# taz.de -- EU plant Lockerungen bei Emissionshandel: Der Markt regelt's nicht
> Ökonomen schwärmten immer vom Emissionshandel als kapitalismusfreundliche
> Lösung für den Klimawandel. Nun ist klar: Das hat nicht funktioniert.
(IMG) Bild: Die Zertifikate sind heute zehnmal teurer als vor zehn Jahren
Stell dir vor, es gibt ein Klimaschutzinstrument, das wirklich
funktioniert: der Europäische Emissionshandel ETS. Wer die Atmosphäre mit
Treibhausgasen belasten will, braucht dafür einen Berechtigungsschein, ein
„Zertifikat“. Das macht klimaschädliche Technologien teurer, Investitionen
in treibhausgasarme attraktiv und lenkt so die Wirtschaft in eine
klimafreundliche Richtung. Der Markt [1][wird zum Klimaschutzmotor], so
schwärmten die klassischen Ökonomen, schließlich könne der ETS beweisen,
dass der Kapitalismus doch in der Lage ist, auf Zukunftsbedrohungen zu
reagieren.
Dummerweise funktionierte das nicht. Vor mehr als 20 Jahren von der EU
eingeführt, rüttelten die Lobbyisten so lange am System, bis es löchrig war
wie ein Teesieb. 15 Jahre lang dümpelte der Preis im Keller; erst als die
„Kinderkrankheiten“ analysiert und behoben wurden, begann das Instrument zu
wirken: Der Berechtigungsschein ist heute zehnmal teurer als vor zehn
Jahren.
Natürlich ruft das all jene Konzerne auf den Plan, die Klimaschutz für
etwas hielten, mit dem sich ein Abteilungsleiter beschäftigen durfte:
Plötzlich entstehen hohe Millionenbeträge, die das eigene Produkt
unattraktiver machen. Statt jetzt die Marktkraft des Kapitalismus zu loben,
lobbyieren solche Firmen in Brüssel, um den [2][ETS wieder sturmreif zu
schießen]. Offensichtlich mit Erfolg, wie bekannt gewordene Pläne zum
Aufweichen der Regeln zeigen.
Wenn die EU ihren Emissionshandel tatsächlich aufweicht, würden jene
Unternehmen dumm dastehen, die auf das System vertraut haben und in
Erwartung steigender CO₂-Preise viel Geld in moderne, klimaschonende
Anlagen investiert haben. Dumm dastehen würden auch die Bürger der EU:
Erstens nämlich sind die Einnahmen aus dem ETS zweckgebunden,
beispielsweise um den Klimaschutz sozialverträglich abzufedern. Zweitens
gerät das Klimaziel der EU beim Aufweichen des Systems in weite Ferne.
Vor allem dumm dastehen aber würde der Kapitalismus: Wenn die EU die
Spielregeln ändert, reagiert der Markt eben nicht auf ein Problem der
Zukunft, sondern auf die kurzfristigen Profitinteressen jener Konzerne, die
Klimaschutz immer noch für Luxus halten.
5 Feb 2026
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(DIR) Nick Reimer
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