# taz.de -- Kommunalwahlen in Frankreich: Millionär will Bürgermeister in Lyon werden
> Jean-Michel Aulas ist Vizepräsident des französischen Fußballverbandes
> und Millionär. Nun will er in die Politik. Die Chancen stehen gut.
(IMG) Bild: Jean-Michel Aulas will Bürgermeister von Lyon werden
Jean-Michel Aulas wird gerade 77, doch er fühlt sich fit genug, um noch
eine neue Karriere zu beginnen. Er gilt in Lyon bei den [1][Kommunalwahlen]
als Topfavorit. Nach allen Umfragen liegt er mit einem großen Vorsprung vor
seinen Gegnern und sollte die Wahl zum Bürgermeister der französischen
Großstadt spielend schaffen. Laut den letzten Umfragen könnte er es sogar
im ersten Wahldurchgang auf mehr als 50 Prozent schaffen. Dann wäre keine
Stichwahl notwendig. Das wäre eine Demütigung nicht nur für seine Gegner,
sondern ein wenig auch für die Demokratie.
Denn es ist weder sein Programm noch sein Charisma, das die Wähler
beeindruckt. Aulas wird diese Wahl ausschließlich dank seiner Popularität
als Ex-Vorsitzender und Eigentümer des lokalen Fußballklubs Olympique
Lyonnais (OL) gewinnen. Er kann es sich darum leisten, Einladungen zu
Wahldebatten auszuschlagen und andere Wahlkampftermine zu schwänzen. Seine
Konkurrenten, allen voran der bisherige Bürgermeister [2][Grégory Doucet]
von den Grünen (Les Ecologistes), sind wütend und frustriert. Sie sprechen
von einer arroganten „Missachtung der Bürger“.
„Er liebt die Stadt Lyon. Und die Leute sind zufrieden mit seiner
Bekanntheit“, freut sich Véronique Sarselli von der konservativen Partei
Les Républicains (LR), welche die Kandidatur von Aulas unterstützt. Auch
die Macronisten der Partei Renaissance (früher „En marche“) setzen auf
diese erfolgversprechende Trumpfkarte. Dass sich Aulas trotzdem als
unabhängiger Kandidat „sans étiquette“ (ohne Parteizugehörigkeit)
präsentiert, grenzt darum an einen echten Etikettenschwindel.
Jean-Michel Aulas sei in erster Linie ein erfolgreicher Unternehmer und
kein Politiker, das sagt er ständig. Er hat mit seiner Softwarefirma viel
Geld verdient, bevor er ins Fußballgeschäft einstieg. Sein Vermögen wird
auf 450 Millionen Euro geschätzt.
Aulas scheut sich nicht, mit Fake News zu argumentieren, um seine
Unwissenheit – beispielsweise bezüglich der Tarife des öffentlichen
Nahverkehrs – zu überspielen. Zu Beginn seiner Kampagne hatte er noch
kostenlosen ÖPNV versprochen und damit gepunktet. Doch im Programm, das
dann den Medien vorgestellt wurde, fehlte dieser Punkt.
Dafür wird darin unterstrichen, dass die Sportanlagen für 15 Millionen Euro
renoviert würden. Aulas ist im Übrigen immer noch Vizepräsident des
französischen Fußballverbandes FFF. Die Aufforderung des FFF, dieses Amt
nicht in seinem Wahlkampf zu instrumentalisieren, ignoriert er. Er will den
Führungsposten auch nicht aufgeben, wenn er Bürgermeister wird.
Weil Emotionen oft mehr ziehen als sachliche Argumente, ließ er bei seiner
Wahlveranstaltung eine junge Kandidatin seiner Liste auftreten, die ihre
Tochter und ihren Verlobten bei einem Unfall verloren hatte. Sie fuhren mit
einem Roller auf einem Radweg, auf dem auch die Busse verkehren. Für die
tödlichen Gefahren dieser doppelten Nutzung macht sie den grünen
Bürgermeister Doucet verantwortlich. Die Grünen bezichtigt er, dogmatisch
zu sein.
Politisch zugutekommt Aulas der kürzliche [3][Tod eines Rechtsradikalen]
bei einer Schlägerei mit Antifaschisten. Er verurteilt die Gewalt und alle
politischen Extreme von links und rechts, er verspricht, mit 600
zusätzlichen Videoüberwachungskameras für Sicherheit zu sorgen. Damit ist
er im Mainstream: Fast überall ist das Sicherheitsbedürfnis der
Bürger*innen eines der wichtigsten Wahlkampfthemen.
12 Mar 2026
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(DIR) Rudolf Balmer
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