# taz.de -- Social-Media-Verbot in Spanien: Kein Instagram, Tiktok und Co für Minderjährige
> Spaniens Regierung unter Premier Sanchez will soziale Medien für unter
> Sechzehnjährige verbieten. Kritik kommt von Elon Musk und der
> rechtsextremen Vox.
(IMG) Bild: „Die Gehirne unserer Kinder sind nicht verkäuflich'‘
Spaniens Regierungschef kennt seinen Cervantes: „Lass die Tech-Oligarchen
bellen, Sancho, das ist ein Zeichen dafür, dass wir reiten“, veröffentlicht
Pedro Sánchez auf X einen leicht abgewandelten Satz aus „Don Quijote“. Der
Chef der Regierungskoalition aus seinen Sozialisten und den
Linksalternativen antwortete damit sowohl dem [1][X-Besitzer und reichsten
Mann der Welt Elon Musk] als auch Telegram-Chef Pavel Durov.
Der erste hatte Sánchez als „dreckig“, „Tyrann“, „Verräter am spanischen
Volk“ und „echten faschistischen Totalitären“ beschimpft, der andere wirft
ihm vor, nach „totaler Kontrolle“ zu streben. Durov, der in Frankreich ein
Verfahren wegen Verbreitung von Kinderpornografie, organisiertem Verbrechen
und Vertrieb von Drogen über seine Plattform anhängig hat, warnte einen
Großteil der spanischen Telegram-Nutzer mit einer Nachricht vor der „Gefahr
für die Freiheit im Internet“.
Die beiden Plattformbesitzer reagieren damit auf Sánchez’ Ankündigung, die
sozialen Netzwerke für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verbieten zu
wollen. Die Jugendlichen sollen so vor Manipulation durch den Algorithmus
und Propaganda geschützt werden.
„Die soziale Medien sind zu einem gescheiterten Staat geworden, in dem
Gesetze ignoriert und Verbrechen toleriert werden“, begründete Sánchez vor
wenigen Tagen seine Pläne, die Netzwerke für Jugendliche zu schließen, und
fügte hinzu: „Wir werden sie vor dem digitalen Wilden Westen schützen.“
## Ähnliche Modelle in Australien und Frankreich
Sánchez ist mit dieser Idee nicht alleine. Australien hat seit Dezember ein
entsprechendes Gesetz für unter 16-Jährige. Dort haben – laut
Internetaufsichtsbehörde – die Social-Media-Unternehmen dank der neuen
Richtlinien rund 4,7 Millionen Konten von Menschen unter 16 Jahren
gelöscht. [2][Frankreich bereitet ein ähnliches Gesetz vor.]
„Die Gehirne unserer Kinder sind nicht verkäuflich – weder an amerikanische
Plattformen noch an chinesische Netzwerke. Denn ihre Träume dürfen nicht
von Algorithmen diktiert werden“, lautet dort die Begründung. Auch in
Österreich sorgt das Thema für Debatten.
Algorithmen bedienen bei Usern das, wonach sie am meisten suchen. Ein
deprimierter Mensch wird mit mehr deprimierendem Material versorgt. Wer
nach Hassparolen sucht, bekommt sie haufenweise angeboten. Rechtsextreme
Parteien nutzen dies aus, um Kinder und Jugendliche zu ködern.
Seit Musk X besitzt, nimmt dort die Hasspropaganda zu. Ein weiteres Problem
ist die künstliche Intelligenz. In Spanien wird etwa geprüft, wieweit gegen
Musks Chatbot Grok vorgegangen werden kann, der zuletzt in der Kritik
stand, weil sich damit [3][Fake-Nacktbilder von realen Personen] erstellen
lassen.
## Kritik von rechtsextremer Vox
Während Sánchez Zustimmung von Psychologen, Eltern- und Lehrerverbänden
erhält, protestierte die rechtsextreme spanische Partei Vox. „Sánchez will
genau jene Menschen zum Schweigen bringen und zensieren, die er ausbeutet
und verrät“, erklärt Vox-Chef Santiago Abascal. Der angebliche Schutz von
Minderjährigen sei nur ein Vorwand, denn „in Wirklichkeit sexualisieren sie
Minderjährige schon früh, indoktrinieren sie mit Genderideologie“.
Minderjährige bräuchten viel eher Zugang zu sozialen Medien, um
„Regierungspropaganda“ entlarven zu können. Vox nutzt geschickt Tiktok um
ihre Ausländer-, Frauen- und LGTBI-feindliche Ideologie zu verbreiten.
Das schwierigste Problem wird wohl die Altersbestimmung der Nutzer. Dies
wäre unter anderem mit biometrischen Daten wie Gesichtserkennung möglich.
„Allein der Gedanke, dass die großen Plattformen über Datenbasen mit
Informationen über die Gesichter ihrer User verfügen, ist erschreckend“,
schreibt die Tageszeitung La Vanguardia aus Barcelona. Die spanischen
Behörden arbeiten seit 2024 an einer App, um den Zugang zu Pornoseiten über
das Alter zu beschränken. Diese könnte auch für die Netzwerke benutzt
werden – wenn sie denn fertig würde.
5 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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