# taz.de -- Reform der Riester-Rente: Private Altersvorsorge wird ungerechter
> Die Riester-Rente steht berechtigt in der Kritik. Doch die neue Idee der
> Bundesregierung für die private Vorsorge geht zu Lasten der Sparer:innen.
(IMG) Bild: Wie viel können zukünftige Generationen für die Rente auf die hohe Kante legen?
Union und SPD haben mit der Reform der privaten Altersvorsorge die Chance
vertan, für mehr Gerechtigkeit im Alter zu sorgen. Zwar ist es richtig,
dass sie dem Riester-Renten-Debakel ein Ende bereiten. Die Verträge sind
nicht nur zu bürokratisch, vor allem kommt für Kund:innen dabei viel zu
wenig heraus, um die von der damaligen rot-grünen Regierung 2002 gerissenen
Rentenlöcher zu stopfen. Profitiert hat vor allem die Finanzbranche. Doch
jetzt wird die alte Regelung abgelöst von einer neuen Förderung, die
Zahlungskräftige mehr begünstigt als all jene, die es wirklich brauchen.
Bei aller Kritik an der [1][Riester-Rente:] Die Förderung war
einkommensabhängig, Leute mit geringem Verdienst haben gemessen an ihren
eigenen Zahlungen dank der Zulagen davon mehr profitiert als diejenigen mit
hohen Einkünften. Diese Differenzierung fällt künftig weg. Der Staat wird
Sparer:innen unabhängig vom Einkommen bis zu einem Sparbetrag von 360
Euro pro Euro 50 Cent dazugeben. Bei einem Sparbetrag zwischen 361 bis
1.800 Euro sind es 25 Cent. Je mehr Geld Leute haben, desto mehr können sie
für den Ruhestand zurücklegen und desto mehr bekommen sie vom Staat.
## Die Angst vor Armut bleibt
Besonders gefördert werden müssen aber gerade jene, die es sich kaum
leisten können, etwas fürs Alter auf die hohe Kante zu legen. Das Geld, das
der Staat in die Förderung für die private Altersvorsorge steckt, wäre als
Stütze kleiner Renten in der [2][gesetzlichen Rentenversicherung] besser
aufgehoben. Oder für die Finanzierung von Mindestrenten, von denen die
Empfänger:innen leben können. Das würde vielen die Angst vor
Altersarmut nehmen.
Verbraucherschützer:innen bejubeln die Reform. Vor allem aus einem
Grund: Der Staat wird künftig selbst Vorsorgeverträge anbieten. Es soll
sogenannte Standardprodukte geben, die einfach und günstig sind. Wie genau
das funktionieren wird, ist noch unklar. Fest steht aber, dass die
Kostenabzüge gedeckelt werden. Seit Jahrzehnten kämpfen
Verbraucherschützer:innen gegen die Abzocke der Finanzbranche, die
mit intransparenten Verträgen zu viel Geld einsteckt.
Die Hoffnung ist, dass die neuen Standardverträge zu guten Alternativen
werden und Maßstäbe setzen. Aber: Die Finanzbranche darf weiterhin Verträge
mit hohen Gebühren verkaufen – und das wird sie auch tun, wenn der
Gesetzgeber nicht strengere Regeln erlässt. Abzocke ist für
Verbraucher:innen schwer zu durchschauen. Deswegen brauchen sie mehr
Schutz.
Doch gerade den Schutz fährt Schwarz-Rot zurück. Bei der Riester-Rente muss
der Anbieter garantieren, dass mindestens die eingezahlten Beiträge und
Zulagen erhalten bleiben. Bei den neuen Verträgen ist das anders.
Kund:innen können nur zwischen Risikoklassen wählen. Damit verbunden ist
das Versprechen, dass Bürger:innen so stärker von den Erträgen an den
Kapitalmärkten profitieren können. Faktisch wird das
[3][Kapitalmarktrisiko] aber auf sie verlagert. Das ist schlecht. Wer
ohnehin eine geringe Rente erwartet, kann es sich nicht leisten, etwas von
seinem wenigen Kapital zu verzocken.
27 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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