# taz.de -- Diskussion über Rentenreform: Merz will die Altersvorsorge dem Kapitalmarkt ausliefern
       
       > Der Bundeskanzler plant, die gesetzliche Rente zugunsten der privaten
       > Vorsorge zu kürzen. Das nützt der Bevölkerung wenig, dem Kapitalmarkt
       > umso mehr.
       
 (IMG) Bild: Vielleicht denkt er: Sollen sie doch privat anlegen
       
       Ausgerechnet bei einem [1][Empfang der Deutsche Börse kündigte
       Bundeskanzler Friedrich Merz einen Generalangriff auf die Rente an]. Es
       werde einen „Paradigmenwechsel“ geben, sagte er. Die umlagefinanzierte
       gesetzliche Rente solle künftig nur noch ein Baustein sein, während die
       kapitalgedeckte private und betriebliche Altersversorgung massiv ausgebaut
       werden soll. Das werde auch auf dem Kapitalmarkt einen erheblichen Schub
       auslösen, versprach er rund 850 Leuten aus genau dieser Branche.
       
       Es ist frappierend, wie offen der Bundeskanzler die Wünsche der
       Finanzindustrie bedient – der er bis vor wenigen Jahren als
       Black-Rock-Repräsentant selbst angehört hat.
       
       Die Gesetzliche Rentenversicherung ist schon immer ein Objekt der Begierde
       der Finanzbranche gewesen. Durch ihre Kassen fließen gigantische Summen.
       Was Merz vorschwebt, ist die Umschichtung enormer Geldmengen aus diesem
       System auf den Kapitalmarkt – zu Lasten der heutigen Erwerbstätigen. Denn
       die werden Absenkungen von Renten aushalten und mit zusätzlicher Vorsorge
       die Risiken an den Kapitalmärkten tragen müssen.
       
       In der Diskussion über die Rente haben diejenigen die Oberhand, die
       Kürzungen meinen, wenn sie von Reformen reden. Ihr Fahrplan: Unternehmen
       sollen weniger Sozialbeiträge für die Beschäftigten zahlen und die
       Kapitalmärkte von der zusätzlichen Altersversorgung profitieren, die
       Erwerbstätige wegen niedrigerer Renten brauchen. Den Bürger:innen wird
       das mit dem fragwürdigen Versprechen schmackhaft gemacht, auch sie würden
       dann von den boomenden Börsen profitieren – das hält aber nur bis zum
       nächsten Crash der Finanzmärkte.
       
       ## Reformen ja, aber in eine andere Richtung
       
       Tatsächlich braucht das Rentensystem Reformen. Aber in eine völlig andere
       Richtung. Menschen mit schweren Belastungen müssten ohne Abzüge deutlich
       vor 67 in den Ruhestand gehen können. Arbeitgeber:innen müssten sich
       stärker an der zusätzlichen Altersvorsorge ihrer Beschäftigten beteiligen.
       Nötig ist eine existenzsichernde Mindestrente, damit die Altersarmut nicht
       noch weiter steigt.
       
       Wer so etwas fordert, ist derzeit in der Defensive. Trotzdem: Alternativen
       zu den Vorstellungen von Merz und Co müssen sichtbarer werden. Ihnen muss
       die Deutungshoheit genommen werden. Dazu gehört, sich dem Narrativ
       entgegenzustellen, dass das Rentensystem nicht stabil sei.
       
       Diese Erzählung ist falsch. [2][Die Kosten sind auch in Zukunft
       überschaubar, zeigt etwa eine Studie der gewerkschaftsnahen
       Böckler-Stiftung]. Ja, der Staat steckt jedes Jahr viele Milliarden in die
       Rentenkasse – weil die damit von ihm politisch gewünschten Leistungen wie
       etwa die „Mütterrente“ finanziert werden. Der Anteil der Rentenausgaben an
       der deutschen Wirtschaftsleistung ist in den vergangenen 20 Jahren
       gesunken.
       
       Vielversprechend ist eine Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbunds.
       [3][Er hat eine eigene Rentenkommission einberufen]. Wenn diese Kommission
       ein überzeugendes Konzept vorlegt, könnte sich die Diskussion drehen. Nötig
       wäre es.
       
       6 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Statistisches-Bundesamt/!6150790
 (DIR) [2] https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-rente-die-kosten-sind-nicht-das-problem-74630.htm
 (DIR) [3] /Angriffe-auf-den-Sozialstaat/!6147233
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
       
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