# taz.de -- Vorsorgen für die Rente: Der Staat entledigt sich seiner Pflichten
       
       > Jetzt sollen die Menschen verstärkt selbst für ihr Altersruhegeld
       > vorsorgen. Doch viele können das finanziell gar nicht, obwohl sie viel
       > arbeiten.
       
 (IMG) Bild: Arbeit im Homeoffice: Ob da genug verdient wird, um in Zukunft die Rente auch privat absichern zu können?
       
       Friedrich Merz verkündete jüngst, die private Rentenvorsorge solle künftig
       eine wichtigere Rolle spielen als die gesetzliche Rente. Damit erklärte er
       eine überfällige Reform der gesetzlichen Rente für gescheitert und verkauft
       uns Plan B als Plan A. Die Idee der drei Säulen der Altersvorsorge –
       gesetzlich, betrieblich, privat – ist nicht neu. Aber die gesetzliche Rente
       war bisher für viele die wichtigste Säule. Zwar ist sie als echte
       Absicherung zu gering zum Leben, ungerecht gegenüber Careworkern und baut
       auf einem fragwürdigen Finanzierungsmodell auf.
       
       Aber immerhin kommt die staatliche Rente verlässlich monatlich aufs Konto,
       egal wie alt man wird. Die Finanzbranche hat für dieses Problem den
       herrlichen Begriff Langlebigkeitsrisiko geprägt: [1][Je älter wir werden,]
       umso teurer wird es für Banken und Versicherungen.
       
       Als die Staatsrente Ende des 19. Jahrhunderts ins Leben gerufen wurde, um
       die gegen miese Arbeitsbedingungen auf die Barrikaden gehende
       Arbeiterklasse zu befrieden, war der Lebensabend noch sehr kurz. Die
       Regierung muss nun damit umgehen, dass wir unglücklicherweise immer
       gesünder und daher länger leben. Ganz im hyperneoliberalen Sinne soll also
       immer mehr Verantwortung vom Staat auf das Individuum gelenkt werden.
       
       Der Kanzler sinnierte, dass doch wohl [2][100 Euro monatlich im
       Aktiendepo]t der Kinder inklusive finanzieller Bildung durch die Eltern
       möglich sein sollten. Ihm selbst, pensionsgepudert und im Besitz
       zahlreicher Aktien, mangelt es an Awareness für Normalsterbliche. Denn das
       Risiko von Aktien als Altersvorsorge muss man sich leisten können. Wer
       investiert, braucht verfügbares finanzielles Backup, falls die Kurse
       schlecht stehen. Fast jede andere risikoärmere Geldanlage bringt aber kaum
       Rendite, so auch [3][Riester] oder die Betriebsrente.
       
       Die durchschnittliche Rentenlücke von Arbeitnehmenden ist mehrere
       hunderttausend Euro groß und kann dann wohl, wenn selbst der Kanzler sich
       von der Zukunft der staatlichen Absicherung verabschiedet, nur durch einen
       frühen Tod verringert werden.
       
       10 Feb 2026
       
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