# taz.de -- Streit um Tod eines Ultrarechten: Paris verwahrt sich gegen Einmischung der „reaktionären Internationalen“
       
       > Die französische Regierung will US-Botschafter Kushner einbestellen,
       > nachdem die US-Regierung Frankreich für gewaltbereiten Linksextremismus
       > kritisiert hatte.
       
 (IMG) Bild: Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot will keine Ratschläge der Trump-Administration
       
       afp | Wegen US-Äußerungen zum gewaltsamen Tod eines ultrarechten Aktivisten
       in Lyon will die französische Regierung den Botschafter der Vereinigten
       Staaten im Land einbestellen. Botschafter [1][Charles Kushner] werde wegen
       eines „Kommentars“ der Botschaft in Paris zu „diesem Drama“ einbestellt,
       sagte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot am Sonntag gegenüber
       französischen Medien.
       
       „Wir lehnen jede Instrumentalisierung dieses Dramas (…) zu politischen
       Zwecken ab“, sagte der Minister. Barrot betonte zudem, Frankreich müsse
       sich keinerlei „Lektionen“ zum Thema Gewalt gefallen lassen – insbesondere
       nicht von der „reaktionären Internationalen“.
       
       ## US-Außenministerium sieht „Bedrohung der öffentlichen Sicherheit“
       
       Das US-Außenministerium hatte nach dem [2][Tod des 23-jährigen
       Rechtsextremen Quentin Deranque bei einem Angriff] von Linksextremen in
       Lyon erklärt, gewaltbereiter Linksextremismus nehme in Frankreich zu und
       stelle eine „Bedrohung der öffentlichen Sicherheit“ dar. Die
       Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die US-Botschaft
       in Frankreich verbreitete diese Erklärung weiter.
       
       Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, Gewalttaten
       aus dem linksextremen Spektrum hervorzuheben – und sie als größeres Problem
       als rechtsextrem motivierte Gewalt darzustellen.
       
       Die französische Regierung hatte Botschafter Kushner – den Vater von Trumps
       Schwiegersohn Jared Kushner – bereits im vergangenen Sommer einbestellt.
       Der Botschafter hatte Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zuvor einen
       „unzureichenden“ Einsatz gegen Antisemitismus vorgeworfen.
       
       ## Tausende marschieren im Gedenken an ultrarechten Aktivisten durch Lyon
       
       Tausende Menschen sind in Lyon im Gedenken an den bei einer Schlägerei mit
       Linksextremen getöteten ultrarechten Aktivisten Quentin Deranque durch die
       Stadt marschiert. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot zogen am
       Samstag nach Behördenangaben rund 3.200 Menschen durch die Großstadt im
       Südosten Frankreichs. Viele Demonstranten hatten ihre Gesichter vermummt,
       nach Behördenangaben zeigten mindestens zwei Teilnehmer den Hitlergruß.
       
       Mehrere rechtsextreme und erzkatholische Gruppen hatten zu dem Gedenkmarsch
       für Deranque aufgerufen. Die Demonstranten trugen Schilder mit Deranques
       Porträt, riefen „Gerechtigkeit für Quentin“ und bezeichneten die linke
       Antifa als „Mörder“. „Wir sind hier, um Quentin zu würdigen, einen
       nationalistischen Aktivisten, der vom Antifa-Gesindel ermordet wurde“,
       sagte ein 24-jähriger Anhänger der Identitären Bewegung am Rande des
       Gedenkmarschs der Nachrichtenagentur AFP.
       
       Der 23-jährige Deranque war vor einer Woche gestorben, nachdem er bei
       Auseinandersetzungen zwischen Rechts- und Linksextremen in Lyon schwer am
       Kopf verletzt worden war. Die Justiz ermittelt gegen sechs Verdächtige
       wegen Totschlags. Gegen einen parlamentarischen Mitarbeiter des
       linkspopulistischen Abgeordneten Raphaël Arnault von [3][La France
       Insoumise] wird wegen Beihilfe ermittelt. Der Fall sorgt kurz vor den
       Kommunalwahlen im März für Unruhe in allen politischen Lagern.
       
       ## Keine Zusammenstöße mit Gegendemonstranten
       
       Auch Gegendemonstranten gingen in Lyon auf die Straße, gewaltsame
       Zusammenstöße blieben aber aus. Eine Anwohnerin äußerte sich sehr besorgt
       über den Aufmarsch der Rechten. „Zu wissen, dass in Lyon faschistische
       Gruppen demonstrieren, macht mir Angst“, sagte sie. Es beruhige sie aber,
       dass es nicht viele Teilnehmer gegeben habe.
       
       Nach Angaben der Präfektur gab es lediglich eine Festnahme wegen
       unerlaubten Mitführens von Waffen – eines Messers und eines Hammers.
       Mindestens zwei Demonstrationsteilnehmer zeigten den Angaben zufolge den
       Hitlergruß, auch habe es rassistische und homophobe Beleidigungen gegeben.
       Die Präfektur kündigte juristische Schritte an.
       
       Zu dem Marsch waren laut Innenministerium Teilnehmer aus ganz Frankreich
       und anderen europäischen Ländern erwartet worden. Die Behörden hatten
       gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der extremen Rechten und
       Linken befürchtet. Die Familie des Getöteten nahm an der Demonstration
       nicht teil und rief dazu auf, auf politische Kundgebungen zu verzichten.
       Lyons Bürgermeister Grégory Doucet von den Grünen hatte sich vergeblich für
       ein Verbot des Marsches eingesetzt.
       
       Innenminister Laurent Nuñez und die Präfektur des Départements Rhône
       erklärten aber, sie hätten das Risiko von Gewalttaten und „Störungen der
       öffentlichen Ordnung“ gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung abgewogen
       und daraufhin grünes Licht erteilt.
       
       ## Macron contra Meloni
       
       Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte vor der Kundgebung alle Seiten
       zur „Ruhe“ aufgerufen und betont, es gebe „keinen Platz für Milizen“, egal
       von welcher Seite des politischen Spektrums. Der Präsident kündigte für
       Dienstag eine Kabinettssitzung an, bei der über gewalttätige Gruppen mit
       Verbindungen zu politischen Parteien diskutiert werden soll.
       
       Der Fall hatte auch zu Verstimmungen zwischen Macron und der italienischen
       Regierungschefin Giorgia Meloni geführt. Meloni hatte erklärt, der Tod des
       23-Jährigen sei „eine Wunde für Europa“. Macron warf ihr daraufhin indirekt
       unerwünschte Einmischung vor.
       
       22 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       haben.