# taz.de -- Die CDU gegen das gute Leben: Wie man lernt, nach oben zu treten
       
       > Die Attacken der CDU gegen die lohnabhängige Klasse werden immer
       > unverhohlener. Dagegen braucht es eine neue Erzählung der Solidarität.
       
 (IMG) Bild: Die Proteste zum „heißen Herbst“, hier in Halle, waren nicht riesig
       
       Man nimmt sie so hin, die Angriffe auf das eigene Leben. Irgendwie arbeitet
       man auch zu viel, um sich noch darüber aufzuregen. Über die [1][Friedrich
       Merzens dieser Welt, die wollen, dass alle mehr arbeiten,] viel mehr. Die
       wollen, dass arme Menschen wieder mit faulen Zähnen herumlaufen müssen. Die
       wollen, dass wir möglichst bis zum Tod weiterarbeiten, während Banken und
       Konzerne mit unseren Rentenbeiträgen Profite erwirtschaften.
       
       Es ist alles so transparent geworden, so radikal ehrlich. Das offizielle
       Politikprogramm der in der Wirtschaftsunion repräsentierten ökonomischen
       Elite fordert inzwischen offen die Intensivierung der Ausbeutung: die
       Verschlechterung des Lebens für viele – höhere Profite für wenige. Als
       letzten Krümel, als letztes Identifikationsangebot wird nur noch die
       neoliberale Leistungsmoral geboten: [2][Der Hass auf die Faulen, die
       Kranken und alle, die anders aussehen als man selbst].
       
       So eine Politik erzieht Menschen zu faschistischen Subjekten. Das macht das
       alles so haarsträubend dumm, dass am Ende nicht einmal die CDU von ihren
       Angriffen auf das Leben der Menschen profitieren wird. Man kommt eben doch
       nicht damit durch, den Leuten alles wegzunehmen und ihnen zu sagen, das sei
       für sie das Beste. Das haben die restvernünftigen Teile der CDU auch
       erkannt, weshalb sie versuchen, die immer neuen Vorstöße der neoliberalen
       Parteirechten einzuhegen.
       
       Selbst aber wenn alles am Ende nur halb so schlimm kommt – was bleiben
       wird: dass den Menschen abermals eingehämmert wurde, dass in der
       ungerechten Gesellschaft ihre einzige Chance darin besteht, sich als
       besonders unterwürfiger Diener zu positionieren, besonders enthusiastisch
       die Unteren zu hassen und die Hierarchie zu leben. Und wer so zu denken
       beginnt, wählt natürlich diejenigen, die dieses Angebot am konsequentesten
       ausbreiten: die Faschist:innen.
       
       ## Bundeswehrbögen zerreißen
       
       So weit, so schlecht. Nur: Warum ist der Widerstand gegen diese Entwicklung
       bisher so leise? Man muss ein regelrechter Politiknerd sein, um überhaupt
       die Proteststatements der Gewerkschaften, der linken Parteien und der
       Sozialverbände zu kennen. Auf der Straße findet der Widerstand bisher gar
       nicht statt. Und auch die radikale Linke tut sich nicht damit hervor, das
       Thema offensiv herauszutragen.
       
       Was hier nachhallt, sind die [3][ernüchternden Erfahrungen mit dem „heißen
       Herbst“], den Linke vor ein paar Jahren mal auf die Beine stellen wollten –
       was krachend gescheitert ist. Damals lautete die Problemanalyse, dass eine
       grundsätzlich verbreitete Entrüstung zur Protestmobilisierung alleine nicht
       ausreicht. Man muss als Linke auch eine Glaubwürdigkeit besitzen, die Dinge
       tatsächlich verändern zu können. Genau das mangelt der Linken aber heute,
       weil es in Deutschland zu wenige Erfolgserfahrungen damit gibt, im
       Klassenkampf in die Konfrontation zu gehen. Was wiederum daran liegt, dass
       Gewerkschaften dies bisher noch sehr zaghaft versuchen.
       
       Umso wichtiger ist es, dort Solidarität zu zeigen, wo bereits versucht
       wird, tatsächliche Verbesserungen zu erkämpfen: Etwa bei [4][den
       Beschäftigten der BVG, die auch für eine 35-Stunde-Woche kämpfen]. Und auch
       sonst muss es nicht immer gleich die Massenmobilisierung sein.
       
       Dieser Tage flattern bei vielen Jugendlichen die ersten Musterungsbögen der
       Bundeswehr ein. Im Internet verbreiten linke Gruppen Videos davon, wie
       diese verbrannt werden. Auch so kann von Solidarität erzählt werden – von
       einer, die sich gegen die Ausbeuter:innen richtet, die das Leben in
       Kasernen, Bürotürmen und Fabriken ausquetschen wollen.
       
       9 Feb 2026
       
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