# taz.de -- Pressefreiheit in Venezuela: Neue Machthaberin, alte Methoden
       
       > Freie Berichterstattung in und aus Venezuela ist weiterhin kaum möglich.
       > Auch unter Interimspräsidentin Rodríguez werden Journalistinnen
       > drangsaliert.
       
 (IMG) Bild: Was wird sich mit der Interims-präsidentin ändern? Menschen bei der Vereidigung von Delcy Rodríguez am 5. Januar in Caracas, Venezuela
       
       kna | Auch unter den neuen Machthabern geht die venezolanische Regierung
       massiv gegen Journalisten vor. Laut nationaler Pressegewerkschaft SNTP
       wurden am Rande der konstituierenden Sitzung der Nationalversammlung in
       Venezuela am Montag (Ortszeit) zahlreiche Journalisten verhaftet.
       
       „Die Zahl der am 5. Januar festgenommenen Journalisten und
       Pressemitarbeiter ist auf 14 gestiegen“, heißt es in einer auf der
       Onlineplattform X verbreiteten Stellungnahme der Gewerkschafter.
       
       Elf gehören demnach internationalen Medien und Agenturen an, einer
       nationalen Medien. Vier seien freigelassen worden, die anderen zehn
       befinden sich der Gewerkschaft zufolge weiterhin in Haft, „einige davon
       unter den Umständen eines gewaltsamen Verschwindens“.
       
       Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte in einer Stellungnahme die
       Regierung von Interimspräsidentin Delcy Rodríguez auf, freie
       Berichterstattung aus Venezuela unverzüglich möglich zu machen.
       
       ## Sich ein Bild vor Ort machen
       
       Die bislang für westliche Auslandskorrespondenten geschlossenen Grenzen
       müssten geöffnet werden: „Es geht nicht an, dass die Weltöffentlichkeit auf
       Informationen angewiesen ist, die aus dem Pentagon kommen oder durch den
       Zensurfilter der Regierung in Caracas gegangen sind“, sagt der
       DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. „Journalistinnen und Journalisten der
       internationalen Medien müssen sich selbst ein Bild vor Ort machen können.“
       
       US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, dass die USA künftig Venezuela
       regieren wollen und [1][Interimspräsidentin Delcy Rodríguez kooperieren
       werde.]
       
       Der DJV-Vorsitzende fordert die Regierung von Venezuela darüber hinaus zu
       einem sofortigen Ende aller Zensurmaßnahmen gegen Journalisten auf: „Die
       Presse- und Meinungsfreiheit ist ein universales Grundrecht, das auch in
       Venezuela gelten muss.“
       
       Es sei skandalös, dass 14 Journalisten vorübergehend wegen angeblicher
       Kollaboration mit den USA verhaftet worden seien, so Beuster: „Die
       Hexenjagd auf kritische Geister muss ein Ende haben.“
       
       ## Politische Stiftungen betroffen
       
       Von der Einschränkung der Berichterstattung aus Venezuela sind nicht nur
       Journalisten betroffen. Nach Informationen der KNA wurden auch Arbeitsvisa
       von Mitarbeitern jener politischen Stiftungen aus Deutschland in Venezuela
       nicht verlängert, die in den vergangenen Jahren kritisch über die
       Menschenrechtslage im Land berichtet hatten. Sie können derzeit nicht nach
       Venezuela einreisen.
       
       Die Zeitung El Nacional berichtete, dass mindestens drei Journalisten von
       Beamten der Generaldirektion für militärische Spionageabwehr festgenommen
       und zum Kommando der Nationalgarde gebracht worden seien. Dabei überprüften
       die Behörden Berichten zufolge die Mobiltelefone der Journalisten,
       erzwangen die Herausgabe der Zugangsdaten und griffen auf Fotos, Kontakte,
       Unterhaltungen, Sprachnotizen, Instagram-Konten, E-Mails und Cloud-Dateien
       zu.
       
       Einem Reporter des Fernsehsenders Televen sei während seiner Inhaftierung
       durch die Beamten sein Telefon abgenommen worden.
       
       Thomas Rachel, Berichterstatter für Lateinamerika der
       CDU/CSU-Bundestagsfraktion, forderte in einem Gespräch mit der KNA ein Ende
       der staatlichen Repression: „Interimspräsidentin Rodríguez muss die
       sofortige, bedingungslose Freilassung der über 800 politischen Gefangenen
       in Venezuela veranlassen. Die massive Unterdrückung der Opposition muss
       endlich beendet werden.“
       
       Die [2][juristische und politische Verfolgung regierungskritischer
       Journalisten] hatte in den vergangenen Jahren in Venezuela [3][massiv
       zugenommen]. Die Behörden entzogen Radio- und TV-Lizenzen und
       beschlagnahmten Verlagsgebäude. Die staatlichen Medien befinden sich
       komplett in der Kontrolle der sozialistischen Regierungspartei um
       Interimspräsidentin Delcy Rodríguez.
       
       Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag
       Venezuela im vergangenen Jahr auf Rang 160 von insgesamt 180 Ländern.
       
       8 Jan 2026
       
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