# taz.de -- Linke stellt Vermögensteuerkonzept vor: Hohe Einnahmen möglich
> Bis zu 147 Milliarden Euro jährlich könnte eine Steuer auf Kapital
> erbringen, wie die Linke sie vorschlägt. Ein Ökonom hat das für sie
> durchgerechnet.
(IMG) Bild: Ines Schwerdtner, Linken-Bundesvorsitzende: Eine Vermögensteuer sei kein Zauberwerk
Über solch große Beträge würden sich die Finanzminister:innen der
Länder freuen. Viele Schulen ließen sich damit errichten, Kitas renovieren,
Straßenbahnlinien ausbauen. Denn bis zu 147 Milliarden Euro pro Jahr
zusätzlicher Einnahmen erbrächte die neue Vermögensteuer, die die
Linkspartei durchsetzen will.
„Eine Vermögensteuer ist ökonomisch sinnvoll“, sagte die Linken-Vorsitzende
Ines Schwerdtner am Freitag in Berlin. Aber sie sei „vor allem auch für die
Demokratie wichtig“. Die Menschen hätten „ein Recht auf diese
Umverteilung“. Die Reichen müssten „endlich das zurückgeben, was sie von
der harten Arbeit der Menschen in diesem Land bekommen haben“. Deswegen
fordere die Linke die Reaktivierung der Vermögensteuer.
Diese Idee steht schon in ihrem Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2025.
Doch nun hat die Partei sich das Konzept vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) durchrechnen lassen. In ihrem am Freitag
vorgestellten Gutachten sparen DIW-Ökonom Stefan Bach und seine Kollegen
allerdings nicht mit kritischen Anmerkungen.
Seit 1996 wird die Vermögensteuer hierzulande nicht mehr erhoben. Jüngst
aber kommt die Debatte über höhere Steuern auf Kapital wieder in Gang, weil
die Vermögen der sehr Reichen eklatant wachsen. Beispielsweise hat die SPD
kürzlich ein [1][Konzept für die Erbschaftsteuer] präsentiert, mit dem sie
unter anderem große Firmen-Erbschaften stärker heranziehen will. [2][Eine
konkrete Initiative zur Umsetzung gibt es von ihr allerdings nicht].
## 12 Prozent Vermögensteuer ab einer Milliarde Kapital
Während die Sozialdemokrat:innen sich immerhin [3][in ihrem
Bundestagswahlprogramm] auch dafür ausgesprochen haben, die ausgesetzte
Vermögensteuer „für sehr hohe Vermögen revitalisieren“ zu wollen, will die
Führung der Union sie jedoch auf keinen Fall. Deshalb ist die Chance auf
ihre Wiedereinführung in dieser Wahlperiode äußerst gering. Für die Linke
geht es also darum, die öffentliche Debatte zu befeuern und sich als
Gerechtigkeitspartei zu positionieren.
Ihre Partei gehe auch deswegen mit einem sehr konkreten Vorschlag in die
politische Debatte, weil immer so getan werde, als wäre „das alles nicht
möglich und nicht realistisch“, sagte Schwerdtner. Doch das sei falsch. Die
Vermögensteuer stehe im Grundgesetz und wäre mit einfacher Mehrheit wieder
zu reaktivieren. „Das ist kein Zauberwerk, das ist ohne Weiteres
umzusetzen“, so Schwerdtner.
In seinem Gutachten überprüft DIW-Forscher Bach nun verschiedene Varianten
der Linken-Idee auf ihre Wirkungen. Die Eckpunkte des Konzepts sehen so
aus: Die Linke will eine jährliche Steuer auf hohe persönliche
Nettovermögen erheben. Diese soll sämtliche Immobilien-, Unternehmens- und
Finanzvermögen sowie Luxusgüter erfassen. Die Freibeträge könnten 1 Million
Euro für privates und 5 Millionen Euro für Firmenkapital betragen. Der
Basissteuersatz läge bei 1 Prozent und stiege auf 5 Prozent bei 50
Millionen Euro an. Ab 1 Milliarde Euro soll die Belastung 12 Prozent
betragen.
Die potenziellen Einnahmen erreichten bis zu 147 Milliarden Euro pro Jahr,
hat Bach errechnet. Diese kämen den Bundesländern und Kommunen zugute, weil
die Vermögensteuer traditionell eine Ländersteuer ist. Bezahlen würde das
vor allem das 1 Prozent der Bevölkerung mit den höchsten Rücklagen –
Multimillionär:innen und Milliardär:innen. Beließe man es bei einem
Steuersatz von 1 Prozent oberhalb der Freibeträge, kämen immer noch 42
Milliarden Euro jährliche Mehreinnahmen des Staates zusammen.
## „Gesamtgesellschaftlich dringend geboten“
Laut Bachs Einschätzung sind das aber nur theoretische Werte. Denn die
Kapitalbesitzer:innen würden reagieren. „Berücksichtigt man mögliche
Anpassungsreaktionen wie Steuergestaltungen und Investitionszurückhaltung
bis zur Verlagerung von Vermögen oder Abwanderung ins Ausland, kann sich
das potenzielle Vermögensteueraufkommen deutlich reduzieren“, schreibt der
DIW-Ökonom. Er rechnet mit einem Verlust von etwa einem Drittel, wodurch
noch ungefähr 100 Milliarden Euro übrigblieben. Fallen die Reaktionen
stärker aus, könnten aber auch bis zu 80 Prozent verloren gehen.
Begrenzen ließen sich die Verluste Bach zufolge zwar durch eine wirksamere
Politik gegen Steuergestaltungen. Dennoch schreibt er: „Kurz- und
mittelfristig drohen bei einer so hohen Vermögensteuer erhebliche
Belastungen für Standortattraktivität, Investitionen und Innovationskraft
der Wirtschaft, zumal vor dem Hintergrund der aktuellen
gesamtwirtschaftlichen Stagnation und der Krise des deutschen
Industrie-Export-Modells.“
Mit anderen Worten: Wenn die Reichen deutlich weniger Gewinn machen,
investieren sie weniger Mittel in Forschung und neue Produkte, was sich
auch negativ auf die Beschäftigung auswirken kann. „Daher sollte eine
Vermögensteuer nur schrittweise und möglichst international koordiniert
eingeführt werden“, so Bach.
Das ist ein weiterer kritischer Punkt. Denn die meisten mit Deutschland
vergleichbaren Staaten erheben heute keine Vermögensteuer mehr.
Beispielsweise Großbritannien, Frankreich und Kanada erzielen dagegen hohe
Einnahmen mittels der Grundsteuer auf Immobilien.
Diese Gegenargumente stören die Linken erst mal nicht. „Die
Wiedereinführung der Vermögensteuer wäre keine ungerechte Mehrbelastung,
sondern der faire Beitrag derjenigen, die ganz besonders von dieser
Gesellschaft profitieren“, schreiben Heidi Reichinnek und Sören Pellmann,
die Fraktionsspitze der Linken, im Vorwort der Untersuchung.
„Gesamtgesellschaftlich ist es daher dringend geboten, sowohl die
Vermögensunterschiede zu reduzieren, als auch eine deutliche Erhöhung der
Bildungsausgaben zu ermöglichen, um die Chancen von Kindern aus ärmeren
Haushalten zu verbessern.“
6 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
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