# taz.de -- Trendsport Curling: Schach auf Eis, aber mit Besen
       
       > Zu Unrecht verspottet: Curling erfordert Intelligenz, Teamgeist und mehr.
       > Die Sportlerinnen und Sportler verdienen mehr Beachtung. Und mehr Geld.
       
 (IMG) Bild: Wer hat hier den Besen? Team Italien mit Amos Mosaner und Stefania Constantini
       
       Wintersport ist für manche eh schon so eine Sache, aber Curling, diese
       amerikanische Version des Eisstockschießens, also dieses Boccia mit Besen
       auf Eis, ist noch mal ’ne besondere Nummer. Oder anders und von uns aus
       besser formuliert: Es gibt kaum eine Wintersportart, die ähnlich
       verleumdet, unterschätzt, verächtlich gemacht wird wie Curling. Und das
       völlig grundlos.
       
       Denn man könnte statt den lahmen Vergleichen oben auch einen
       Schach-Vergleich anstellen, denn in wohl keiner anderen Sportart, die auf
       Eis stattfindet, muss dermaßen viel nachgedacht werden wie beim Curling.
       Taktik und Kombinationsdenken, Vorausschau und Verhinderung, das wären die
       Stichworte. Und doch bringt das Curling noch weitere Anforderungen mit:
       Geduld, Einfühlsamkeit und [1][Sinn für Mathematik]. Auch Balance –
       Curlende tragen keine Schlittschuhe, sondern Spezialfußbekleidung. Ein
       Curlingschuh hat nämlich zwei verschiedene Sohlen – eine glatte zum Sliden,
       eine raue zum Abstoßen. Wie cool ist das denn?
       
       Aber das wäre noch längst nicht alles. Athletik ist ebenfalls vonnöten –
       gerade die Abstoßbewegung erfordert Präzision und Körperbeherrschung, das
       Wischen erfordert sehr viel Kraft und Ausdauer.
       
       Das Schönste aber ist, dass Curling eine Teamsportart der besonderen Art
       ist. Das Team muss sich permanent neu abstimmen – Kommunikation ist hier
       das A und O. Ähnlich wie bei anderen TV-Sportarten, deren Feinheiten sich
       nicht sofort erschließen (Darts, Snooker, auch Kricket oder Baseball
       könnten dazu zählen), muss man sich vielleicht erst mal darauf einlassen,
       eine Weile zuschauen, um das Spiel zu verstehen und dann umso mehr genießen
       zu können.
       
       ## Selbst ist der Skip
       
       So viel zur groben Einführung. In Cortina d’Ampezzo hat der olympische
       Wettbewerb bereits früh begonnen; tatsächlich ist Curling wie Eishockey an
       jedem einzelnen Tag im Programm. Begonnen hat es [2][mit dem
       Mixed-Wettbewerb], der ferner die Besonderheit hat, nur 2 SpielerInnen pro
       Team aufzufahren: eine Frau, ein Mann. Hier ist niemand nur Wischer, hier
       wischt der „Skip“ (die Kapitänin/der Kapitän) noch selbst.
       
       Deutschland, immerhin [3][2024 Europameister] bei den Herren, stellt leider
       kein Team im Mixed, die Quali wurde verpasst. Die Favoriten kommen aus
       Großbritannien und Italien – die Briten dominierten die Vorrunde deutlich,
       schlugen auch Italien mit 9:6. Die Gastgebenden schwächeln ein wenig, sie
       kassierten ganze 3 Niederlagen (Großbritannien nur eine), haben sich
       allerdings ebenso wie die von der Insel fürs Halbfinale qualifiziert.
       
       Ausgeschieden ist hingegen die Schweiz, und zwar unter Tränen. Auch
       Südkorea, das beim Auftakt von den Schiedsrichtern benachteiligt wurde –
       sie hatten sich schlicht verrechnet –, muss fortan zusehen. Neben
       Großbritannien und Italien schafften es Schweden und die USA ins
       Halbfinale. Das Finale findet am Dienstag ab 18 Uhr statt.
       
       ## Geschlechtertrennung
       
       Mittwoch werden die Geschlechter wieder getrennt, Damen und Herren spielen
       dann wiederum ihre Vorrunden. Die Finals steigen tatsächlich erst mit Ende
       der Spiele – am Samstag, 21. Februar, curlen die Herren, am Sonntag, 22.
       Februar, die Damen. Auch deren Spiele laufen ohne deutsche Beteiligung.
       
       Im Gegensatz zu manch anderem Trendsport ist Curling eine recht
       selbstausbeuterische Angelegenheit; am besten, man übt neben dem Sport noch
       einen „Brotberuf“ aus – SportlerInnen der zweiten oder dritten Reihe sind
       die [4][Bohemiens dieser Zeiten]. Bei der EM in Finnland 2024 gab es für
       die Sieger den „symbolischen“ Preis von 9 Käsen (kein Witz). Fürs
       olympische Gold hat die deutsche Sporthilfe immerhin mehr ausgelobt – von
       30.000 Euro ist die Rede.
       
       Aber Gold muss man auch erst mal holen. Bislang gingen die Deutschen bei
       Olympia in Sachen Curling nämlich immer leer aus.
       
       9 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.eurosport.de/curling/olympia-mailand-cortina/2026/olympia-2026-curling-verwirrung-bei-schweden-gegen-suedkoreaner-rechenfehler-der-schiedsrichter-fuehrt-zur-niederlage_vid60052430/video.shtml
 (DIR) [2] https://www.olympics.com/de/milano-cortina-2026/schedule/cur
 (DIR) [3] /Curling-EM-in-Finnland/!6048236
 (DIR) [4] https://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/sonstige_Publikationen_Ratgeber/Breuer_Wickert_Sportoekonomische_Analyse.pdf?__blob=publicationFile&v=1#:~:text=Das%20durchschnittliche%20monatliche%20Einkommen,%20von,m%C3%BCssen,%20liegt%20bei%20626%20%E2%82%AC.
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) René Hamann
       
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