# taz.de -- EU-Freihandelsabkommen mit Indien: „Gegen eine Spirale des Protektionismus“
       
       > Neuer Partner, neue Hoffnung: Derzeit macht Indien nur rund 2,5 Prozent
       > des gesamten EU-Warenhandels aus. Das Volumen soll sich nun verdoppeln. 
       
 (IMG) Bild: Produktionszentrum für Solarmodule im Großraum Noida, Neu-Delhi, Indien: im Erneuerbaren-Sektor ergeben sich Perspektiven für die EU
       
       Bereits im Oktober trat Indiens Handelsvertrag mit den Efta-Staaten Island,
       Liechtenstein, Norwegen und Schweiz in Kraft, am Montag zog ein deutlich
       größerer Teil Europas nach: Die Europäische Union einigte sich auf ein
       [1][Freihandelsabkommen mit Indien]. Ein Markt mit zwei Milliarden Menschen
       und einem Viertel der globalen Wirtschaftsleistung soll entstehen. Denn:
       Nicht nur die EU, auch Indien sucht in einer immer unsichereren
       geopolitischen Welt [2][neue Partner].
       
       Die Wirtschaftskraft Indiens liegt derzeit hinter den USA und China
       ungefähr gleichauf mit Deutschland und Japan. Unterschied: ihr mit etwa 6,5
       Prozent rasantes Wachstum. „Die EU kann es sich kaum leisten, ihre Präsenz
       auf diesem Markt nicht auszubauen“, sagt Sonali Chowdhry vom Deutschen
       Institut für Wirtschaftsforschung. Das Abkommen schütze zudem das globale
       Handelssystem und verhindere „eine Spirale des Protektionismus“.
       
       Derzeit macht Indien nur rund 2,5 Prozent des gesamten EU-Warenhandels aus
       – im Vergleich zu knapp 15 Prozent bei China. Binnen sieben Jahren soll
       sich das Volumen nun verdoppeln, hoffen Brüssel und Neu-Delhi.
       
       Rund 6.000 europäische Unternehmen sind derzeit in Indien aktiv, darunter
       2.000 deutsche. Mit der Vereinbarung werden sofort gegenseitig 90 Prozent
       der Zölle gesenkt oder abgeschafft, weitere Erleichterungen sind geplant.
       Zollfrei werden europäische Maschinen, Elektrik oder Chemikalien, außerdem
       indische Meeresfrüchte, Pharmaka, Textilien oder Schmuck. Die Zölle für
       Edelweine sinken von 150 auf 20 Prozent, wichtige EU-Agrarprodukte wie
       Rindfleisch, Reis, Zucker, Milch und Geflügel sind hingegen vom Abkommen
       ausgenommen. Deshalb gibt es – anders als beim [3][EU-Vertrag mit dem
       lateinamerikanischen Mercosur-Bündnis] – auch kaum Proteste.
       
       ## Jede Menge Marktpotenzial
       
       Die Autozölle in Indien sinken für Europas Hersteller bis 2030 von 110 auf
       10 Prozent. Um die hohen Abgaben zu umgehen, betreiben BMW, Mercedes und VW
       bereits ⁠eigene kleine Montagewerke in Indien. 2025 verkaufte Volkswagen
       gut 70.000 Autos, BMW und Mercedes je 20.000. Wenig. Das liegt wohl auch an
       den Preisen: Maruti Suzuki – Indiens beliebteste Pkw-Marke mit 40 Prozent
       Marktanteil – verkauft Autos ab 5.800 Euro.
       
       Bei aller Einigkeit: Die EU-Kommission bestand darauf, dass Indien weiter
       den [4][CO2-Einfuhrzoll CBAM] zahlt. Stahlimporteure müssen ihn seit Anfang
       des Jahres aus Ausgleich dafür entrichten, dass EU-Hersteller
       CO2-Zertifikate kaufen müssen.
       
       Im Erneuerbaren-Sektor ergeben sich Perspektiven für die EU. Denn: Derzeit
       importiert Indien über 40 Prozent seiner Energie in Form von Kohle, Öl oder
       Gas, auch aus Russland. Kosten: 150 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Deshalb
       sieht der Thinktank Ember [5][Indien auf dem Weg zum „Elektrostaat“], der
       nicht wie China auf den klimaschädlichen – und teuren – Umweg über die
       Kohle als Energieträger setzt, sondern seine Wirtschaft gleich vor allem
       mit grünem Strom elektrifiziert. Bereits jetzt wird neun Prozent der
       Elektrizität mit Solaranlagen erzeugt. Allerdings kommt die Technik dazu
       immer noch vor allem aus China.
       
       27 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Welthandel/!6148938
 (DIR) [2] /Neues-Freihandelsabkommen/!6148418
 (DIR) [3] /Kommentar-von-Leila-van-Rinsum-zum-EU-Handelsdeal-mit-Brasilien-und-Co/!6144362&s=mercosur/
 (DIR) [4] /Einfuhr-von-Stahl-Duenger-und-Co/!5963230
 (DIR) [5] https://ember-energy.org/latest-insights/indias-electrotech-fast-track-where-china-built-on-coal-india-is-building-on-sun/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Außenhandel
 (DIR) Indien
 (DIR) Europäische Union
 (DIR) Handelspolitik
 (DIR) Freihandel
 (DIR) Welthandel
 (DIR) GNS
 (DIR) Mercosur
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Mercosur
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Welthandel: EU und Indien einigen sich auf Handelsdeal
       
       Die EU hat die Verhandlungen für ein weiteres großes Freihandelsabkommen
       abgeschlossen. Vor allem die deutsche Autoindustrie soll profitieren.
       
 (DIR) Parteispitze zu Freihandelsabkommen: Grüne wollen nicht mehr „auf jedes Komma achten“
       
       Hauptsache gegen Trump: Nach der umstrittenen Mercosur-Abstimmung im
       EU-Parlament wollen die Grünen bei künftigen Abkommen nicht mehr so genau
       hinschauen.
       
 (DIR) Freihandelsabkommen mit Mercosur: Historisches Abkommen infrage gestellt
       
       Das EU-Parlament lässt das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten vom
       Europäischen Gerichtshof überprüfen. Die Mehrheit dafür war denkbar knapp.