# taz.de -- Welthandel: EU und Indien einigen sich auf Handelsdeal
> Die EU hat die Verhandlungen für ein weiteres großes Freihandelsabkommen
> abgeschlossen. Vor allem die deutsche Autoindustrie soll profitieren.
(IMG) Bild: Der indische Ministerpräsident Narendra Modi (M.) begrüßt António Costa (l.) und Ursula von der Leyen
dpa | Die EU und [1][Indien] haben die Verhandlungen über den Aufbau
[2][einer riesigen neuen Freihandelszone abgeschlossen]. Das teilten
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premierminister
Narendra Modi in Neu-Delhi mit.
Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von
Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und Indien angekurbelt werden.
Ziel ist es, Wachstum und Arbeitsplätze zu fördern und zugleich
unerwünschte Abhängigkeiten von anderen Staaten zu reduzieren. Vor dem
Hintergrund der aggressiven Zoll- und Handelspolitik der USA und dem
zunehmenden Machtstreben Chinas gilt das Abkommen zudem auch als
geopolitisch bedeutsamer Schritt.
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sagte: „Die EU und Indien schreiben
heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den größten
Demokratien der Welt.“ Man schaffe eine Freihandelszone mit zwei Milliarden
Menschen, von der beide Seiten wirtschaftlich profitieren würden. Zudem
sende man das Signal in die Welt, dass regelbasierte Zusammenarbeit
weiterhin hervorragende Ergebnisse liefere.
## Markt mit fast zwei Milliarden Menschen
Das Abkommen wird zwar nicht so umfassend sein wie jenes, das die
Europäische Union zuletzt mit den [3][Mercosur]-Staaten Brasilien,
Argentinien, Uruguay und Paraguay geschlossen hat. Angesichts der Größe des
indischen Marktes ist es dennoch eines der größten, die bislang vereinbart
wurden.
Indien ist noch vor China mit mehr als 1,45 Milliarden Einwohnern das
bevölkerungsreichste Land der Welt. In der EU leben rund 450 Millionen
Menschen. Gemeinsam repräsentieren beide Seiten nahezu ein Viertel des
weltweiten BIP und der Weltbevölkerung.
## Autobauer können auf Zollabbau hoffen
Angaben der EU zufolge könnte von dem Abkommen insbesondere die deutsche
Autoindustrie profitieren, da Indien den Import von Fahrzeugen aus der EU
bislang mit Zöllen von bis zu 110 Prozent belastet. Diese sollen nun
zumindest für 250.000 Fahrzeuge pro Jahr schrittweise auf 10 Prozent
gesenkt werden, während sie für Autoteile nach fünf bis zehn Jahren
vollständig abgeschafft werden. Auch Zölle von bis zu 44 Prozent auf
Maschinen, 22 Prozent auf Chemikalien und 11 Prozent auf Pharmazeutika
würden weitgehend beseitigt, heißt es.
Ähnliche Proteste wie beim Mercosur-Abkommen sind nicht zu erwarten, da das
Abkommen für hiesige Landwirte sensible Bereiche nicht einbeziehen soll.
„Empfindliche europäische Agrarsektoren werden vollständig geschützt, da
Produkte wie Rindfleisch, Geflügelfleisch, Reis und Zucker von der
Liberalisierung im Rahmen des Abkommens ausgenommen sind“, teilte die
EU-Kommission mit. Alle indischen Einfuhren müssten zudem weiterhin die
strengen Gesundheits- und Lebensmittelsicherheitsvorschriften der EU
einhalten.
Zugleich betont die EU, dass sich für europäische Landwirte neue Chancen in
Indien eröffnen. Demnach werden etwa indische Zölle auf Wein bei
Inkrafttreten des Abkommens auf 75 Prozent gesenkt und später dann auf bis
zu 20 Prozent reduziert. Die Zölle auf verarbeitete Agrarprodukte wie Brot
und Süßwaren von bis zu 50 Prozent sollen ganz abgeschafft werden.
## EU sieht enormes Potenzial
Zum Potenzial der Handelsbeziehungen zwischen der EU und Indien teilte die
EU mit, es werde erwartet, dass das Abkommen bis 2032 zu einer Verdoppelung
der EU-Exporte nach Indien führen werde, indem Zölle auf 96,6 Prozent des
Wertes der EU-Warenexporte nach Indien abgeschafft oder gesenkt würden.
Insgesamt würden die Zollsenkungen Einsparungen von rund vier Milliarden
Euro pro Jahr an Abgaben auf europäische Produkte ermöglichen. Nach
EU-Angaben sind bereits heute mehr als 6.000 europäische Unternehmen in
Indien vertreten.
Eine EU-Beamtin in Brüssel sagte, der Handel mit Indien mache bislang nur
rund 2,5 Prozent des gesamten EU-Warenhandels aus – im Vergleich zu knapp
15 Prozent bei China. Trotz vergleichsweise hoher Zölle auf indischer Seite
sei der Handel zwischen der EU und Indien in den letzten zehn Jahren
bereits um fast 90 Prozent gewachsen
## Unterzeichnung des Deals
Bis das Abkommen unterzeichnet werden kann, dürfte es noch einige Zeit
dauern. Grund ist, dass der Vertragstext noch rechtlich überprüft und in
alle Amtssprachen der EU übersetzt werden muss. Anschließend muss er zudem
noch von den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament gebilligt
werden.
Mit der fünftgrößten Volkswirtschaft gab es schon von 2007 bis 2013
Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Damals scheiterten die
Gespräche jedoch und wurden erst 2022 wieder aufgenommen. Das Interesse an
einer Einigung erhöhte sich zuletzt auf beiden Seiten angesichts des
Verhaltens Trumps.
[4][Auf indische Produkte erheben die USA inzwischen Zölle in Höhe von 50
Prozent], einschließlich der 25 Prozent wegen Handelsgeschäften ihres
Partners mit Russland. Indien, das gute Beziehungen zu Moskau wie zum
Westen pflegt, bezieht einen Großteil seines Öls und Gases aus Russland,
das wiederum die Einnahmen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt.
27 Jan 2026
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