# taz.de -- Israel geht gegen UNRWA vor: Im Klassenzimmer bleibt es dunkel
       
       > Ein neues israelisches Gesetz verbietet es Wasser- und Stromanbietern,
       > UNRWA-Einrichtungen zu versorgen. Das hat nun Konsequenzen – etwa für
       > Schulen.
       
 (IMG) Bild: Die Schüler bleiben zu Hause, der Strom bleibt aus: das UNRWA-Zentrum in Kalandia
       
       taz | Am Ende kommen Baha Awad die Tränen. Er arbeitet seit 23 Jahren im
       Ausbildungszentrum des Palästinenserhilfswerks der Vereinten Nationen
       (UNRWA) in Kalandia, gelegen zwischen [1][Jerusalem] und Ramallah. Seit
       vier Jahren ist der 50-jährige Palästinenser der Schulleiter. Als am
       Mittwoch Mitarbeiter des Stromversorgers Jerusalem District Electricity die
       Energieversorgung abstellen, kann Baha Awad nur zusehen. „Sie hätten
       zumindest warten können, bis die Schüler ihr Ausbildungsjahr abgeschlossen
       haben“, sagt er.
       
       Die Tischler- und Metallwerkstätten auf dem weitläufigen Gelände bei
       Jerusalem liegen nun verlassen da. Die mehr als 325 Auszubildenden im Alter
       von 15 bis 19 hat Awad aus Sorge um ihre Sicherheit nach Hause geschickt:
       Die israelische Armee operiert seit Anfang der Woche in der Nachbarschaft.
       
       Im Trainingszentrum startet ein Techniker einen alten Generator. Für einen
       Moment ziehen stinkende Dieselschwaden über das Gelände. Das vor mehr als
       70 Jahren gegründete Ausbildungszentrum bietet Kurse für Klempner,
       IT-Techniker oder Mechatroniker an. Laut Awad liegt die Anstellungsrate der
       Absolventen bei rund 80 Prozent – angesichts der hohen Arbeitslosigkeit im
       von Israel besetzten Westjordanland ein Erfolg.
       
       Bereits 2024 hatte das israelische Parlament zwei Gesetze erlassen, die die
       Arbeit der UNRWA in den von Israel kontrollierten Gebieten beenden sollen.
       Vergangenen Oktober stellte der Internationale Gerichtshof (IGH) fest, die
       Regierung in Jerusalem sei völkerrechtlich verpflichtet, die Arbeit von
       UNRWA und anderen Hilfsorganisationen zuzulassen und zu unterstützen. Das
       Gutachten ist nicht rechtsbindend.
       
       ## UNRWA-Hauptquartier in Ostjerusalem abgerissen
       
       Seit Januar hat Israel sein Vorgehen gegen die mit 17.000 Mitarbeitern
       größte Hilfsorganisation in den palästinensischen Gebieten verstärkt. Am
       20. Januar begannen von Polizisten begleitete Bagger mit dem Abriss [2][des
       UNRWA-Hauptquartiers in Ostjerusalem]. Ein neues Gesetz von Ende Dezember
       verbietet es Wasser- und Stromanbietern, UNRWA-Einrichtungen zu versorgen.
       [3][Mehrere Gesundheitszentren und Schulen in der Jerusalemer Altstadt] und
       im Flüchtlingslager Shuafat mussten in den vergangenen Wochen somit
       schließen.
       
       „Insgesamt sind rund 900.000 Menschen aus dem Westjordanland und in
       Ostjerusalem bei UNRWA registriert. 270.000 von ihnen nehmen medizinische
       Leistungen in Anspruch, dazu kommen 48.000 Schüler von der ersten bis zur
       neunten Klasse“, sagt UNRWA-Sprecherin Abeer Ismail. Israel mache nun Druck
       auf Unternehmen, die Zusammenarbeit einzustellen. Fahrten in
       UNRWA-Fahrzeugen zwischen den Standorten seien wegen israelischer
       Checkpoints bereits jetzt unmöglich. Der Lokaldirektor der Organisation,
       Roland Friedrich, darf seit fast einem Jahr nicht mehr einreisen.
       
       Israel bezeichnet das UN-Hilfswerk als von der Hamas unterwandert, hat
       dafür bisher aber kaum Beweise vorgelegt. Nur bei wenigen Mitarbeitern im
       Gazastreifen ließ sich das tatsächlich belegen: Nach Hinweisen über deren
       Beteiligung an dem Überfall in Israel am 7. Oktober 2023 entließ UNRWA neun
       Mitarbeiter.
       
       Einzelne Mitarbeiter hatten außerdem mit politischen Aussagen in sozialen
       Medien gegen das Gebot der Unparteilichkeit von UN-Organisationen
       verstoßen. [4][Eine Unterwanderung, wie von Israel behauptet,] sahen auch
       die IGH-Richter hingegen nicht belegt. Ein weiterer Vorwurf waren zudem
       problematische Inhalte in Schulbüchern. Das bestätigte auch eine
       Untersuchungskommission des UN-Generalsekretärs.
       
       ## UNRWA-Schulleiter Baha Awad will weitermachen
       
       Die israelische Regierung nimmt indes weitere Hilfsorganisationen ins
       Visier. Ärzte ohne Grenzen, Oxfam und 35 andere in den palästinensischen
       Gebieten tätige internationale NGOs sollen bis Ende Februar ihre Arbeit
       einstellen. Viele der betroffenen Organisationen hatten sich geweigert,
       Mitarbeiterlisten von Angestellten im Gazastreifen mit den israelischen
       Behörden zu teilen. Binnen zweieinhalb Jahren waren dort bei Angriffen der
       israelischen Armee [5][mehr als 500 humanitäre Helfer getötet] worden.
       
       Schulleiter Awad im Ausbildungszentrum von Kalandia will weitermachen,
       solange es geht. Mit einem Generator könne die Schule rund sechs Stunden
       pro Tag versorgt werden. Was passieren wird, wenn Israel wie angekündigt
       auch das Wasser abstellen lässt, weiß Awad nicht zu sagen.
       
       30 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Wellisch
       
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