# taz.de -- Kaputte Medaillen bei Olympia: Das Ende der Legende
> Bei den Winterspielen gehen reihenweise die Medaillen kaputt. Ein Hinweis
> auf die Vergänglichkeit olympischen Ruhms.
(IMG) Bild: Noch intakt, muss man gut drauf aufpassen: olympische Goldmedaille 2026
Wer dem Gedöns folgt, das wichtigwichtige Funktionäre machen, glaubt zu
wissen: Olympiasieger und -siegerin ist man für die Ewigkeit. Während es
jede Menge Ex-Weltmeister und Ex-Europameisterinnen gibt, kann der Titel,
den Sportler und Sportlerinnen mit dem Sieg bei Olympischen Spielen
erreichen, nie vergehen. Und die Medaille kann einem niemand nehmen.
Es sei denn, das blöde Ding geht kaputt.
[1][Breezy Johnson] aus den USA hat in Cortina die olympische Abfahrt
gewonnen, doch ihre Goldmedaille hat bereits einen Riss. Von dem Band, an
dem sie baumelte, war sie abgefallen. Putt. Ebba Andersson aus Schweden
holte im Skiathlon Silber, und nach der Siegerehrung zerbrach die Plakette.
Schrott. Und der deutsche [2][Biathlet] Justus Strelow versuchte, mit
seiner Bronzemedaille zu feiern. Prompt fiel auch ihm das dumme Ding hin,
er konnte es aber reparieren. Her mit dem Sekundenkleber!
Fürs erste Wochenende der Winterspiele ist das schon eine recht peinliche
Bilanz des angeblich ewigen olympischen Ruhms. Zugleich ist es vielleicht
ein kleiner Fingerzeig, dass das Gedöns mit der Ewigkeit wohl doch nicht so
stimmt.
## ROC – Das Russische Olympische Komitee
Ein kleiner Test zur Überprüfung. Wer hat denn, sagen wir, 2022 in Peking
das Bronze in der Mixed-Staffel im Biathlon gewonnen? Also etwa das,
worüber Justus Strelow feiern wollte? ROC war's, zwei Männer und zwei
Frauen, die nicht für Russland, sondern fürs Russische Olympische Komitee
antraten. Ewiger Ruhm dürfte etwas anderes sein.
Wenn man genau hinschaut, wird das mit Olympismus immer schräger. Eine
olympische [3][Goldmedaille] enthält 500 Gramm Feinsilber, genauso wie eine
olympische Silbermedaille. Der Unterschied ist einzig, dass die Medaille
mit einer Goldauflage, einer dicken Vergoldung, versehen wird. Etwas mehr
als 1 (ein!) Prozent Gold ist also in der Goldmedaille. Na, vielen Dank
auch.
## Schinden für 1.808 Euro
Eine Kurzrecherche, wie viel der Metallpflatsch denn erbringt, wenn man das
ganze ideologische Getue abzieht, ergibt den Tageswert von 1.808 Euro für
Gold und 1.010 Euro für Silber. Dafür haben sich Athleten und Athletinnen
vier Jahre lang geschunden?
Um die Ernüchterung komplett zu machen, seien noch die Daten für die
Medaille nachgereicht, die die Drittplatzierten umgehängt kriegen – sofern
das Band hält. Die hat gerade mal eine Kupferlegierung, ihr Materialwert
liegt bei 4 Euro.
Da wird einem auch klar, wofür dieses Gedöns, diese „[4][Religio Athletae]“
erfunden wurde. Um davon abzulenken, dass man sich von einem Olympiasieg
nix kaufen kann.
9 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Lindsey-Vonn-stuerzt-bei-Abfahrt/!6152458
(DIR) [2] /Biathlon/!t5024037
(DIR) [3] /Goldmedaille/!t5046391
(DIR) [4] /O-Sport-du-bist-die-Schoenheit/!1212656/
## AUTOREN
(DIR) Martin Krauss
## TAGS
(DIR) Kolumne spirito olimpico
(DIR) Olympische Winterspiele 2026
(DIR) Goldmedaille
(DIR) Internationales Olympisches Komitee
(DIR) Olympischer Sport
(DIR) Olympische Winterspiele 2026
(DIR) Olympische Winterspiele 2026
(DIR) Olympische Winterspiele 2026
(DIR) Olympische Winterspiele 2026
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Russe wird Vierter im Skiathlon: Irgendwie und halbwegs neutral
Saweli Korosteljow ist Russe und Vierter im Skiathlon. Dass er eigentlich
Bronze hätte bekommen müssen, soll nicht auffallen. Denn er ist
Sportsoldat.
(DIR) Im Auftrag Gottes bei Olympia: Ganz sicherer Pin
Bei den Olympischen Spielen sind sehr viele mit einer Akkreditierung und
ganz eigenen Mission unterwegs. Unterwegs mit einem Bibelversteher.
(DIR) Eisschnelllaufgold über 3.000 Meter: Die Goldmutter
Francesca Lollobrigida trotzt den Umständen und holt das erste Gold für
Italien – im Eisschnelllauf. Im Anschluss feiert sie mit ihrem zweijährigen
Sohn.
(DIR) Maskottchen bei Olympia 2026: Die Kraft der Schönheit und des Schwanzes
Tina und Milo, die Maskottchen der Winterspiele, beeindrucken durch
Vielseitigkeit. Sie verkörpern den olympischen Geist und den Zeitgeist
zugleich.