# taz.de -- Fördermittelaffäre der Berliner CDU: Staatlich geförderte Hasspredigerin
       
       > Die Aktivistin Maral Salmassi soll im Auftrag des Senats Antisemitismus
       > bekämpfen. Dabei hetzt sie selbst gegen Juden, kritisiert ein
       > Grünen-Politiker.
       
 (IMG) Bild: Maral Salmassi Mitte Januar 2026 in Berlin
       
       Maral Salmassi ist wohl die schillerndste Figur in der Fördermittelaffäre
       um die Berliner CDU, mit der sich derzeit ein Untersuchungsausschuss
       beschäftigt. In den sozialen Medien teilt sie heftig gegen „woke“ Linke und
       Muslime aus. Sie verachtet den Islam, den sie mit dem Nationalsozialismus
       vergleicht, Palästinenser:innen entmenschlicht sie zu „Pali-Orks“ –
       einem bösartigen Volk aus Fantasyromanen.
       
       Aber auch linke und liberale Jüdinnen und Juden sind ihr schon länger ein
       Dorn im Auge. Den Philosophen Omri Boehm, den Journalisten Peter Beinart,
       die Gendertheoretikerin Judith Butler sowie die Genozidforscher Amos
       Goldberg und Raz Segal hat sie allesamt als „Token“ bezeichnet – also reine
       Alibijuden – und ihnen indirekt ihr Jüdischsein abgesprochen. Der
       mutmaßliche Grund: deren israelkritische Haltung.
       
       Nun ist ein Tweet aus dem Februar 2025 von Salmassi aufgetaucht, in dem sie
       über den jüdischen Milliardär George Soros schreibt: „Soros ist und war
       immer ein Parasit.“ Dies sei eine „eindeutig antisemitische Aussage“, sagte
       der Grünen-Lokalpolitiker Daniel Eliasson der taz, der bei der kommenden
       Abgeordnetenhauswahl in Steglitz kandidiert. „Als Jude empfinde ich es als
       blanken Hohn, dass die Berliner CDU dieser Person 390.000 Euro für den
       Kampf gegen Antisemitismus zur Verfügung stellt.“
       
       Auch in den sozialen Netzwerken hat die Äußerung Empörung ausgelöst. Der
       Autor Max Czollek sprach von einem „Antisemitismusproblem“, das es in
       Berliner CDU offenbar gebe. Schon länger reißt in der Fördergeldaffäre die
       Kritik nicht ab, dass die Berliner CDU Fördergelder an Träger vergeben
       habe, die zum Zeitpunkt der Geldvergabe gar keine Referenzen im Kampf gegen
       Antisemitismus besessen haben, während etablierte Initiativen und Vereine
       leer ausgingen – wohl, weil diese der CDU zu rassismuskritisch waren.
       
       ## Die Zehlendorf-Connection
       
       Maral Salmassi ist Gründerin des „Zera Institute“, das im Dezember 2024 ins
       Leben gerufen wurde. Darüber hinaus sitzt sie im Vorstand des
       CDU-Ortsverbands Berlin-Lichterfelde zusammen mit Christian Goiny,
       Haushaltspolitiker seiner Partei. Goiny steht unter Verdacht, dafür gesorgt
       zu haben, dass das bis dato völlig unbekannte Institut ohne inhaltliche
       Prüfung eine sechsstellige Summe an Steuergeldern erhielt – ausgezahlt von
       der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dieses
       unterstand zunächst dem Kurzzeitsenator Joe Chialo (CDU), bis im Mai 2025
       Sarah Wedl-Wilson dessen Nachfolge antrat.
       
       Insgesamt gingen 2 Millionen Euro an 27 Projekte, die sich gegen
       Antisemitismus richten sollen, von denen viele aber recht dubios sind. Die
       zweitgrößte Summe aus einem eigens eingerichteten Fördertopf für „Projekte
       von besonderer politischer Bedeutung“, die sich gegen Antisemitismus
       einsetzen sollen, erhielt das „Zera Institute“. Es bekam das Geld, obwohl
       es zu diesem Zeitpunkt weder über Eigenmittel noch über einschlägige
       Expertise oder Meriten auf diesem Feld verfügte.
       
       Salmassi dagegen tritt schon länger in der Öffentlichkeit auf. Die
       gebürtige Iranerin hat auf Instagram 39.000 Follower, auf X über 46.000.
       Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2024
       retweetete Elon Musk ein Video von ihr, das viral ging. Darin verbreitete
       sie ohne jeden Beleg die Verschwörungstheorie, der Attentäter sei gar kein
       rechtsextremer Islamhasser und Fan von Musk und der AfD, als der er sich im
       Netz darstellte, sondern in Wahrheit ein Islamist, der sich bloß verstellt
       habe.
       
       Sympathien hegt Salmassi für Israel und die iranische Monarchie: der
       ehemalige Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlavi, sei gar kein so übler
       Folterknecht gewesen, als der er von Linken im Westen und von iranischen
       Kommunisten dargestellt worden sei, meint sie, und sein Sohn Reza Pahlavi
       sei ein Hoffnungsträger.
       
       ## Bisher kaum Aktivitäten
       
       Bis Ende 2025 hatte das „Zera Institute“ nur ein paar ehemalige
       Techno-DJanes und Teilzeitmodels aus der Clubszene als Personal rekrutiert,
       wie das Magazin Spiegel recherchierte. Der Artikel schreckte Salmassi auf.
       In einer Pressemitteilung wies sie noch am Erscheinungstag die Vorwürfe
       zurück, witterte eine „Kampagne“ und unterschwelligen Sexismus und verwies
       auf einen „Expertenrat“, der ihr Institut berate und sie in ihren Augen
       über jeden Zweifel erhebt.
       
       Dem Rat gehören die Publizistin Seyran Ateş an, der Hamburger CDU-Politiker
       Ali Ertan Toprak und Sigmount A. Königsberg, der Antisemitismusbeauftragte
       der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Alle drei nahmen im Dezember auch an zwei
       „internen Expertenrunden“ teil, die das „Zera Institute“ mit Fotos auf
       seiner Webseite dokumentiert. Diesem „Expertenrat“ scheinen Salmassis
       Hasspredigten gegen Linke, Muslime und Jüd*innen aber offenbar entgangen
       zu sein.
       
       Die Vorwürfe gegen Salmassi hielten den Publizisten Ahmad Mansour und
       seinen Kompagnon, den ARD-Journalisten Oliver Mayer-Rüth, auch nicht davon
       ab, Salmassi Anfang Januar in ihren Podcast „Kaffee, extra schwarz“
       einzuladen. Dort polemisierten alle drei gegen junge Mädchen, die aus
       religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, und sprachen sich dafür aus, es an
       Schulen für unter 14-Jährige zu verbieten – so wie es die konservativ
       geführte Regierung in Österreich kürzlich verfügt hat.
       
       Seit Jahresbeginn hat das „Zera Institute“ nun begonnen, erste
       öffentlichkeitswirksame Aktivitäten zu entfalten. Es lud eilig zu
       Workshops, Vorträgen und „Expertenrunden“ ein, zu „jüdischer Literatur“ und
       „radikalen Narrativen“ sowie zu Antisemitismus. „Ich würde Frau Salmassi
       empfehlen, selbst an Bildungsmaßnahmen gegen Antisemitismus und
       Verschwörungsideologien teilzunehmen, bevor sie sich die Leitung einer
       Einrichtung zur Antisemitismusprävention zutraut“, meint dagegen der
       Grünen-Politiker Eliasson. „Es braucht jetzt schonungslose Aufklärung
       darüber, ob weitere Personen mit solchem Gedankengut im Auftrag der
       Berliner CDU gefördert wurden.“
       
       12 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bax
       
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