# taz.de -- Maskottchen bei Olympia 2026: Die Kraft der Schönheit und des Schwanzes
       
       > Tina und Milo, die Maskottchen der Winterspiele, beeindrucken durch
       > Vielseitigkeit. Sie verkörpern den olympischen Geist und den Zeitgeist
       > zugleich.
       
 (IMG) Bild: Sie können nicht anders: Den Olympiamaskottchen Tina (l.) und Milo ist das Lächeln angeboren
       
       Zu Beginn dieser Winterspiele in Norditalien empfiehlt es sich, einen
       genaueren Blick auf [1][die beiden Maskottchen Tina und Milo] zu werfen.
       Denn wie das Internationale Olympische Komitee wissen lässt, haben
       Maskottchen seit 1968 die Aufgabe, dem olympischen Geist konkrete Gestalt
       zu geben. Und diesem Geist fühlt sich diese Kolumnenreihe besonders
       verpflichtet.
       
       Bei der Premiere damals im französischen Grenoble ist das nur leidlich
       geglückt. „Shuss“, wie die neue Kreation genannt wurde, hatte einen
       überdimensional großen, runden Kopf, dazu einen sehr länglichen, dünnen
       Körper ohne Arme. Name und Aussehen führten schnell dazu, dass „Shuss“ in
       aller Öffentlichkeit als „skifahrendes Spermium“ verspottet wurde.
       Fairerweise muss erwähnt werden, dass in der IOC-Geschichtsschreibung
       dieser Shuss noch als inoffizieller Olympiamitarbeiter gelistet wird.
       Erstes offizielles und dann schnell sehr [2][beliebtes Maskottchen ist der
       Dackel Waldi], der im Jahr 1972 in München die Welt erblickte. Das
       „skifahrende Spermium“ kann jedoch zumindest als sein Geburtshelfer
       bezeichnet werden.
       
       Maskottchen kamen und gingen und wie Shuss wurden sie meist männlich
       gelesen. Das erste Maskottchenpärchen, Hidy und Howdy, trat 1988 in Calgary
       auf. Und seit sich das IOC Geschlechterparität auf die Fahnen geschrieben
       hat, ist natürlich auch die olympische Maskottchenwelt deutlich weiblicher
       geworden.
       
       Doch wes Geistes Kind sind nun Tina und Milo? So einfach anzusehen ist das
       den beiden Hermelinen aus 100 Prozent Polyester nicht. Weil die
       Veranstalter der Olympischen Spiele um diesen Missstand wissen, haben sie
       den beiden Charaktereigenschaften und Lebensläufe angedichtet.
       
       ## Ein recht unbeweglicher Geist
       
       Tina, die für die aktuell beginnenden Winterspiele im Großeinsatz ist, so
       erfährt man auf der Olympia-Website, „liebt Kunst und Musik und glaubt an
       die Kraft der Schönheit“. Ihr Bruder Milo dagegen, der bei den
       paralympischen Winterspielen herumwieselt und ohne Pfote geboren wurde, hat
       gelernt „seinen Schwanz zu nutzen und seine Besonderheit in eine echte
       Stärke zu verwandeln“.
       
       Die Kraft der Schönheit auf der einen Seite und die Kraft des Schwanzes auf
       der anderen. [3][Der olympische Geist von Mailand und Cortina d'Ampezzo]
       hinterlässt vorab einen nicht sonderlich beweglichen Eindruck. Aber diese
       Stofftiere müssen ja auch möglichst zahlreich verkauft werden.
       
       Und auf ihren Schultern lastet zudem eine weitere Aufgabe. „Sie stehen für
       einen zeitgemäßen, lebendigen und dynamischen italienischen Geist“, heißt
       es ebenfalls auf der Olympia-Website.
       
       Ausnahmsweise könnte das einmal zu bescheiden formuliert sein. Es ist gut
       möglich, dass Milo und Tina den Zeitgeist verkörpern. Und den stalkt der
       olympische Geist bekanntermaßen schon lange.
       
       7 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.olympics.com/de/milano-cortina-2026/marke/maskottchen
 (DIR) [2] /Historische-Olympia-Maskottchen/!5809404
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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