# taz.de -- Reform des Rentensystems: Mehr Abgaben für die Arbeitgeber oder schuften bis 70
> Die Linke will, dass Arbeitgeber künftig mehr als die Hälfte der
> Rentenbeiträge zahlen. Die Expertenkommission des Bundes berät eine ganz
> andere Idee.
(IMG) Bild: Detlef Zimmermann geht in den Ruhestand: Familie und Weggefährt:innen verabschieden ihn am Stellwerk in Nordhausen (Thüringen), 20. Juli 2023
afp | Die Linke will die Arbeitgeber bei der Finanzierung der Rente stärker
zur Kasse bitten. Die Partei wolle erreichen, „dass der Arbeitgeber einen
höheren Anteil zahlt, bis zu 60 Prozent“, sagte Linken-Chefin Ines
Schwerdtner am Montag im ZDF. Sie kritisierte, dass der Arbeitnehmeranteil
bei der Rente aktuell „viel, viel größer“ sei als jener des Arbeitgebers.
Grundsätzlich teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge zur
gesetzlichen Rentenversicherung je zur Hälfte. Es handelt sich damit um
eine paritätische Finanzierung. Diese sei jedoch durch überwiegend durch
die Arbeitnehmer finanzierte zusätzliche Altersvorsorge-Instrumente
„aufgegeben“ worden, kritisiert die Linke in einem am Montag verbreiteten
Papier.
Die Partei nennt hier unter anderem [1][die Riesterrente] und zitiert eine
Befragung der Riesterversicherten. Demnach beträgt der durchschnittliche
Eigenbetrag zur Riesterrente 2,8 Prozent des Bruttolohns. Bei
Betriebsrenten befürchtet die Linke ebenfalls, dass die Arbeitnehmer einen
höheren Teil im Vergleich zu den Arbeitgebern tragen.
„Wir müssen die Beiträge wieder gerecht verteilen“, betonte Schwerdtner.
Dies sei notwendig, damit „die Renten stabil bleiben und damit unser
Rentensystem insgesamt stabil bleibt“.
## Offenbar verfassungskonform
Die Linke sieht sich bei ihrer Forderung nach höheren Arbeitgeberanteilen
durch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts des Bundestags
bestätigt. Diesem zufolge hat der Gesetzgeber einen großen Spielraum, wie
er die Finanzierung der Sozialversicherung ausgestaltet. Eine
nicht-paritätische Finanzierung, also zum Beispiel ein höherer
Arbeitgeberanteil bei der Rente, wäre demnach verfassungsgemäß.
Die Linkspartei fordert neben höheren Arbeitgeberanteilen eine Stärkung der
gesetzlichen Rente. Hier müsse das Rentenniveau wieder auf 53 Prozent
angehoben werden, heißt es im Papier der Partei.
Aktuell [2][liegt das Rentenniveau bei 48 Prozent des aktuellen
Durchschnittseinkommens.] Das Rentenniveau ist dabei eine reine
Rechengröße: Es ist das Verhältnis der sogenannten Standardrente – nach 45
Jahren Arbeit zum Durchschnittslohn – zum Durchschnittsverdienst aller
Versicherten.
## Arbeiten bis 70 und länger
In eine ganz andere Richtung geht eine Maßnahme, über die [3][die
Rentenkommission der Bundesregierung] kommende Woche beraten will. Beim
nächsten Treffen des 13-köpfigen Expertengremiums am 23. Februar soll
diskutiert werden, wie das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre angehoben
werden könnte. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf
Kommissionskreise.
Bei der Beratung der sogenannten Alterssicherungskommission wird es dem
Bericht zufolge auch um die Frage gehen, wie hoch die Abschläge bei einem
Renteneintritt vor dem 70. Lebensjahr ausfallen könnten. Zugleich wollen
die Experten demnach prüfen, wie ein längeres Arbeiten auch über das 70.
Lebensjahr hinaus attraktiver gestaltet werden kann. Laut Bild ist eine
„sehr großzügige“ finanzielle Belohnung für einen späteren Renteneintritt
im Gespräch. Eine Empfehlung könnte bereits im Frühjahr vorliegen.
Der Zeitung zufolge soll in der Kommission ebenso darüber diskutiert
werden, ob künftig auch Beamte und Politiker verpflichtend in die
gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollen. Allerdings ist den
Experten laut Bild bewusst, dass zusätzliche Beitragszahler das
Grundproblem, wonach es immer mehr Ruheständler und immer weniger
Beitragszahler gibt, mittelfristig nicht lösen können.
16 Feb 2026
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