# taz.de -- Medien in Venezuela: Pressefreiheit auf Bewährung
> In Venezuela sitzen weiterhin Journalisten in Haft. Die neue
> Interimsregierung verspricht Straferlass, doch Medien stehen unter Druck.
(IMG) Bild: Hoffnung auf die Freilassung politisch Gefangener Ende Januar vor einem Gefängnis in Caracas
Sechs Reporter stehen noch auf der Liste der Journalisten Gewerkschaft
(SNTP). „Ihre Freilassung ist das nächste Etappenziel. Es dauert, bis jeder
einzelne Name durch den Apparat gelaufen ist und es grünes Licht für die
Freilassung gibt“, meint Luis Ernesto Blanco, leitender Direktor [1][von
Runrun.es.]
Das analytische Medienportal mit Sitz in Caracas gehört [2][zu den Medien],
die genau beobachten, ob die Interimsregierung genauso weitermacht wie
unter Nicolás Maduro oder ob sie sich demokratischer verhält, der Presse
mehr Spielraum gewährt. „Bis dato ist das nur schwer zu beurteilen.
Natürlich haben wir die Hoffnung, dass die restlichen sechs Kollegen
freikommen und dass gesetzliche Vorgaben zur Kontrolle der Medien abgebaut
werden“, so Blanco.
Immer noch sind alle gesetzlichen Vorgaben für das repressive Vorgehen
gegenüber der Presse in Kraft und auch der Apparat funktioniert bisher
reflexartig. Bestes Beispiel war das systematische Erschweren der Einreise
über das kolumbianische Cúcuta [3][nach Venezuela]. Das haben
internationalen Medienorganisationen wie [4][Reporter ohne Grenzen]
kritisiert und darauf hingewiesen, wie wichtig fundierte Berichterstattung
derzeit sei.
Diese Einschätzung teilt auch Luis Ernesto Blanco, der Venezuela nicht
verlassen hat, weil er nie direkt von den staatlichen Institutionen
attackiert wurde – wie viele andere Kollegen. „Viele sind ins Ausland
geflohen, nach Spanien, in die USA oder in Nachbarländer und warten dort
auf ihre Rückkehr“, sagt der 53-jährige Journalist. Er hofft, der 3. Januar
war der Auftakt für die Re-Demokratisierung Venezuelas.
Dafür gibt es bisher nur wenige Signale. Der Druck der USA gehe nur in eine
Richtung, die ökonomische Öffnung des Erdölsektors des Landes, so Blanco.
Die Demokratisierung Venezuelas stehe nicht ganz oben auf der Agenda des
Weißen Hauses.
Diese Einschätzung teilt auch Ronna Rísquez, die im letzten Jahr mit einem
Stipendium von Reporter ohne Grenzen und der [5][taz Panter Stiftung] nach
Berlin kam und nun aus dem spanischen Alicante die Situation in Caracas
beobachtet. „Die Erreichbarkeit der Medienportale in Venezuela ist nach wie
vor eingeschränkt, auch bei den Internetprovidern gibt es Hürden und die
Ein- und Ausreise von Berichterstattern muss offen gestaltet werden“, sagt
sie. Auch deshalb steht Venezuela im Ranking von Reporter ohne Grenzen
derzeit auf Rang 160 von 180 Plätzen.
Aussagen darüber, wie die Interimsregierung fortan mit Medienvertretern
beiderlei Geschlechts umgehen will, gibt es noch nicht. Immerhin ist seit
der Rede von Vizepräsidentin Delcy Rodríguez vom 30. Januar klar, dass es
eine Generalamnestie geben wird. So wird es wahrscheinlich, dass auch die
letzten sechs Berichterstatter aus der Haft entlassen werden.
Das begrüßt auch Luis Ernesto Blanco. „In den letzten Tagen hat es erste
Beispiele dafür gegeben, dass nicht jede kritische Bemerkung in Medien und
sozialen Netzen geahndet wurde. Aber nach wie vor wird mit viel Vorsicht
agiert.“
Bestes Beispiel ist ein aktueller Artikel auf Runrun.es, wo es um die
Situation der Presse geht – er wurde nicht mit dem Namen des Autoren
signiert. Typisch für die aktuelle Situation. Die Interimsregierung hat
immer noch keine Reformagenda präsentiert, moniert Luis Ernesto Blanco.
Doch die Hoffnung ist in Caracas greifbar.
2 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://runrun.es/
(DIR) [2] /Pressefreiheit-in-Venezuela/!6143959
(DIR) [3] /Caracas-nach-US-Angriff/!6145848
(DIR) [4] /Kaempfe-im-Gazastreifen/!6147700
(DIR) [5] /panter-stiftung/vom-wort-zur-tat/!v=e4eb8635-98d1-4a5d-b035-a82efb835967/
## AUTOREN
(DIR) Knut Henkel
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