# taz.de -- Siedlergewalt im Westjordanland: Najat Jadallah, 62 Jahre alt, Schädelbruch
       
       > Eine ältere christliche Palästinenserin wird von israelischen Siedlern
       > verletzt. Immer mehr Christ*innen im Westjordanland berichten von
       > Attacken.
       
 (IMG) Bild: Ein israelischer Soldat bewacht die Einweihungszeremonie der jüdischen Siedlung Yatziv nahe Beit Sahour am 19. Januar 2026
       
       Eine Frau mittleren Alters liegt mit geschlossenen Augen in einem
       Krankenhausbett, einen Infusionszugang in der rechten Hand, weiße Bandagen
       umhüllen ihren Kopf und ihr linkes Bein. Dieses Bild hat am Wochenende für
       Empörung in der christlichen Gemeinschaft gesorgt – bis weit über die
       palästinensischen Gebiete gesorgt.
       
       Die Frau auf dem Bild ist die 62-jährige Najat Emil Jadallah, eine
       christliche Palästinenserin. Am Samstag haben [1][radikale Siedler] laut
       Medienberichten ihr Haus im Dorf Birzeit nördlich der De-facto-Hauptstadt
       Ramallah angegriffen und die Bewohner*innen mit Steinen beworfen.
       Jadallah erlitt einen Schädelbruch sowie mehrere Brüche am Bein.
       
       „Ich habe Schmerzen. Sie haben mich geschlagen. Es tut so weh“, murmelt sie
       in einem Interview des [2][katarischen Senders Al Jazeera] aus ihrem
       Krankenhausbett. Laut der Rekonstruktion der Tochter kamen die Siedler
       zunächst mit ihren Schafen auf das Land der Familie. Jadallah habe sie
       angeschrien, daraufhin habe ein Siedler sie getreten und ihr mit einem
       Stein auf den Kopf geschlagen. Dann habe er nach Verstärkung gerufen und
       die Tür des Hauses der Familie eingeschlagen. Dort seien noch immer Dellen
       zu sehen.
       
       Palästinensische Nachbarn eilten dann laut Medienberichten zu Hilfe und
       warfen Steine auf die Siedler. Schließlich erreichten israelische
       Streitkräfte das Haus, warfen Tränengas und nahmen drei Palästinenser fest,
       unter ihnen Jadallahs Sohn. Vier Palästinenser wurden verletzt. Das
       israelische Militär teilte auf Nachfrage mit, die Palästinenser hätten
       Steine auf Israelis geworfen und einen leicht verletzt. Die Streitkräfte
       hätten daraufhin einen Mann festgenommen.
       
       Die E[3][vangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land]
       verurteilte die Tat „scharf“. Und bestätigte: Die Verletzte sei die Mutter
       eines Lehrers an einer christlichen Schule in Ramallah. In einer
       Stellungnahme schrieb sie: „Wir bleiben in gebetsvoller Solidarität mit den
       Familien, dem Schulumfeld und all denen, die von dieser schweren
       Ungerechtigkeit gegen Menschenleben betroffen sind.“
       
       ## Neue Siedlung im christlich geprägten Dorf Beit Sahour
       
       Seit Monaten gibt es immer mehr Angriffe radikaler Siedler auf die
       christliche Gemeinschaft im Westjordanland. [4][Als die taz im August und
       erneut im Dezember das Dorf Taybeh besuchte], klagten mehrere Einwohner
       über zunehmende Attacken und Provokationen. Das Phänomen habe es früher so
       nicht gegeben.
       
       Neben der Zahl der Angriffe steigt auch die der Siedlungen: In Beit Sahour,
       einem christlich geprägten Dorf drei Kilometer östlich von Bethlehem, haben
       Siedler Ende des vergangenen Jahres Land für den Aufbau eines neuen,
       illegalen Außenpostens besetzt. Das Gebiet war einst für ein
       Kinderkrankenhaus gedacht, nun parken Caravans darauf. Brandneue
       Fertighäuser thronen auf der Hügelspitze. Einwohner*innen sagen, das
       Land habe früher mehreren Familien aus ihrem Dorf Beit Sahour gehört.
       
       [5][Vor einer Woche hat die israelische Regierung den Außenposten
       nachträglich legalisiert] und auf den Namen Yatziv getauft. Bei der
       Zeremonie sagte Finanzminister Bezalel Smotrich: „Wir werden ewig hier
       sein. [6][Hier wird niemals ein palästinensischer Staat entstehen.]“
       
       Immer mehr [7][Christ*innen in den palästinensischen Gebieten] denken
       offenbar darüber nach auszuwandern. Laut einer Studie des
       Forschungsinstituts Palestinian Center for Policy and Survey Research aus
       dem Jahr 2020 ist die Zahl doppelt so hoch wie unter Muslim*innen. Ebenso
       ist der Anteil der Christ*innen an der palästinensischen
       Gesamtbevölkerung in den Jahren stetig gesunken. Das liegt etwa an
       niedrigeren Geburtsraten, aber auch an der steigenden Emigration jünger
       Menschen.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Westjordanland/!6056674
 (DIR) [3] /Weihnachten-im-Westjordanland/!5979190
 (DIR) [4] /Siedler-im-Westjordanland/!6111420
 (DIR) [5] https://www.timesofisrael.com/settler-movement-celebrates-speedy-legalization-of-outpost/
 (DIR) [6] /Religioese-Siedler-im-Westjordanland/!6111285
 (DIR) [7] /Adventszeit-in-Palaestina/!6137478
       
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