# taz.de -- Mittelmeer: Flüchtlinge sterben bei Kollision in der Ägäis
> Vor der griechischen Insel Chios stoßen ein Patrouillenboot der
> Küstenwache und ein Schnellboot voll Geflüchteter zusammen. 15 Menschen
> sterben.
(IMG) Bild: Einmal mehr hat die griechische Küstenwache eine Kollision mit einem Boot von Geflüchteten
Laut [1][offizieller Erklärung] der griechischen Küstenwache habe am
Dienstag gegen 21 Uhr Ortszeit ein Patrouillenboot ein Schnellboot mit
ausländischen Passagieren entdeckt, das unbeleuchtet im Seegebiet von
Myrsini in Richtung der Ostküste von Chios fuhr. Das Schnellboot habe
zunächst die Licht- und Tonsignale des Küstenwachschiffes „L.S. 1077“
ignoriert wie auch die Aufforderung, in türkische Gewässer zurückzukehren.
Das mit Geflüchteten besetzte Schnellboot „kehrte stattdessen um und rammte
die rechte Seite des Schiffes der Küstenwache“, so die Version der
griechischen Küstenwache. In der Mitteilung heißt es weiter: „Durch die
Wucht des Aufpralls kenterte das Schnellboot und sank, wodurch alle
Insassen ins Meer fielen.“
Griechischen Medienberichten zufolge habe das etwa acht Meter lange
Schnellboot, das mit dem Wachboot „L.S. 1077“ kollidierte, mindestens 39
Migranten befördert. Die Kollision habe 1,5 Seemeilen östlich der Insel
Chios stattgefunden und damit „eindeutig innerhalb der griechischen
Hoheitsgewässer“.
Bisher seien 14 Leichen, darunter 11 Männer und 3 Frauen, im Meer geborgen
worden. Eine weitere Migrantin sei laut Küstenwache im Krankenhaus von
Chios verstorben. Insgesamt seien 25 Migranten – 7 Männer, 7 Frauen und 11
Kinder und Jugendliche – sowie 2 Besatzungsmitglieder des Wachboots
verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden.
## Such- und Rettungsaktion gestartet
Laut dem Rettungsdienst Ekab waren unter den eingelieferten Personen auch 2
schwangere Frauen. Nach Angaben von Ärzten waren ihre Föten tot, die Frauen
selbst aber außer Lebensgefahr. Medienberichten zufolge seien 10 der
verletzten Geflüchteten 15 Jahre oder jünger gewesen und würden daher in
der Kinderklinik behandelt.
Wie der Leiter des Skilitseio-Krankenhauses auf Chios am Mittwochmorgen
mitteilte, seien 5 der dorthin gebrachten Verletzten inzwischen operiert
worden. Ihm zufolge „scheint derzeit das Leben keines der Verletzten in
Gefahr zu sein“. 4 Geflüchtete hätten nach dem Zusammenstoß
lebensgefährliche Verletzungen erlitten.
Informationen zufolge habe es sich bei den Insassen des Schnellbootes um
Afghan:innen sowie um einen Marokkaner gehandelt. Entgegen ersten
anderslautenden Meldungen habe es keinen Schusswechsel zwischen beiden
Booten gegeben, erklärte die griechische Küstenwache.
Medienberichten zufolge könnte sich die Zahl der Opfer noch erhöhen.
Unmittelbar nach dem Zusammenprall starteten die griechischen Behörden eine
Such- und Rettungsaktion nach womöglich vermissten Geflüchteten unter
Beteiligung von vier Küstenwachbooten, Tauchern und zwei Hubschraubern der
griechischen Luftwaffe. Die Such- und Rettungsaktion wurde am Mittwoch
fortgesetzt.
## Weitere Gesetzesverschärfungen geplant
Der tödliche Zusammenstoß vor Chios trug sich ausgerechnet am Vorabend
einer Abstimmung im Athener Parlament über eine [2][weitere Verschärfung]
der ohnehin restriktiven griechischen Migrationsgesetzgebung zu. Mit den
vom rechtskonservativen Migrationsminister Thanos Plevris eingebrachten
Verschärfungen will Griechenland gegen Schleuser, die Migranten unter
Verstoß der Einreisebestimmungen nach Hellas bringen, noch härter vorgehen.
Dies soll auch für Mitarbeiter von in der Flüchtlingshilfe tätigen
Nichtregierungsorganisationen gelten, gegen die Strafverfahren eingeleitet
worden sind, auch wenn noch kein rechtskräftiges Urteil gegen sie vorliegt.
Dagegen laufen 73 Organisationen Sturm. In einem [3][offenen Brief]
forderten sie die Rücknahme mehrerer Artikel des Gesetzentwurfs.
4 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://govnews.gr/ellada/342085/i-anakoinosi-tou-limenikou-gia-to-dystychima-sti-chio-i-sfodrotita-tis-proskrousis-i-aitia/
(DIR) [2] /Migration-in-die-EU/!6149746
(DIR) [3] https://www.statewatch.org/news/2026/january/greece-criminal-law-used-to-target-civil-society-organisations/
## AUTOREN
(DIR) Ferry Batzoglou
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