# taz.de -- Grenzöffnung von Rafah: Ein Hoffnungsschimmer, mehr nicht
       
       > Ja, die Öffnung des Grenzübergangs ist ein Fortschritt. Doch die
       > fortgesetzten Bombardements bedeuten ein Andauern des Krieges auf
       > Sparflamme.
       
 (IMG) Bild: Nur wenige Verletzte durften die Grenze in Richtung Ägypten überqueren, um sich im Ausland behandeln zu lassen
       
       Auf diesen Moment hatten die Bewohner des Gazastreifens seit Mai 2024
       sehnlichst gewartet. [1][Am Montag gingen die Schranken des Grenzübergangs
       Rafah wieder auf.] Über 1.250 schwerverletzte und 20.000 kriegsversehrte
       Palästinenser benötigen derzeit eine Behandlung in ägyptischen
       Spezialkliniken, und tatsächlich standen schon am frühen Morgen Dutzende
       Krankenwagen des ägyptischen Roten Halbmonds für sie bereit.
       
       Doch an dem Tag, an dem Gaza wieder mit der Welt verbunden wurde, durften
       nur fünf Patienten mit jeweils zwei Begleitern die von israelischen
       Soldaten überwachte Grenzanlage in Richtung Ägypten überqueren. Die wieder
       leer abfahrenden Krankenwagen sind ein Symbol dafür, dass in Gaza auch in
       Phase zwei von Donald Trumps Gaza-Plan nur die Waffen schweigen, mehr
       nicht.
       
       Und nicht einmal die Waffenruhe gilt jeden Tag. Erst am Sonntag töteten
       israelische Raketen 23 Menschen in ihren Zelten bei Chan Junis und Deir
       al-Balah. Man habe Hamas-Anführer getötet, rechtfertigte sich die
       israelische Armee. [2][Israel wolle die Politik der ethnischen Säuberung
       des Gazastreifens fortsetzen], glauben nicht wenige der von Hunger und
       Winterstürmen geplagten Bewohner Gazas.
       
       Sicher ist, dass der Waffenstillstand der Logik eines ähnlichen Abkommens
       im Südlibanon folgt. Auch dort bombt die IDF weiter. Die dortige Hisbollah
       weigert sich wie die Hamas in Gaza, die vereinbarte Entwaffnung tatsächlich
       umzusetzen. Mit den Bombardements und der Besetzung großer Teile von Gaza
       und des Libanon während eines jeweils gültigen Waffenstillstands will
       Netanjahu seine Gegner vielleicht gar nicht schwächen: Die guerillaartigen
       Luftangriffe garantieren eine Fortsetzung des Krieges auf Sparflamme.
       
       Trotz aller Enttäuschung über die festgefahrene Lage kann die Öffnung des
       Grenzübergangs Rafah ein Hoffnungsschimmer sein. Täglich 150 Menschen
       dürfen das von mehreren Mauern, Zäunen und Stacheldraht gesicherte Gebiet
       zwischen Ägypten und Gaza passieren; auch hier setzt Israel auf Dominanz.
       Reisende werden mit Gesichtserkennungssoftware und stundenlangen
       Befragungen überprüft, Lastwagen mit Hilfsgütern bleiben verboten.
       
       Unbewaffnete Beamte der EU sind am Grenzübergang stationiert, sie
       überwachen das ägyptisch-israelische Abkommen. Brüssel muss jetzt seine
       Mission aufstocken und Netanjahu dazu bringen, die Schwerverletzten sofort
       ausreisen zu lassen. Und vor allem diejenigen wieder in den Gazastreifen
       einreisen zu lassen, die geflohen waren. Sonst macht es sich an der
       ethnischen Säuberung Gazas mitschuldig.
       
       6 Feb 2026
       
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