# taz.de -- Soziale Medien bei Frankreichs Jugend: Tiktok, Snapchat, Instagram – c’est fini
       
       > Frankreichs Gesetzgeber will wie zuvor Australien die Jugendlichen mit
       > einem Verbot vor den sozialen Netzwerken schützen. Nicht alle finden das
       > gut.
       
 (IMG) Bild: Paris, 26. Januar: die Abgeordneten Laure Miller und Alexandre Portier während der Parlamentsdebatte über soziale Medien
       
       Die Abgeordneten der [1][französischen] Nationalversammlung haben in erster
       Lesung ein Gesetz verabschiedet, das Jugendlichen unter 15 Jahren den
       Zugang zu den [2][Netzwerken wie Tiktok, Snapchat und Instagram] verbietet.
       Außerdem wird die Verwendung der Mobiltelefone nun auch in der Oberstufe
       der Mittelschulen, dem Lycée, weitgehend eingeschränkt. Die Vorlage, die in
       bestimmten Teilen möglicherweise gegen die EU-Regeln verstößt, geht nun an
       den Senat.
       
       Der Gesetzestext sieht explizit vor, dass „der Zugang zu sozialen
       Netzwerkdiensten von Onlineplattformen für Jugendliche unter 15 Jahren
       untersagt wird“. Eine solche Altersbeschränkung bei der Nutzung dieser
       Netzwerke mit ihren (zum Teil nicht jugendfreien) Inhalten möchte die
       Regierung, wenn möglich, ab dem nächsten Schulbeginn Anfang September in
       Kraft setzen. Eine systematische und „effiziente“ Überprüfung des Alters
       aller NutzerInnen, auch bei bereits bestehenden Konten, soll ab Januar 2027
       wirksam werden.
       
       Den Netzwerken und Plattformen wird mit sehr abschreckenden „Sanktionen“
       gedroht, sollten sie diese neuen Regeln nicht respektieren. Strafzahlungen
       könnten auch auf „bis zu 6 Prozent der Umsätze“ belaufen. Nicht ganz klar
       ist, ob damit auch Plattformen wie Youtube oder auch Webserver gemeint
       sind. Wegen der mangelnden Präzision könnten die französischen
       Verfassungsrichter oder auch die EU gewisse Bestimmungen für ungültig
       erklären.
       
       ## Mobiltelefon in Frankreichs Schulen bereits verboten
       
       Heute ist in Frankreich das Mobiltelefon bereits grundsätzlich aus den
       Grundschulen und der Sekundarstufe I verbannt. Mit dem neuen Gesetz soll
       die bisherige Omnipräsenz der Smartphones auch in den Lycées reduziert
       werden. Interne Regeln sollen dort mögliche Ausnahmen definieren. Im
       Prinzip aber wären die Mobiltelefone aus dem Unterricht, den Klassenzimmern
       und auch den Korridoren der Schule verbannt, und nur noch in draußen im
       Schulhof toleriert.
       
       „Weil die Hirne unserer Kinder nicht zu verkaufen sind. Weder an
       amerikanische Plattformen noch an chinesische Netzwerke“, freut sich –
       selber online – der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Er hatte
       seit Längerem restriktive Maßnahmen in diesem Bereich verlangt. Er dürfte
       hoffen, dass ein vom Parlament abgesegnetes Jugendschutzverbot sozialer
       Medien seine sonst magere innenpolitische Erfolgsbilanz verbessert.
       
       Nicht alle sind gleichermaßen erbaut von der Vorlage, die von der
       Nationalversammlung spät am Montagabend und mit einer spärlichen Präsenz
       von Abgeordneten mit 130 gegen 21 Stimmen angenommen wurde. Gegen dieses
       gesetzliche Verbot waren namentlich Abgeordnete der linken La France
       insoumise (FI). Sie betrachten diese Restriktionen als zu „vereinfachend“,
       als „Freiheitsbeschränkung“ und, wie ihr Sprecher Arnaud Saint-Martin
       meinte, als eine „Form eines digitalen Paternalismus“.
       
       Bedenken bezüglich des Nutzens und der Wirksamkeit und auch zusätzlicher
       Gefahren äußert in der Zeitung Les Échos auch die
       Cybersecurity-Spezialistin Yasmina Douadi: „Die Altersüberprüfung fördert
       bloß den Transfer von Millionen von Personendaten an andere Anbieter, deren
       Sicherheitsniveau uns nicht bekannt ist.“
       
       Um die Jugendlichen besser vor einer Abhängigkeit, vor Mobbing via Internet
       und schädlichen Inhalten zu schützen, empfiehlt sie: „Es ist vorab Aufgabe
       des Staates, mit Kampagnen die Eltern dazu zu bringen, die vielen
       verfügbaren Kontrollinstrumente zu nutzen.“
       
       Nicht sehr ermutigend für die französischen Gesetzgeber [3][sind die ersten
       Erfahrungen mit einem Verbot in Australien, das in der Debatte genannt
       wurde]. Dort zeigt sich nämlich, dass die Jugendlichen unter 16, denen der
       Zugang durch eine Altersüberprüfung untersagt wird, diese Hürde leicht
       umgehen oder auf sonst auf andere, bisher weniger bekannt Netzwerke
       ausweichen. Das hat indes die französischen Abgeordneten nicht gestört. Sie
       betrachten ihre Vorlage als „erste Etappe“.
       
       27 Jan 2026
       
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