# taz.de -- Ungewöhnlicher Aktivist: Der Anwalt für marktbasierten Klimaschutz
       
       > Mathis Bönte verteidigte als Rechtsanwalt die Letzte Generation und warb
       > in der FDP für Klimaschutz nach den Regeln der Partei. Wie war das?
       
 (IMG) Bild: So einen wollte die FDP vor die Tür setzen: Mathias Bönte als Anwalt vor Gericht
       
       Wie ein Störenfried sieht Mathis Bönte eigentlich nicht aus: blonde kurze
       Haare, freundliches Lächeln, gebügeltes weißes Hemd. Doch der Münsteraner
       Anwalt stört die Gerichte, stört in seinem Freundeskreis, auch in der FDP
       hat er gestört. „Eigentlich bin ich eher ruhig, und es ist auch so, dass
       ich die Menschen, die ich dann störe, stellenweise auch eigentlich mag.“
       
       Dass die [1][Klimakrise] ignoriert wird, ist für Bönte der Grund zum
       Stören. Früher hat sich der 43-Jährige selbst nicht besonders dafür
       interessiert. Doch dann gab es vor einigen Jahren im Ski-Urlaub diesen
       Moment, der ihn zum Nachdenken brachte. Beim Aprés-Ski in Ischgl,
       Österreich, wurde so ein Lied gesungen: „Wenn auch die Pole schmelzen und
       das Wasser steigt, Hauptsache, der Kuhstall bleibt.“ Bönte saß danach im
       Lift und ihn durchzuckte der Gedanke: „Oh Mann, wie [2][lange kannst du
       überhaupt noch Ski fahren]?! Das war meine erste Angst, die mit der
       Klimakrise verbunden war.“
       
       Wieder zu Hause in Münster fängt er an, mit seiner Frau Dokus zu schauen,
       wissenschaftliche Artikel zu lesen. Ende 2018, als [3][erste
       Fridays-for-Future-Demos] stattfinden, wird Bönte klar: Der Klimawandel ist
       nicht wie andere politische Probleme, „sondern ein Problem, das muss gelöst
       werden, und wenn das nicht gelöst wird, ist es halt vorbei“. Er mischt sich
       unter die jungen Demonstrant*innen in seiner Heimatstadt. Wenige
       Erwachsene laufen „ein bisschen verschämt in der letzten Reihe mit“. Bönte
       spricht eine der Organisator*innen an: „Ich bin Rechtsanwalt, kann
       ich euch irgendwie helfen?“
       
       Er schafft sein Auto ab, [4][verzichtet aufs Fliegen] und vertritt
       zunehmend Klimaaktivist*innen vor Gericht, insbesondere Mitglieder
       der [5][Klimabewegungen Extinction Rebellion] und der Letzten Generation.
       Unter ihnen ist auch [6][Henning Jeschke], der die Letzte Generation
       mitbegründet hat. Bönte merkt, dass die Klimaprozesse den Gerichten
       unbehaglich sind: Wie umgehen mit jungen Aktivist*innen, die vorher nie
       straffällig geworden sind und durch zivilen Ungehorsam auf die Klimakrise
       aufmerksam machen?„Die [7][Gerichte haben versucht, die Verfahren schnell
       einzustellen].“
       
       ## Und jetzt: in die FDP
       
       Doch Klimaaktivist*innen zu vertreten, ist Bönte nicht genug. 2023
       wird er Mitglied der FDP – mit einem einzigen Ziel: Er will in der Partei
       [8][über den Emissionshandel aufklären]. Die Liberalen leugnen nicht den
       Klimawandel. Sie wollen Klimaschutz aber nicht über Verbote erreichen,
       sondern darüber, dass der Markt es regelt. Und das ist ja die Idee des
       Emissionshandels: „EU-weit wird Jahr für Jahr die Menge an Benzin und Gas
       reduziert, die verkauft wird. Und wenn die Unternehmen ihre Zertifikate
       aufgebraucht haben, dann können sie auch kein Gas mehr verkaufen.“
       
       Was Bönte sagen will: Benzin und Gas werden auf jeden Fall so teuer, dass
       Leute sich die fossilen Brennstoffe irgendwann nicht mehr leisten können
       und von selbst auf alternative Energien umsteigen würden. In der FDP fehlt
       ihm der Mut, darüber aufzuklären. „Und ich bin mir relativ sicher, hätten
       die Leute das verstanden, dann hätten [9][die das Heizungsgesetz] nicht
       mehr so schlimm gefunden.“
       
       Bönte wird in der FDP der Unbequeme. Mal stellt er sich vor das
       Axel-Springer-Haus, wie ein Youtube-Video zeigt. Mal verknüpft er sich mit
       Aktivist*innen von Extinction Rebellion, erstellt Flyer und ein
       Demoschild, besorgt sich ein knallgelbes Polohemd mit dem FDP-Logo und
       fährt zu einer Wahlveranstaltung der Liberalen in Bayern mit Christian
       Lindner.
       
       ## Der Rausschmiss
       
       Dort steuert ein Mitglied der Münchener FDP direkt auf Bönte zu und lässt
       sich sein Einlassbändchen zeigen. „Dann riss der mir das ab und sagte: Sie
       gehen jetzt raus! War ich total perplex. Das war eine komplett kuriose
       Situation, und ich habe gesagt: Warum werde ich denn jetzt hier
       rausgeschmissen? Ich bin FDP-Mitglied, ich habe sogar so ein Polohemd an –
       Sie gehen jetzt raus! Keine Begründung genannt, nichts.“
       
       Nach dem Vorfall tritt Bönte nicht sofort aus. Doch als die FDP im November
       2024 die Koalition verlässt und die Zustimmung zur Partei vor der
       vorgezogenen Bundestagswahl schwindet, sieht er hier keine Zukunft mehr.
       Geschweige denn eine Möglichkeit, irgendetwas zu bewegen.
       
       Auch in seinem Freundeskreis versucht Bönte, das Thema Klima hochzuhalten.
       Unter seinen Studienfreunden befinden sich SUV-Fahrer und Liebhaber von
       häufigen Fernreisen. Zu einem Geburtstag wünscht sich Bönte von ihnen
       [10][Zertifikate, um Bäume zu pflanzen]. „Ich habe die Bäume bekommen. Die
       haben gesagt, finden wir gut, aber wollten sich nicht mehr über die
       Klimakrise unterhalten.“
       
       Bönte lässt sich aber nicht entmutigen, weiter Aufmerksamkeit für die
       Klimakrise zu schaffen. Zurzeit schreibt er bei einem Münsteraner
       Online-Magazin Kolumnen zum Klimaschutz und berät als Anwalt nun auch ein
       Start-up für nachhaltige Landwirtschaft.
       
       12 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Tini von Poser
       
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