# taz.de -- Bekanntgabe des Parlamentspräsidenten: Venezuela lässt politische Häftlinge frei
> Unter den Freigelassenen sollen auch einige Prominente sein. Wie viele
> der geschätzt 800 politischen Gefangenen freikommen, ist zunächst unkar.
(IMG) Bild: Angehörige beten beim Warten vor dem El-Rode-Gefängnis in Miranda für die Freilassung von politischen Gefangenen
afp | Fünf Tage nach der [1][US-Militärintervention in Venezuela] hat der
Parlamentspräsident des südamerikanischen Landes die Freilassung
zahlreicher Häftlinge verkündet – darunter der frühere
Präsidentschaftskandidat Enrique Márquez und die prominente
spanisch-venezolanische Aktivistin Rocío San Miguel. Den Schritt gab der
Vorsitzende der venezolanischen Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, am
Donnerstag bekannt. Spaniens Außenminister José Manuel Albares erklärte,
unter den Freigelassenen seien fünf spanische Staatsbürger, darunter die
Aktivistin San Miguel.
„Um die friedliche Koexistenz zu fördern, haben die bolivarische Regierung
und die staatlichen Institutionen beschlossen, eine große Anzahl
venezolanischer und ausländischer Staatsbürger freizulassen“, sagte der
venezolanische Parlamentspräsident Rodríguez zu der Freilassung. Es handele
sich um eine „unilaterale Geste der Regierung“. Rodríguez – der Bruder der
nach Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro amtierenden
[2][Staatschefin Delcy Rodríguez] – bezifferte die Anzahl der
Freigelassenen nicht.
„Jetzt ist alles vorbei“, sagte Márquez in einem Video, das ein Journalist
von ihm und seiner Frau aufnahm, begleitet von dem ebenfalls freigelassenen
Oppositionspolitiker Biagio Pilieri.
Die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin San Miguel, die neben der
venezolanischen auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, war im
Februar 2024 wegen einer angeblichen Beteiligung an einem Komplott gegen
Maduro verhaftet worden. Ihr wurden „Verrat“, „Terrorismus“ und
„Verschwörung“ vorgeworfen. Nach ihrer Freilassung gehe es San Miguel gut,
bestätigte ihre Anwältin der Nachrichtenagentur AFP.
## NGO-Vertreter: „Gute Nachricht“
San Miguel war in der berüchtigten Haftanstalt El Helicoide in der
Hauptstadt Caracas inhaftiert, in der die Geheimdienste unter anderem
politische Häftlinge unterbringen. Am Donnerstag versammelten sich
Angehörige von dort Inhaftierten vor der Einrichtung.
Nach Schätzungen der Nichtregierungsorganisation Foro Penal sind in
Venezuela mehr als 800 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert.
Foro-Penal-Vertreter Alfredo Romero bezeichnete die von der Regierung
verkündeten Freilassungen im Onlinedienst X als „gute Nachricht“. Seine
Organisation versuche derzeit herauszufinden, wer die Freigelassenen sind.
Im September hatten UN-Experten ein verschärftes strafrechtliches Vorgehen
gegen politisch missliebige Menschen in Venezuela angeprangert. Noch Ende
2025 waren unter der Regierung von Maduro mehrere Oppositionelle inhaftiert
worden.
US-Streitkräfte hatten in der Nacht zum Samstag bei einem Militäreinsatz
Ziele in Venezuela angegriffen und Staatschef Maduro sowie dessen Frau
Cilia Flores gefangen genommen und in die USA gebracht. Trump hatte nach
der Gefangennahme gesagt, Venezuela stehe nun unter der Kontrolle der USA.
## Vizesprecherin des Weißen Hauses lobt Trumps Einfluss
Vor diesem Hintergrund bezeichnete die stellvertretende Sprecherin des
Weißen Hauses, Anna Kelly, die nun erfolgte Häftlingsfreilassung in einer
Mitteilung als „Beispiel dafür, wie der Präsident seinen Einfluss maximal
nutzt, um das Richtige für das amerikanische und das venezolanische Volk zu
tun“.
9 Jan 2026
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