der
       Gerichtsverhandlung, die online stattfinden musste, formt Sofía Bordenave
       mutig ihre eigene Filmsprache.
       
       Wirkungsvoll entwickelt sie aus dem spröden Material auch eine Art Analogie
       zur holprigen Kommunikation im Gerichtsaal. Immer wieder muss die
       aufgezeichnete Verhandlung unterbrochen werden. Die Internetverbindung
       funktioniert nicht zuverlässig, Fragen werden von den Angeklagten nicht
       verstanden, Techniker werden zu Hilfe gerufen.
       
       In der Zwischenzeit wird Kaffee serviert.
       
       16 Feb 2026
       
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