# taz.de -- Wirtschaftsprobleme in Argentinien: Tierische Befindlichkeiten
       
       > Argentiniens Präsident Javier Milei liebt seine Hunde, die er nach
       > liberalen Ökonomen benannt hat. Ansonsten legt er sich mit allen an.
       
 (IMG) Bild: Bellt nur, wenn es drauf ankommt: Pinky aus Buenos Aires
       
       Die Collie-Dame Reina ist die liebste Freundin meiner Hündin Pinky.
       Entsprechend schnell wedeln jetzt beide zur Begrüßung mit dem Schwanz.
       „Bellt Ihre Hündin, wenn Sie den Namen Lula hört?“, fragte mich neulich
       Reinas Frauchen. Ein Journalist, erzählt sie, habe Präsident Javier Milei
       beim Weltwirtschaftsforum in Davos gefragt, ob seine Hunde bellen, wenn sie
       den Namen des brasilianischen Präsidenten hören, oder ob er nicht
       vielleicht sogar einen Lula nennen wolle. Und Milei antwortete grimmig
       Miene: „Niemals würde ich meine Hunde mit dem Namen eines Linken
       beleidigen.“
       
       [1][Milei hat vier englische Mastiffs] und gerade wieder einmal gezeigt,
       wie sehr er seine Hunde liebt. Er ist aus der Präsidentenresidenz in das
       umgebaute alte Zeughaus gezogen, um näher bei seinen „vierbeinigen Kindern“
       (O-Ton Milei) zu sein, die Milton, Murray, Robert und Lucas heißen, nach
       den liberalen Ökonomen Milton Friedman, Murray Rothbard und Robert Lucas.
       
       „In Sachen Freihandel hat Milei aber mehr mit Lula gemeinsam als mit den
       europäischen Rechtsextremen oder US-Präsident Donald Trump“, gebe ich zu
       bedenken. In Davos sei Milei schließlich erst richtig sauer geworden, als
       im Europaparlament das Mercosur-EU-Abkommen mit nur wenigen Stimmen
       Mehrheit [2][zur Überprüfung an den Europäischen Gerichtshof weitergereicht
       wurde].
       
       „Einige der entscheidenden Stimmen kamen von den spanischen Rechtsextremen
       der VOX“, sage ich. „Das stimmt“, meint das Herrchen des Boxer-Rüden aus
       der Parallelstraße, dessen Hund von Reina und Pinky zur Begrüßung
       beschnuppert wird. Schließlich hatte Milei nach der Unterzeichnung des
       Abkommens dessen rasche Ratifizierung angekündigt. Und was den libertären
       Präsidenten immer besonders stört, ist, dass sich seine vermeintlichen
       internationalen Verbündeten stets als überzeugte Protektionisten entpuppen
       und ihn mit seiner Freihandelsrhetorik allein lassen.
       
       „Das ist wahrscheinlich der Grund, warum er sich jetzt mit Paolo Rocca
       anlegt“, meint das Boxer-Herrchen. Paolo Rocca ist nicht nur der
       zweitreichste Mann Argentiniens. Er ist vor allem CEO der Techint-Gruppe.
       Der italienisch-argentinische Mischkonzern ist die tragende Säule der
       argentinischen Industrie und weltweit führend bei nahtlosen Stahlrohren.
       Auch im Bergbau- und Energiesektor sowie im Baugewerbe und im
       Gesundheitsbereich spielt Techint eine wichtige Rolle.
       
       Als „Don Schrotthändler mit den teuren Rohren“ hatte Milei Rocca
       beschimpft. „Diejenigen, die teurere Produkte von geringerer Qualität
       anbieten, verdienen es nicht, vom Markt bevorzugt zu werden, und wenn sie
       dies durch zwielichtige Geschäfte mit dem Staat erzwingen wollen, müssen
       sie verschwinden und in Konkurs gehen“, hatte der Präsident nachgelegt. Es
       geht um den Auftrag über Stahlrohre für eine Pipeline, durch die einmal Gas
       aus dem Fracking-Gebiet Vaca Muerta in Patagonien zu einem Hafen an der
       Atlantikküste strömen soll, [3][wo es dann als Flüssigerdgas auch nach
       Deutschland verschifft] werden soll. Und obwohl es eine geschäftliche
       Angelegenheit privater Unternehmen ist, verkündete Javier Mileis
       Deregulierungsminister Federico Sturzenegger in aller Öffentlichkeit, dass
       Techint mit seinem Angebot 40 Prozent über dem des indischen Unternehmen
       Welspun liege, weshalb der Auftrag nach Indien gehe.
       
       Bisher hatte Techint jeden Auftrag für den Pipeline-Bau in Argentinien
       bekommen. „Jetzt ist Schluss mit den jahrzehntelangen Mauscheleien
       nationaler Unternehmen und den jeweiligen Regierungen“, meint dazu das
       Herrchen von dem Boxer-Rüden aus der Parallelstraße. Reinas Frauchen zeigt
       sich dagegen nachdenklich. „Wir kaufen billige Stahlrohre in Indien, und
       gleichzeitig hat Trump einen Zoll von 20 Prozent auf argentinische
       Stahlrohre verhängt. Das kann auf Dauer nicht gutgehen“, sagte sie. Und
       jetzt haben unsere Hunde genug und ziehen uns an den Leinen auseinander.
       
       14 Feb 2026
       
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