# taz.de -- Ein Jahr USA unter Trump: Amerika, ein Jahr später
> Donald Trump ist seit einem Jahr zum zweiten Mal Präsident – eine
> Zwischenbilanz aus den USA zwischen Repression, Protest und kultureller
> Gegenwehr.
(IMG) Bild: Tränen unter der Freiheitskrone: Protest zum ersten Jahrestag der Wiederwahl von Donald Trump in Washington
Die Tage seit der [1][Ermordung von Renée Good] waren eine beklemmende Zeit
für die USA, Donald Trumps Griff nach der Autokratie war noch nie so
unmissverständlich deutlich. Minneapolis ist mit der Terrorisierung der
Bevölkerung durch ICE zum bislang radikalsten Experiment einer
militarisierten Regierung geworden.
Doch so bedrückend die Szenen auf den Straßen der bislang so sauberen und
ordentlichen Stadt im oberen Mittelwesten auch waren, so viel Hoffnung
macht Minneapolis auch. Je stärker die US-Einwanderungsbehörde ICE mit
Razzien, Festnahmen und Abschiebungen eskaliert, desto standhafter wehren
sich die Bürger. Zu den Demonstrationen gegen die Beamten kommen
Zehntausende von Menschen. Der Schlachtruf der sogenannten Resistance
„Abolish ICE“ ist, wie das New York Magazine anmerkte, [2][zur
Mainstreamposition geworden.]
Tausende von Bürgern, die bislang nicht besonders politisch aktiv waren,
gehen auf die Straße. Sie beteiligen sich an der kollektiven Überwachung
von ICE und an dem mittlerweile ikonischen Frühwarnsystem mit
Trillerpfeifen. Sie riskieren ihre eigene Sicherheit, indem sie Aktivitäten
von ICE obstruieren. Sie solidarisieren sich mit ihren besonders
gefährdeten Nachbarn, indem sie ihnen Unterschlupf und Schutz gewähren oder
ihnen Essen bringen, damit sie nicht das Haus verlassen müssen.
Die derart rasche Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten beschränkt
sich nicht auf Minneapolis. Man hat sie bei den landesweiten Protesten nach
dem Tod von Renée Good gesehen. Man hat sie bei den No-Kings-Märschen des
vergangenen Jahres gesehen. Und man hat sie nach der Entsendung der
Nationalgarde durch Trump in Los Angeles gesehen, wo eine breite Koalition
von Widerstandsorganisationen durch konzertierte und unermüdliche Aktionen
die militärische Besatzung zum Rückzug hat zwingen können.
## Man möchte ICE und Trump loswerden
Die linke Wochenzeitschrift The Nation feierte die „Resistencia“ von Los
Angeles als Beleg dafür, was eine sonst oft fragmentierte und zerstrittene
Linke erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Und etwas Ähnliches
zeichnet sich jetzt in Minneapolis ab.
So berichtete Adam Levy, Gründer der kleinen Widerstandsgruppe Riverbottom
Society, von einem Treffen der Widerstandsgruppen in Minneapolis eine Woche
nach dem Tod von Renée Good als ein „wunderbares Panoptikum“ der Linken.
Die Liste der teilnehmenden Organisationen reichte von Gewerkschaften über
die Bürgerrechtsorganisation ACLU bis zu den Demokratischen Sozialisten und
nationalen Gruppen wie 50501 und Indivisible. Gewöhnlich kann man sich
unter diesen Gruppen nicht auf vieles einigen. Aber man kann sich definitiv
darauf einigen, dass man ICE und Trump loswerden möchte.
Der Fotograf Ken Schles, seit der ersten Wahl von Donald Trump eine
zentrale Figur des Widerstands in New York, gibt zu, dass es außer diesem
Ziel nicht viel gibt, was die Linke eint. Es sei ein dezentrales Netzwerk,
innerhalb dessen „jeder sein eigenes Süppchen“ kocht. Eine übergeordnete
Strategie gebe es nicht, „es ist sicher alles sehr reaktiv, was wir
machen“. Dennoch glaubt Schles, wie auch die Journalisten der Nation, dass
die „People Power“ die Kraft hat, Trump zu besiegen.
Los Angeles zeigt das exemplarisch: Auf die Verhaftung von
Gewerkschaftschef David Huerta folgten Gewerkschaftsproteste, denen sich
Einwandererrechtsgruppen, religiöse Organisationen und schließlich sogar
die Handelskammer anschlossen.
So zeigen Minneapolis und Los Angeles, dass der Widerstand trotz aller
Fragmentierung über ein mächtiges Instrument verfügt. Die seit 2016
aufgebaute Vernetzung hat die Mobilisierungsfähigkeit der Gruppen enorm
gestärkt – und wie jüngste Wahlen in New York, Tennessee und North Carolina
zeigen, lässt sich das auch in Stimmen an der Wahlurne übersetzen. Eine
neue Generation junger Wähler mobilisiert für Kandidaten wie Mamdani oder
die Progressive Aftyn Behn und erzielt dabei überraschende Erfolge. Der
Widerstand der inhomogenen Linken besitzt damit reale Schlagkraft – und ist
bislang mit zunehmender Härte stärker geworden.
## Nicht Trump zu sein, reicht nicht
Die Demokratische Partei ist mit gemischten Vorzeichen ins neue Jahr
gestartet. Zwar konnte die Partei bei den Kommunal- und Landtagswahlen im
November wichtige Siege einfahren, doch ein Einknicken im Haushaltsstreit
und eine unklare Strategie im Kampf gegen die Agenda von US-Präsident
Donald Trump werfen weiterhin Fragen auf.
Wie die ersten Wochen des Jahres 2026 zeigen, kann bis zu den
Kongresswahlen im November noch viel passieren. Matt Duss vom Center for
International Policy glaubt jedoch, dass die Demokraten dafür einen klaren
Kurswechsel brauchen.
„Die Demokratische Partei muss aufhören, die Partei des Status quo zu sein.
Genau das war sie bisher – und einer der Gründe, warum Kamala Harris
verloren hat. Sie wurde als Verteidigerin etablierter Institutionen und
eines Systems wahrgenommen, das vielen Amerikanern nicht die gewünschten
Ergebnisse lieferte“, sagte Duss, der von 2017 bis 2022 außenpolitischer
Berater des links-progressiven Senators Bernie Sanders war, im Gespräch mit
der taz.
Die Demokraten brauchten lange, um die Niederlage bei den
Präsidentschaftswahlen 2024 gegen Trump zu verdauen. Erfolge bei der
Bürgermeisterwahl in New York sowie den Gouverneurswahlen in Virginia und
New Jersey geben nun jedoch Anlass zur Hoffnung: Demokraten aus
unterschiedlichen Lagern können gewinnen, wenn ihre Botschaft klar und
authentisch ist.
Bei den Wahlen im November lag der Fokus auf dem Thema „Affordability“,
also Bezahlbarkeit. Die steigenden Lebenshaltungskosten in den USA, von
Lebensmitteln über Krankenversicherungsbeitrage bis hin zur Miete, setzten
vielen Menschen schwer zu. Mit der Botschaft, genau dagegen etwas zu
unternehmen, gewann mit Zohran Mamdani ein selbsternannter demokratischer
Sozialist in New York. In New Jersey und Virginia warnen mit Mikie Sherrill
und Abigail Spanberger hingegen zwei Politikerinnen aus der Mitte der
Partei siegreich.
Der demokratische Fraktionschef im Senat, Chuck Schumer, will auf diesen
Erfolgen aufbauen. „Die Amerikaner haben genug von den gescheiterten
Versuchen der Republikaner, die Kosten zu senken. Die Lebenshaltungskosten
werden in diesem Jahr unser Hauptthema sein, denn wir werden uns für die
hart arbeitenden Amerikaner einsetzen und uns gegen die preistreibende
Politik der Republikaner wehren“, sagte er gegenüber Politico.
Obwohl der linke Flügel vielleicht so stark wie noch nie zuvor ist, gibt es
innerhalb der Partei große Unstimmigkeiten über die zukünftige Ausrichtung
der Demokraten. Im Gegensatz zu Republikanern, die nahezu geschlossen
hinter Trump stehen, gibt es bei den Demokraten eine große Vielfalt an
Meinungen.
Dies macht es im Kongress oft schwer, die Fraktion zusammenzuhalten, wie
der Haushaltsstreit, der zum längsten Regierungs-Shutdown in der Geschichte
der USA geführt hatte, im vergangenen Jahr bewies. Bei den Kommunal- und
Landtagswahlen im November war dies jedoch vielleicht sogar ein Vorteil.
Für Duss, der selbst aus dem linken demokratischen Lager kommt, war es ein
Zeichen dafür, dass die Bezeichnungen links, Mitte oder Mitte-rechts
weniger wichtig sind als die Botschaft.
„Es wird für die Demokraten nicht ausreichen, einfach nur zu sagen, dass
sie nicht Trump sind, dass sie nicht die Republikaner sind. Es bedarf
vielmehr überzeugender Argumente dafür, warum das Leben mit Demokraten an
der Macht besser wäre“, sagte Duss. Dies habe die Partei über die Jahre
versäumt.
## Der Trump-Faktor darf nicht außer Acht gelassen werden
Der Trump-Faktor darf bei aller Euphorie über das gute Abschneiden in den
jüngsten Wahlen trotzdem nicht außer Acht gelassen werden. Die Partei des
amtierenden Präsidenten tut sich bei Wahlen außerhalb von
Präsidentschaftswahljahren traditionell schwer. Mit seiner Zollpolitik,
seiner Einwanderungspolitik und seinen militärischen Maßnahmen hat sich
Trump im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit nicht viele Freunde gemacht.
Laut [3][aktuellen Umfragen] sind nur 36 Prozent der Amerikaner mit Trumps
Arbeit zufrieden. Trotz dieser guten Vorzeichen für die Midterms warnt
Duss, dass Demokraten ein positives Abscheiden im November und die
eventuelle Rückeroberung der Kontrolle im US-Kongress nicht überbewerten
sollten.
„Die Gefahr besteht darin, dass, wenn Demokraten gut abschneiden, die
Parteiführung sagt: Seht her, wir müssen nur abwarten, bis Donald Trump und
die Republikaner alles vermasseln. Wir müssen den Menschen keine bessere
Alternative anbieten. Und das wäre ein enormer Fehler“, sagte er.
## Die Justiz als Mittel gegen Trump
US-Präsident Donald Trump hat im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit vieles
von dem umgesetzt, was er im Wahlkampf versprochen hatte. Mit On-off-Freund
Elon Musk und der Behörde für Regierungseffizienz DOGE feuerte er
Zehntausende Regierungsangestellte. In seinem Kabinett und anderen
Regierungspositionen sitzen vor allem Loyalisten. Zudem hat er viele
Regularien im Bereich Klima- und Umweltschutz zurückgenommen und die USA
aus internationalen Organisationen herausgenommen.
Da Republikaner sowohl im US-Repräsentantenhaus als auch im Senat die
Mehrheit besitzen und die Partei bislang nahezu nahtlos zu Trump hält,
haben Demokraten nur wenig Möglichkeiten, gegen diese Politik anzukämpfen.
Da es auf parlamentarischer Ebene aktuell so gut wie unmöglich ist das
Vorhaben der Trump-Regierung zu stoppen, haben sich die Justizminister
vieler demokratischer geführter US-Bundesstaaten dazu entschieden,
rechtliche Schritte gegen Trump einzulegen.
„Der Konflikt zwischen Trump und der Rechtsstaatlichkeit ist wie der
Boxkampf des Jahrhunderts zwischen Ali und Frazier, wie der Thriller in
Manila oder der Rumble in the Jungle. Es ist ein großartiger
Schwergewichtsabtausch“, erklärte Rechtsanwalt Norm Eisen im vergangenen
Jahr im Gespräch mit The Atlantic.
Eisen, der zum Anwaltsteam von Ex-Präsident Barack Obama gehörte, hat seit
dem Start von Trumps zweiter Amtszeit mehr als 100 Gerichtsverfahren gegen
den republikanischen Präsidenten und seine Regierung eingeleitet.
Laut der gemeinnützigen Organisation Just Security wurden in den
vergangenen 12 Monaten 583 Rechtsanträge gegen das Vorgehen von Präsident
Trump eingereicht. Davon sind 231 aktuell aktiv. Die Kläger, zu denen neben
den US-Bundesstaaten auch verschiedene Interessengruppen und Gewerkschaften
gehören, konnten bislang 200 juristische Siege einfahren.
Über 100-mal entschieden die Richter bislang jedoch zugunsten der
Trump-Regierung. Aktuell gewinnen die Kläger also jeden zweiten Fall, der
vor Gericht verhandelt wird. Für die Trump-Regierung ist dies natürlich
eine unzumutbare Situation. Aus Regierungskreisen gibt es deshalb immer
wieder Kritik der angeblichen „richterlichen Tyrannei“ im Justizsystem.
## „Ungeheuerlichster Diebstahl, den man sich vorstellen kann“
„Nicht gewählte, skrupellose Richter versuchen Jahre einer vierjährigen
Amtszeit zu stehlen. Das ist der ungeheuerlichste Diebstahl, den man sich
vorstellen kann“, schrieb Trump Berater Stephen Miller bereits im März des
vergangenen Jahres.
Wie die bisherigen Erfolge vor Gericht bewiesen haben, ist der rechtliche
Widerstand gegen Trump eine der wichtigsten Säulen in der Strategie der
Opposition. „Niemand wird diese Situation unbeschadet überstehen, indem er
den Kopf einzieht“, sagte die Skye Perryman, Präsidentin der
linksgerichteten Rechtsorganisation Democracy Forward, gegenüber Politico.
Zu den bislang wichtigen juristischen Erfolgen aus demokratischer Sicht
gehörten das Urteil, dass DOGE bei der Durchführung von Massenentlassungen
seine rechtliche Autorität überschritten hätten. Auch stoppten Gerichte die
von der Regierung verhängten Kürzungen in Fördermitteln und staatlichen
Zuschüssen für unterschiedliche Programme.
Richter haben außerdem die Nationalisierung und Entsendung von
bundesstaatlichen Nationalgardetruppen zur Verbrechensbekämpfung als
unrechtmäßig bewertet. „Wenn Donald Trump beschließt, die Verfassung zu
verletzen, gegen Gesetze zu verstoßen oder den Menschen in Arizona zu
schaden, werde ich diese Klage einreichen“, erklärte Arizonas
Justizministerin Kris Mayes im November.
Doch auch die Trump-Regierung konnte Siege einfahren. Der Supreme Court
erlaubte, unter anderem, eine Vorschrift, die besagt, dass
Transgender-Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung vom Militär
ausgeschlossen werden können, und die Richter ermöglichten die Abschiebung
illegaler Einwanderer in andere Länder als ihr Herkunftsland. Trotz der
bisherigen rechtlichen Erfolge kann das Justizsystem nur ein Teil der
demokratischen Strategie sei, um gegen Trumps Agenda Widerstand zu leisten.
Wie die Harvard-Politologin Maya Sen erklärt, ist das amerikanische
Justizsystem nicht auf schnelle Entscheidungen ausgelegt – während die
Trump-Regierung rasch Fakten schafft und der Schaden oft bereits entstanden
ist, bevor Gerichte eingreifen. „Die Strategie der Regierung scheint dem
altbekannten Motto der Technologieunternehmen zu folgen: ‚Schnell handeln
und dabei auch mal etwas kaputtmachen‘“, schrieb Sen.
## Popkultur als Gegenmacht
Die Halbzeit-Show beim Superbowl ist die wohl größte Bühne im
amerikanischen Unterhaltungsgeschäft, bei keiner anderen Gelegenheit kann
ein Künstler ein Live-TV-Publikum von mehr als 100 Millionen Menschen
erreichen. Und so ist die Auswahl der Entertainer für das Spektakel immer
auch politisch. Für wen die Football-Liga sich entscheidet, ist
zwangsläufig ein Statement.
So sorgt die Tatsache, dass am 8. Februar im Levi’s Stadium von Santa Clara
Bad Bunny den Ehrenplatz einnimmt, schon seit Monaten für Aufregung. Der
Reggaeton-Musiker mit puertoricanischen Wurzeln zählt zu den erklärtesten
Kritikern von Donald Trump im Pop-Geschäft. Bei seiner Welt-Tournee im Jahr
2025 sparte Bad Bunny dann die USA aus Sorge um seine lateinamerikanischen
Fans aus: „Wir hatten Angst davor, dass vor unseren Konzertsälen fucking
ICE wartet.“ In einem seiner neueren Songs sagt im Hintergrund dann eine
Trump-Stimme: „Ich habe einen Fehler gemacht. Ich möchte mich bei den
Einwanderern in Amerika entschuldigen. Dieses Land ist nichts ohne die
Einwanderer. Dieses Land ist nichts ohne Mexikaner, Dominikaner,
Puerto-Ricaner, Kolumbianer, Venezolaner und Kubaner.“
Auf die [4][Auswahl von Bunny für den Superbowl] hat Trump so reagiert, wie
er meistens auf Kritik aus dem Entertainment-Bereich reagiert: „Ich habe
keine Ahnung, wer er ist. Es ist vollkommen lächerlich, dass die NFL ihn
spielen lässt.“ So wie vorher mit Cher oder Springsteen versuchte Trump
lächerlicherweise die kulturelle Relevanz seiner Kritiker anzuzweifeln. Die
NFL, die mit dem Superbowl vielleicht mehr als jedes andere kulturelle
Ereignis alle Bevölkerungsschichten der USA zusammenbringt, weiß derweil
sehr wohl, wer Bunny ist: Ein junger Superstar, der das weiße
Mainstream-Amerika und die unter Trump unter Druck geratene
lateinamerikanische Bevölkerung zusammenbringt. Und das ist die Botschaft,
welche die sonst nicht eben sehr progressive Sport-Liga verbreiten möchte.
Der Bunny-Auftritt beim Superbowl ist vielleicht das deutlichste Zeichen
dafür, dass Trumps Politik seit der Eskalation der ICE-Einsätze in
amerikanischen Städten die kulturelle Mitte des Landes erreicht hat. Zu
Beginn der zweiten Trump-Amtszeit waren es nur wenige, die sich gegen den
US-Präsidenten weit aus dem Fenster gelehnt haben, unantastbare Ikonen wie
Robert de Niro, Springsteen und auch Arnold Schwarzenegger. Jetzt werden es
immer mehr, die den Mund aufmachen.
Bei der jüngsten Verleihung der Golden Globes, einer Art Generalprobe für
die Oscars, sahnte Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“ vier
Preise ab – ein Film, der unmissverständlich klarmacht, dass der politische
Kampf der 60er Jahre in unserer Zeit weitergehen muss. Nikki Glaser
witzelte unterdessen bei ihrer Rede über die Redaktionskünste des
Justizministeriums bei der Bearbeitung der Epstein-Unterlagen. Und Mark
Ruffalo hatte auf dem roten Teppich vor laufenden Kameras einen
Zornausbruch auf Trump angesichts der Ereignisse in Minneapolis.
Für das Kennedy Center in Washington, [5][das Trump nach sich selbst
benannt hat], finden sich kaum noch Künstler. Nach Absagen von „Hamilton“,
Teilen von „Les Misérables“ und der Martha Graham Company sagten auch
Jazzmusiker Chuck Redd, Komponist Stephen Schwartz, das Broadway-Stück
„Eureka“ und Sängerin Rhiannon Giddens ab. Übrig blieben bislang Sylvester
Stallone, der letzte überlebende Sänger von Kiss und Countrymusiker George
Strait.
Die Frage bleibt, wie stark der Einfluss von Stars und Künstlern auf
Politik und Wählerverhalten tatsächlich ist. Zwar verlor Kamala Harris
trotz prominenter Unterstützung die Wahl, doch eine Harvard-Studie von 2024
zeigt: Popstars entscheiden keine Wahlen, können aber die Akzeptanz von
Kandidaten, besonders bei jungen Wählern, erhöhen – etwas, das schon Barack
Obama mit sorgfältig kuratierten Playlists nutzte und das auch New Yorks
Bürgermeister Zohran Mamdani gezielt einsetzt.
Dass ihm eine solche kulturelle Glaubwürdigkeit fehlt, weiß Trump und es
stört ihn mächtig. Er kann es sich nicht verkneifen, jede Pop-Figur zu
attackieren, die sich gegen ihn ausspricht. Gleichzeitig hat er sich die
Unterstützung von Rappern wie Lil Wayne und Kodak Black gesichert, indem er
sie begnadigte, und auch Snoop Dogg ist Trump gegenüber offener, seit
dieser dem Mitbegründer seines Death-Row-Labels, Harry „O“ Harris, die
Haftstrafe erließ.
So bleibt der Propagandakrieg um die Gunst von Pop- und Kulturgrößen im
Amerika Donald Trumps durchaus relevant. Die Übertragung von kulturellem
Kapital auf Politiker bleibt unstrittig. Als Show-Persönlichkeit mit einem
ausgeprägten Instinkt für seine Außenwahrnehmung weiß Donald Trump das
genau. Und er wird in diesem Kampf umso aggressiver, desto mehr er das
Gefühl hat, ihn zu verlieren.
20 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Toetung-von-Renee-Good-Auch-fuer-Trump-Anhaenger-scheint-die-Grenze-ueberschritten/!6143882
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