# taz.de -- Klimaschutz in Europa: Schneider für mehr Gratis-CO2-Zertifikate für Chemieindustrie
> Der Bundesumweltminister setzt sich in Brüssel für eine Abschwächung des
> Europäischen Emissionshandels ein. Kritik kommt von Umweltexpert*innen.
(IMG) Bild: Den Durchblick fürs Klima? Minister Carsten Schneider
dpa/taz | Umweltminister Carsten Schneider dringt in Brüssel darauf, dass
die [1][Chemieindustrie] mehr kostenlose Treibhausgas-Zertifikate bekommt
als geplant. „Die Chemiebranche steht unter internationalem Druck und das
nehmen wir ernst“, sagte der SPD-Politiker. Nötig seien kurzfristig
„realistischere Maßstäbe für die Zuteilung kostenloser Emissionsrechte“.
„Das kann ein Beitrag zur Entlastung der Chemieindustrie werden, darf aber
nicht der einzige Schritt bleiben“, sagte Schneider.
Der Emissionshandel gilt als wichtigstes Klimaschutz-Instrument der EU.
Unternehmen, die fossile Kraftwerke und Industrieanlagen betreiben, müssen
für jede Tonne Kohlendioxid ein Emissionszertifikat vorweisen. Politisch
wird eine Obergrenze dafür festgelegt, die über die Jahre sinkt. So können
die Emissionen der betreffenden Branchen das festgelegte Maß nicht
übersteigen und sinken insgesamt ebenfalls. Durch die Verknappung ist mit
steigenden Preisen für die Zertifikate zu rechnen – ein Anreiz, in eine
klimafreundliche Produktion zu investieren.
Die Zertifikate werden versteigert, viele Industrieunternehmen bekommen
einen Teil ihrer Zertifikate aktuell aber noch geschenkt. So will die
Politik unter anderem verhindern, dass emissionsintensive Industrien in
andere Länder verlagert werden. Die kostenlose Zuteilung soll jedoch
schrittweise auslaufen.
Der Hintergrund ist unter anderem: [2][Für Importe etlicher Produkte aus
außereuropäischen Ländern hat die EU eine Art Klima-Zoll eingeführt], den
sogenannten Carbon Border Adjustment Mechanism oder kurz CBAM. Damit soll
der Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen schrumpfen, sodass die
Begründung für ihre kostenlosen CO2-Zertifikate entfällt. Die
entsprechenden Branchen wie die Dünger- oder die Stahlproduktion müssen
deshalb nach 2034 ohne sie auskommen, andere erst nach 2039. An letztere
richtet sich Schneiders Vorstoß.
## Umweltexperte: „Vorstoß springt zu kurz“
Der Umweltminister betonte, der Emissionshandel funktioniere gut. „Er
verbindet erfolgreich Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke – und das soll
auch so bleiben.“ Die Rahmenbedingungen müssten aber so gestaltet werden,
dass Deutschland und Europa starke Chemiestandorte blieben. An der
Gesamtzahl der insgesamt vergebenen CO2-Zertifikate soll sich nichts
ändern.
Auch die EU-Kommission überdenkt das vereinbarte Auslaufen der kostenlosen
CO2-Zertifikate. Eine Überlegung ist dabei auch der Kompromiss, von den
Unternehmen eine Gegenleistung zu verlangen. Sie könnten etwa einen Teil
der Entlastung in Transformationstechnologien investieren müssen, wie das
Handelsblatt [3][unter Berufung auf Kommissionskreise berichtete].
Kritik bekommt Umweltminister Schneider von Umweltexpert*innen. „Der
Umweltminister adressiert das richtige Problem, springt aber wie zuvor
schon Bundeskanzler Merz mit seinem Vorstoß zu kurz“, sagte Simon Wolf von
der NGO Germanwatch. „Eine Ausweitung der freien Zuteilung von Zertifikaten
ohne Gegenleistung schafft maximal eine kurzfristige finanzielle
Entlastung, ermöglicht aber nicht die Investitionen am Standort, die es
dringend braucht.“
Das Geld, das Unternehmen im Rahmen des Europäischen Emissionshandels
zahlen, landen in den Staatskassen. In Deutschland fließen sie in den
Klima- und Transformationsfonds, aus dem der Bund zahlreiche ökologische
Modernisierungsprojekte finanziert.
Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version des Texts enthielt nicht die
verschiedenen Fristen für das Auslaufen der kostenlosen CO2-Zertifikate für
unterschiedliche Branchen. Diese wurden am 23.2. ergänzt, ebenso die
Spezifikation, auf welchen Bereich sich Carsten Schneider mit seinem
Vorstoß beziehen will.
20 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /chemieindustrie/!t5627320
(DIR) [2] /CO2-Abgabe-fuer-Einfuhren/!5899087
(DIR) [3] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/emissionshandel-eu-kommission-fordert-gegenleistungen-fuer-gratiszertifikate/100197871.html
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