# taz.de -- Deutschland und Israel: Wir Komplizen
> Julia Klöckner ist eine von Netanjahus besten PR-Botschafterinnen.
> Deshalb durfte sie in den Gazastreifen fahren: ein Privileg, das anderen
> verwehrt wurde.
(IMG) Bild: PR-Botschafterin Klöckner mit ihrem Amtskollegn Amir Ohana in der Knesset
Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag muss sich Israel wegen
mutmaßlichem Völkermord in Gaza verantworten. Schon 2024 hat das höchste
UN-Gericht geurteilt, dass die Besatzung des Gazastreifens, des
Westjordanlands und Ost-Jerusalems illegal ist und beendet werden muss.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird zudem vom Internationalen
Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen gesucht. Viele Staaten sind deshalb
auf Abstand zu seiner in Teilen rechtsextremen Regierung gegangen.
Die Bundesregierung hält ihr jedoch unbeirrt die Treue: Sie liefert ihr
munter weiter Waffen, und das Bundesverfassungsgericht schiebt dem auch
keinen Riegel vor: [1][Die Klage eines Palästinensers dagegen hat es jetzt
für unzulässig erklärt]. Der Rechtsweg ist damit ausgeschlossen – nichts
soll das „business as usual“ stören.
Stattdessen geben sich deutsche Minister seit Monaten die Klinke in die
Hand, um die Beziehungen mit Israel sogar noch zu vertiefen: Nach
Bundeskanzler Merz, Alexander Dobrindt und Karin Prien [2][hat nun
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner das Land ganze drei Tage lang mit
ihrem Besuch beehrt]. Palästinenserinnen und israelische Menschenrechtler
traf sie nur am Rande, und über Israels völkerrechtswidrige Pläne in Gaza
und im Westjordanland verlor sie kein Wort.
Eine bessere PR-Botschafterin als Klöckner kann sich Netanjahu nicht
wünschen, deshalb durfte sie für eine Stunde „embedded“ mit der
israelischen Armee in den Gazastreifen einreisen: Ein Privileg, dass
Entwicklungsministerin Alabali-Radovan nicht gewährt wurde, obwohl gerade
sie doch den Wiederaufbau des Gazastreifens finanzieren soll. Zwar hat
Klöckner Israel davon abgeraten, wie geplant die Todesstrafe für
Palästinenser einzuführen, und ermahnt, unabhängige Beobachter in den
Gazastreifen zu lassen.
Doch um Israels rechtsextreme Regierung zu beeindrucken braucht es mehr als
unverbindliche Ratschläge und Mahnungen, davon gab es schon genug. Es
braucht diplomatischen Druck und handfeste Drohungen. Sonst ist man nur ein
nützlicher Komplize.
12 Feb 2026
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(DIR) Daniel Bax
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