# taz.de -- Bomben- und Morddrohungen in Frankreich: Eine Brandmauer gegen links
> Der junge Rechtsextremist Quentin Deranque wurde gewaltsam getötet.
> Französische Rechtspopulisten versuchen jetzt, daraus Kapital zu
> schlagen.
(IMG) Bild: Kundgebung für den ermorderten Rechtsextremen – Die Spannungen dürften vor den Präsidentschaftswahlen 2027 noch steigen
Die Place de la République mit ihrer zehn Meter hohen Mariannen-Statue hat
schon viele Demonstrationen gesehen. Auch die Linkspartei La France
Insoumise (LFI) veranstaltete hier Kundgebungen, zuletzt im vergangenen
Frühjahr gegen den rechtspopulistischen Rassemblement National (RN). In
dieser verregneten Februarwoche ist kaum jemand auf dem großen Platz zu
sehen. Nur Matteo steht in Regenjacke und mit Schirm vor dem Métro-Ausgang.
Der 25-Jährige mit dem hochgesteckten Pferdeschwanz weiß vom gewaltsamen
Tod des Rechtsextremisten Quentin Deranque in Lyon. Der Mathematikstudent
war vergangene Woche von Vermummten zu Tode geprügelt worden, von denen
einige der Antifa-Gruppe Jeune Garde angehören. „Das, was passiert ist, ist
sehr traurig“, sagt Matteo, der seinen Nachnamen nicht nennen will.
Der junge Marketingexperte hat in Lyon studiert und kennt die Stadt gut.
„Lyon ist für seine Rechtsextremisten bekannt, die auf Schwarze und Araber
einschlagen“, berichtet er. Diesmal sei mit Quentin ein Rechtsextremist
gestorben, doch es hätte auch anders herum passieren können, mutmaßt
Matteo.
Der RN zeigt seit der Tat mit dem Finger auf LFI, die laut ihrem Anführer
Jean-Luc Mélenchon in der Jeune Garde einen „Verbündeten“ sieht. Der RN hat
sich dagegen offiziell von rechtsextremen Milizen wie der Groupe Union
Défense (GUD) distanziert. Nachdem Parteigründer Jean-Marie Le Pen
jahrzehntelang auf Radikalisierung gesetzt hatte, versuchte seine Tochter
[1][Marine le Pen], ihre Partei als normal erscheinen zu lassen. Zugleich
stempelte die RN-Frontfrau LFI und Mélenchon als extremistisch ab.
## Bombendrohung in der Parteizentrale
„Ich rufe dazu auf, eine Brandmauer gegen die France Insoumise zu
errichten, auch mit Blick auf die Kommunalwahlen“, forderte RN-Chef Jordan
Bardella am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Jahrzehntelang hatten die
anderen Parteien Wahlbündnisse gegen das Le-Pen-Lager gebildet, um ihnen
Mandate zu verwehren. Ein solcher „Front Républicain“ hatte zuletzt bei den
Parlamentswahlen 2024 eine Mehrheit für den RN verhindert.
Vor der ersten Runde der Kommunalwahlen am 15. März dreht der RN nun den
Spieß um. „Die extreme Rechte nutzt das Ereignis aus“, kritisiert Matteo,
der sich selbst als „modéré“, also gemäßigt, bezeichnet.
## Räumung wegen Bombendrohung
Die Parteizentrale von LFI liegt nur eine Viertelstunde zu Fuß von der
Place de la République entfernt beim Bahnhof Gare de l’Est. Am Sonntag
hatten Unbekannte das Gebäude mit roter Farbe bespritzt, um zu zeigen, dass
LFI für den gewaltsamen Tod von Quentin Deranque verantwortlich sei. Zwei
Parlamentsmitarbeiter des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault waren bei dem
Angriff auf den 23-Jährigen zugegen. Einer von ihnen gab nach seiner
Festnahme Gewaltanwendung zu, will Deranque aber nicht die tödlichen
Schläge verpasst haben.
Am Mittwoch räumte die Polizei die Parteizentrale wegen einer
Bombendrohung. „Ihr werdet hundertfach dafür bezahlen, Quentin ermordet zu
haben“, stand in einer Drohmail. LFI-Koordinator Manuel Bompard wies jede
Verantwortung seiner Partei für den Tod Deranques zurück. Er forderte, La
France Insoumise nicht weiter zu beschuldigen. „Diese Anschuldigungen haben
Konsequenzen und bewegen eine gewisse Zahl extrem gefährlicher Aktivisten
zu Drohungen, Einschüchterungen und Angriffen gegen Wahlkreisbüros“, sagte
Bompard vor dem LFI-Sitz.
Seit dem Tod von Deranque am 14. Februar erhielten mehrere LFI-Mitglieder
Morddrohungen; Wahlkampfveranstaltungen mussten abgesagt werden. Die
Spannungen dürften vor den Präsidentschaftswahlen 2027 noch steigen, bei
denen der RN laut Umfragen deutlich vorn liegt. „Die Polarisierung im
politischen Wettbewerb kann sich in Zusammenstößen zwischen militanten
Gruppen niederschlagen“, warnte der Historiker Marc Lazar in der Zeitung
Libération.
21 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Unterschlagene-EU-Gelder-Staatsanwaltschaft-fordert-4-Jahre-Haft-fuer-Marine-Le-Pen/!6151491
## AUTOREN
(DIR) Christine Longin
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