# taz.de -- Flüchtlingstod vor Chios: „Das Küstenwachboot fuhr über uns hinweg“
       
       > 15 Geflüchtete sind am Dienstag gestorben. Autopsieberichte ziehen die
       > offizielle Version der griechischen Küstenwache in Zweifel.
       
 (IMG) Bild: Gedenken für die von der griechischen Küstenwache ermordeten Geflüchteten
       
       Mindestens 15 tote Geflüchtete: So lautet die Bilanz nach der Kollision mit
       einem Patrouillenboot der griechischen Küstenwache vor der Insel Chios am
       vergangenen Dienstag. Mittlerweile wachsen die Zweifel an der Version
       [1][der Küstenwache], wie es zur Tragödie kam.
       
       Die Küstenwache behauptet, am Dienstag gegen 21 Uhr Ortszeit habe eins
       ihrer Patrouillenboote „eine planmäßige Patrouille durchgeführt und dabei
       ein Schnellboot mit ausländischen Passagieren entdeckt, das in Richtung der
       Ostküste von Chios fuhr.“
       
       Der Fahrer des Schnellboots habe die Licht- und Tonsignale des Schiffes
       L.S. 1077 der griechischen Küstenwache ignoriert. Das mit mindestens 39
       Migranten besetzte Boot „kehrte stattdessen um und rammte die rechte Seite
       des Schiffes der Küstenwache.“ Durch „die Wucht des Aufpralls“ sei das
       Migrantenboot gekentert, „wodurch alle Insassen ins Meer fielen“.
       
       ## Kamera ausgeschaltet
       
       Der Betrieb der an Bord befindlichen Wärmebildkamera im Moment der
       Kollision sei „nicht mehr nötig“ gewesen, nachdem das Migrantenboot bereits
       zuvor entdeckt worden sei, so die Version der Küstenwache. Das weckt
       Erinnerungen an den katastrophalen Schiffbruch im Juni 2023 vor der
       südwestgriechischen Küstenstadt Pylos, bei dem mutmaßlich rund 600
       Geflüchtete ums Leben kamen. Auch vor Pylos war die Kamera des dort
       operierenden Küstenwachbootes L.S. 920 ausgeschaltet.
       
       [2][Wie die Athener Nachrichtenseite Tvxs.gr unter Berufung auf eine Quelle
       der EU-Grenzschutzagentur Frontex nun enthüllt], habe Frontex die
       griechischen Behörden „wiederholt aufgefordert“, Videoaufzeichnungen bei
       den Einsätzen ihrer Küstenwache durchzuführen.
       
       Dies würden die griechischen Behörden „systematisch nicht umsetzen“ und
       sich dabei auf den Schutz personenbezogener Daten von Migranten berufen –
       im Mittelmeerraum ein Sonderfall. Und dies, obgleich es Gelder für die
       Beschaffung der Kameras aus gleich zwei EU-Töpfen gebe.
       
       ## Starke Schläge
       
       Derweil stellten Gerichtsmediziner zudem durch Autopsien fest, dass alle 15
       Toten vor Chios durch starke Schläge hervorgerufene schwere Schädel-Hirn-
       sowie Brustkorb-Verletzungen aufgewiesen hätten. Bei einigen Opfern sei der
       Tod sofort eingetreten, also unmittelbar nach der Kollision.
       
       Keiner der 15 Todesfälle sei auf Ertrinken zurückzuführen. Ferner
       berichteten Personen nach Gesprächen mit Überlebenden, dass die L.S. 1077
       „mitten in der Nacht auftauchte und über das Boot der Migranten hinweg
       fuhr“. Obendrein habe es vor der Kollision keine akustischen und optischen
       Signale vom Patrouillenboot gegeben, wie die Küstenwache behauptet.
       
       6 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gesunkenes-Fluechtlingsboot/!6087054
 (DIR) [2] https://tvxs.gr/news/ellada/nayagio-sti-chio-apokleistiko-pigi-tis-frontex-diapseydei-sto-tvxs-tin-kyvernitiki-ekdochi/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ferry Batzoglou
       
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