# taz.de -- Trump und das US-Fernsehen: Eine perfekte Symbiose
       
       > In seinem Buch „Alle Scheinwerfer auf mich!“ untersucht „New York
       > Times“-Journalist James Poniewozik den Aufstieg Trumps im Kabelfernsehen.
       > Er fragt: Wer kontrolliert hier wen?
       
 (IMG) Bild: Airborne und immer busy: So inszenierte sich der junge Donald J. Trump 1987
       
       Als Donald Trump 2016 erstmals ins Weiße Haus einzog, soll er sich über den
       kaputten Fernseher in seinem Schlafzimmer beschwert haben – er könne „den
       Gorillakanal“ nicht empfangen. Offenbar glaubte Trump, dass es einen
       TV-Kanal gibt, der 24 Stunden am Tag Gorillainhalte sendet. Daraufhin
       schnitten Mitarbeiter Gorilladokus zusammen, die in Endlosschleife von
       einem Sendeturm direkt in Trumps Schlafzimmer übertragen wurden. Trotzdem
       war der Präsident unzufrieden: Die Gorillas kämpfen nicht – langweilig!
       Also wurden nur noch Kampfszenen gezeigt. An manchen Tagen, berichteten
       Insider, soll er 17 Stunden am Stück den Gorillakanal geschaut haben.
       
       So unwahr diese Anekdote ist – es handelt sich um einen Witz des
       Karikaturisten Ben Ward –, so treffend charakterisiert sie doch das Gebaren
       des US-Präsidenten: fernsehsüchtig, simpel gestrickt und geil auf Gewalt.
       James Poniewozik, Fernsehkritiker bei der New York Times, vergleicht Trump
       mit Jim Careys Figur in „Die Truman Show“ von 1998, „nur andersherum“.
       Trump sei ein Produkt des Privatfernsehens und seine zweite Präsidentschaft
       vollende dessen Siegeszug: „Trump wurde gewählt. Aber das Fernsehen wurde
       Präsident.“
       
       Beider Aufstiege verfolgt Poniewozik in seinem Buch „Alle Scheinwerfer auf
       mich“. Geistreich und unterhaltsam zeichnet er die Geschichte des
       US-Fernsehens nach und zugleich den Lebensweg Donald J. Trumps vom New
       Yorker Reichensprössling zur regierenden TV-Figur.
       
       Aus einem Massenmedium mit nur drei Kanälen, das auf das Konzept des am
       wenigsten anstößigen Programms setzte, um möglichst viele
       Zuschauer:innenanteile zu binden, entwickelte sich im Lauf der 1980er
       das Kabelfernsehen und fragmentierte das TV-Publikum in kleinste Einheiten.
       Konsens war nun out, stattdessen entwickelten viele Zuschauer:innen eine
       Faszination für die Reichen und Berühmten. Zur selben Zeit drängte der
       Immobilienunternehmer Donald Trump ins Rampenlicht: Er baute den Trump
       Tower und kaufte Mar-a-Lago und landete 1987 mit „Die Kunst des Erfolgs“
       einen Bestseller.
       
       ## Vom TV-Antihelden zum Präsidenten
       
       Poniewozik nähert sich der Figur Trump mit dem Besteck der französischen
       Postmoderne: Wie in einem Simulacrum von Baudrillard, schreibt er, habe das
       Bild, die Performance des superreichen Trump den realen Unternehmer
       ersetzt. Trump hatte sich zu einer Marke geformt, deren einziges Produkt
       die Idee des reichen Geschäftsmanns war. Als in den 1990ern der
       Minimalismus der Computernerds Amerikas Kultur und Wirtschaft eroberte,
       wurde der bekennende Maximalist Trump zum „Star des Gegenprogramms“. Aus
       einer Scheidung und Fastpleite inszenierte er sein Promi-Comeback. Und ging
       daraus als TV-Antiheld hervor, der 2016 erstmals Präsident wurde.
       
       „[1][The Sopranos]“, „Deadwood“, „Breaking Bad“: Anhand beliebter Serien
       zeichnet Poniewozik nach, wie sich die Sympathie des Publikums immer mehr
       skrupellosen, charismatischen Helden zuwandte: Nicht nett, aber
       unterhaltsam. Die Anschläge vom 11. September 2001 machten das Konzept „Du
       musst böse sein in dieser kranken Welt“ massentauglich, was sich in Serien
       wie „24“ mit dem Agenten Jack Bauer niederschlug, aber auch im Aufstieg von
       Reality Shows mit ihren Grundprinzipien von Lebenskampf und Konkurrenz.
       
       Hier kommt Trumps TV-Serie „The Apprentice“ ins Spiel, in der er ab 2004
       Bewerber:innen nach ausgeklügelten Ritualen demütigte, und dessen
       ikonischer Spruch „Du bist gefeuert!“ den Weg für seine politische Karriere
       bereitete.
       
       Überzeugend legt Poniewozik dar, wie perfekt das selbstherrlich-aggressive
       und zutiefst inhaltslose Gebaren des Showmans Trump zu einer TV-Nation
       passte, die sich an emotions- und skandalgesättigte Showformate gewöhnt
       hatte. Besonders bei den Nachrichten beobachtet der Fernsehkritiker eine
       Verschränkung von kultureller Fragmentierung und politischer
       Tribalisierung, was er an der Gegnerschaft des abgeklärt-liberalen Senders
       MSNBC und der konservativ-sensationalistischen Fox News zeigt.
       
       ## „Du bist gefeuert“
       
       Letztere, hypernervös, emotional und polarisierend, wurde zum Sprachrohr
       amerikanischer Konservativer, die sich von Obamas Wahlsieg „enteignet“
       fühlten. Trump wurde ihr natürlicher Verbündeter: Als Stammgast bei „Fox &
       Friends“ brachte er die Paranoia der neu entstandenen Tea-Party-Bewegung
       verbal auf den Punkt: „In die Luft sprengen! China anrufen! Du bist
       gefeuert!“ Fox und Trump, das schildert Poniewozik als perfekte Symbiose:
       Der Politiker mit dem strittigsten Programm kontrolliert nun das Programm –
       oder ist es längst andersherum? Laut Newsweek hat Trump in seiner jetzigen
       Amtszeit 23 ehemalige Fox-Leute in öffentliche Ämter berufen, darunter den
       Verteidigungsminister und die Geheimdienstkoordinatorin.
       
       James Poniewozik ist kein politischer Analyst, sein Buch will er als „Übung
       in angewandter Fernsehkritik“ verstanden wissen. Er ist auch kein
       Kulturpessimist wie Neal Postman, dessen prophetische Studie „Wir amüsieren
       uns zu Tode“ von 1985 er mehrfach zitiert. Der New-York-Times-Redakteur,
       der laut eigenem Bekunden das Fernsehen liebt, weist immer wieder auf kluge
       Formate und Filme mit emanzipativem Potenzial hin, als wolle er sagen: Es
       hätte auch anders ausgehen können.
       
       Tat es aber nicht. „Alle Scheinwerfer auf mich“ erschien in der
       amerikanischen Erstauflage 2019, als die erste Trump-Show vorbei war.
       Damals konnte man sich noch mit Popcorn in seine unterhaltsame Kritik der
       ersten „Folge“ vertiefen. Im Vorwort zur deutschen Übersetzung beschreibt
       Poniewozik [2][Trumps zweite Amtszeit] als „konsequente Fortsetzung der
       ersten Staffel“. Mit einem Unterschied: „Dieses Mal kontrollieren er und
       seine Mitstreiter die Produktion.“ Die ganze Welt sei jetzt die Kulisse von
       Trumps Reality-Show. Genau das lässt einem beim Lesen dieser
       „Fernsehkritik“ das Popcorn im Hals stecken.
       
       2 Feb 2026
       
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