# taz.de -- Kampala ohne Internet: Fünf Tage netzlos
       
       > Stromausfälle gehören in Uganda zum Alltag, damit kennt sich die
       > Bevölkerung aus. Doch vor den Wahlen wurde auch das Internet abgestellt.
       
 (IMG) Bild: Im Laden kann man ohne Internet nicht mehr bargeldlos bezahlen, Kampala, Uganda, am 14. 1. 2026
       
       Catherine Babyre sitzt vor einer Turnhalle in Ugandas Hauptstadt Kampala
       und wartet, dass die Ballettstunde ihrer Töchter zu Ende geht.
       Normalerweise nutzt die 34-jährige alleinerziehende Mutter diese Zeit am
       Handy für ihren Onlineshop, in dem sie Hautcremes und Haarpflegemittel
       vermarktet. Doch Ugandas Regierung hat vergangene Woche, [1][kurz vor den
       Wahlen], das Internet abgeschaltet, selbst VPN-Anwendungen waren blockiert.
       Erst am Sonntag wurde es teilweise wieder hochgefahren.
       Social-Media-Plattformen sind nach wie vor nicht erreichbar.
       
       „Mein Geschäft stand quasi still“, seufzt Babyre. „Normalerweise poste ich
       morgens meine Produkte, die Kunden kontaktieren mich über Whatsapp,
       bezahlen via mobilen Geldtransfer, und ich bestelle über eine App ein
       Motorradtaxi, das dann ausliefert“, erklärt sie. „Ohne Internet geht bei
       mir also gar nichts.“
       
       Ugandas fünftägiger Internetlockdown hat nicht nur Catherine Babyres
       Geschäft schwer geschadet, sondern der ganzen Wirtschaft. Denn auch mobile
       Geldtransfers via Handy waren nicht mehr möglich. Diese sind mittlerweile
       beliebter als Bargeldzahlungen. „Damit hatte ich einfach nicht gerechnet“,
       sagt Babyre. Sie habe nicht mal genügend Bargeld gehabt, um ihren Kindern
       etwas zu essen zu kaufen.
       
       Immerhin, da das Internet bereits zu den vergangenen Wahlen 2021 offline
       war, hatte sie VPN-Anwendungen vorinstalliert, worüber sie zumindest jetzt
       wieder auf die sozialen Medien zugreifen kann. „Und beim nächsten Shutdown
       werde ich mehr Bargeld parat haben.“
       
       ## Hart, selbst für ugandische Verhältnisse
       
       Denn eigentlich seien die Menschen in Uganda auf solche Ausfälle
       eingestellt, sagt Babyre. Und lacht etwas über den jüngsten Stromausfall in
       Berlin. „Viele Leute in den westlichen Ländern wissen ja gar nicht mehr,
       wie das so ist.“ In Uganda gibt es solche Ausfälle je nach Wohnort ein-,
       zweimal die Woche. In den Regenzeiten häufiger, weil Wassermassen die
       Stromfreileitungen zerstören oder die unterirdisch verlegten
       Wasserleitungen durch Druck zum Bersten bringen. Die meisten Betriebe,
       Hotels und Supermärkte haben deshalb Dieselgeneratoren. Wohlhabende
       Ugander*innen haben Solarzellen auf den Dächern installiert. Gekocht
       wird ohnehin mit Holzkohle oder Gas.
       
       Ugandas Stromprobleme sind seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner. 2010
       generierte das Land so wenig Strom, dass die Regierung jeden Bezirk nur
       wenige Stunden pro Tag beliefern konnte. Dagegen protestierte 2011 die
       Bevölkerung. Am Nilabfluss aus dem Victoriasee wurden Wasserkraftwerke
       errichtet. Jetzt exportiert Uganda den Überschuss sogar in die
       Nachbarländer. Der Strom fällt trotzdem aus, denn das Netz ist marode.
       
       Im letzten Jahr hat die Regierung deshalb nach 20 Jahren der privaten
       südafrikanischen Stromgesellschaft Umeme die Konzession nicht verlängert.
       Eine staatliche Behörde hat den Vertrieb übernommen, kommt aber mit
       Reparatur- und Wartungsarbeiten nicht hinterher. Wieder sitzen die
       Ugander*innen im Dunkeln. „Damit kann man umgehen“, sagt Babyre und
       zückt ihre mobile Powerbank. Zu Hause nutze sie Solarlampen und habe dort
       immer einige Kanister mit Wasser als Reserve. „Neulich waren aufgrund von
       Straßenarbeiten zwei Wochen die Wasserleitungen gekappt“, seufzt sie. Sie
       habe dann Motorradtaxen mit Kanistern zum Brunnen in der Nähe geschickt.
       
       Doch am vergangenen Samstag kam alles zusammen: Das Internet war bereits
       ausgeschaltet. Morgens war auch das Wasser weg, mittags der Strom. „Das war
       dann selbst für ugandische Verhältnisse sehr hart“, sagt Babyre und
       schmunzelt. In Anbetracht des Klimawandels und zunehmender Konflikte auf
       der Welt, fügt sie hinzu, „müssen wir uns alle auf solche Szenarien viel
       besser vorbereiten“.
       
       25 Jan 2026
       
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